23.Oktober 2012, 8:14 Uhr

Rauchen gegen den Abfallberg

Rauchen ist tödlich – nicht nur für Mina, sondern auch für den Regenwald. Mina kann trotzdem nicht auf den Glimmstengel verzichten. Wie sie das mit ihrem grünen Gewissen in Einklang zu bringen versucht, erzählt sie euch hier.

Rauchen: Auch manche von uns LÄMMern tun es - verletzen damit ihre eigenen "Nachhaltigkeitsrichtlinien".

Tabak ist eine exotische Pflanze. Sie gedeiht dort, wo natürlicherweise üppiger Regenwald wächst. Um Platz zu schaffen für hübsche Tabakplantagen, muss deshalb der Bulldozer auffahren. Paradoxerweise ist der Regenwaldboden für Tabakplantagen gar nicht geeignet.

In einem intakten Regenwald sind die Pflanzennährstoffe in einen sich schnell drehenden Kreislauf eingebunden. Fällt ein Blatt zum Boden, wird es sofort durch eine Armee von gierigen Kleinstlebewesen zersetzt. Die dabei frei werdenden Nährstoffe bleiben nie lange im Boden. Kaum frei, werden sie vom nächsten Baum aufgenommen, der damit ein neues Blatt bildet. Von den gesamthaft im Regenwald vorhandenen Nährstoffen befinden sich deswegen gerade einmal 10% im Boden. Die restlichen 90% sind in der Biomasse der Tiere und Pflanzen gespeichert.

Ein Flickenteppich: Nicht nur für Soja sondern auch für Tabak wird Regenwald abgeholzt. Brasilien ist einer der grössten Tabakproduzenten der Welt.

Das Ganze funktioniert ganz gut, solange genügend Blätter zu Boden fallen. Tabakblätter landen aber nicht auf dem Boden, sondern in den Zigaretten. So zehrt jede Tabakpflanze von den mageren Nährstoffreserven im Boden, ohne etwas zurückzugeben. Schon nach wenigen Jahren ist der Boden ausgelaugt. Die Tabakplantage stirbt ab und es müssen neue Tabakfelder auf frisch gereodetem Regenwaldboden angelegt werden. So frisst sich der Bulldozer immer weiter in den Regenwald hinein.

10 Zigaretten pro Tag = ein Baum pro Monat

Bei 10 Zigaretten am Tag verrauche ich so in einem Monat einen ganzen Baum. Das können auch die sogenannten Öko-Zigaretten ohne Zusatz- und Aromastoffe, wie American Spirit, Camel Natural oder Parisienne Ohne nicht verhindern.

Dazu kommt, dass der Tabakgenuss das Risiko massiv erhöht, dass ich eines Tages an irgendeiner Form von Krebs sterben werde.

Das kleinste Übel

Eigentlich genügend Gründe, um dem Qualmen sofort zu entsagen! Doch so einfach fällt mir das leider nicht. Zumindest will ich aber versuchen das kleinste Übel zu rauchen. Entschieden hab ich mich für die neuen Parisienne Ohne. Weniger tödlich – für mich oder für den Regenwald – sind diese Zigaretten gewiss nicht.

Heiterer Blick auf ein ernstes Thema: Der Hollywoodstreifen "Thank you for Smoking" karikiert die skrupellose Tabaklobby

Aber die Verpackungsdesigner haben mich überzeugt. Tatsächlich sind nämlich nicht nur die Menschen auf den Werbeplakaten von Parisienne Ohne nackt, sondern auch die Päckchen selber. Herkömmliche Zigarettenschachteln sind in ein dünnes Cellophankleid eingehüllt. Ehrlich gesagt, habe ich den Zweck dieser zusätzlichen Plastikverpackung nie verstanden und war erfreut eine Packung zu finden ohne dieses überflüssige Plastikkleid. So kann ich bei jeder Zigarettenschachtel ein wenig Plastik sparen – was auch bitternötig ist. Als durchschnittliche Schweizerin bringe ich es nämlich auf stolze 120 Kilo Plastikmüll pro Jahr. Hauptbestandteil dieses Plastikberges sind Verpackungen. Haben diese Verpackungen ihren Zweck erfüllt, werden sie in der Schweiz grösstenteils verbrannt, wodurch der im Plastik gebundene Kohlenstoff als CO2 frei gesetzt wird und die Atmosphäre belastet.

Damit aber nicht genug der Neuerungen beim Zigarettenpäckchendesign. Auch beim Papier, welches die Glimmstengel im Inneren der Packung schützt, kann bei Parisienne Ohne eine erfreuliche Neuentwicklung beobachtet werden. Die Designer haben auf die Alubeschichtung verzichtet. Dadurch reduziere ich meinen Alukonsum. Toll, denn die Aluminiumproduktion verschlingt enorm viel Energie. Die so vom Alu befreite Zigarettenschachtel ist erst noch Altpapiertauglich.

Den Regenwald kann ich so nicht schützen. Und auch die Sache mit den schwarzen Zähnen und der Raucherlunge wird durch den Konsum der Parisienne Ohne sicher nicht besser. Aber immerhin vermag ich meinen Abfallberg, Energieverschleiss und CO2-Ausstoss ein wenig zu senken. Will ich aber noch konsequenter meine eigenen Ansprüchen an einen nachhaltigen Lebensstil gerecht werden, muss ich aber wohl oder übel auf die Seite der Nichtraucher wechseln.

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