Gehen Gitarrenhersteller für ihre edlen Instrumente über Baumleichen? Im letzten Teil unserer Gitarrenserie springen wir zurück nach Europa. Unseren Fragen nach der Herkunft der Gitarrenhölzer muss sich diesmal das Deutschlandbüro des renommierten Gitarrenbauers Walden stellen.
Den Grund für die Fragenserie liefert der Gitarrenproduzent Gibson. Hier nochmals die Kürzestzusammenfassung des Gibson-Falles. Die ausführliche Geschichte zum Gibson-Fall könnt ihr im ersten Teil der Gitarrenserie nachlesen.
Im August 2011 wurden die Büro- und Fabrikgebäude von Gibson zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Unbelehrbar soll Gibson für seine Gitarren ein weiteres Mal illegale Hölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Medienkampagne gegen den Lacey-Act, der den Import, Export, Kauf, Verkauf, Transport, Erwerb und Zukauf von Holz oder Holzprodukten bis hin zu Papier verbietet, wenn das verwendete Holz in seinem Ursprungsland illegal gefällt wurde.

Recherchen bestätigen den Verdacht
Recherchen des Zoo Zürich bestätigten, dass Gibson bereits vor drei Jahren illegal geschlagene Hölzer aus Madagaskar gekauft und in seinen Gitarren verarbeitet hatte.
LAMM hat sich den Gibsonfall zum Anlass genommen, weiteren Gitarrenherstellern zu schreiben und sie nach der Herkunft ihrer in den Gitarren verarbeiteten Hölzern zu fragen. In einer Serie veröffentlichen wir nun die Antworten.
Hallo zusammen
vor kurzem habe ich eine Walden Gitarre geschenkt gekriegt. Ich bin zwar noch blutiger Anfänger, aber das Spielen macht mir sehr viel Spass. Ich würde auch behaupten, dass ich langsam aber sicher besser werde (aber das liegt ja wahrscheinlich sehr im Ermessen des Betrachters oder eben Zuhörers
.
Obwohl ich wirklich sehr zufrieden bin mit meiner Gitarre, habe ich trotzdem eine Frage. Kürzlich entdeckte ich den Bericht vom Kassensturz über illegale Tropenhölzer im Instrumentenbau, welcher mich ziemlich geschockt hat (http://www.kassensturz.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/02/21/Themen/Familie-und-Freizeit/Viele-Haendler-ignorieren-Tropenholz-Raubbau). Nun würde ich gerne wissen, ob auch ich damit rechen muss, dass ich Raubbauholz in den Händen halte, wenn ich auf meiner Gitarre rumklimpere.
Was hat Walden für Beschaffungs-Richtlinien beim Holzeinkauf?
Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen, da ich leider auf eurer Homepage nicht fündig geworden bin.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Walden reagierte auf dieses Mail flink:
Hallo Gitarrenspieler
wahrlich ein großes Thema und ich bin auch der Meinung, dass es für die Herstellung
von Gitarren nicht notwendig ist geschützte Regionen bzw. Baumbestand für ein
“Luxusgut” zu vernichten, gar auszurotten.Mit Walden spielst Du eine “grüne Marke”, denn unser Hersteller hat sich freiwillig
verpflichtet keine geschützten Hölzer zu verbauen.
Vielmehr wird hier durch eine freiwillige Selbstkontrolle FSC www.fsc.org die Holzeinkäufe
überprüft.Das ist wichtig und macht Sinn!
Naja, auf der Website von Walden findet sich das FSC-Label aber nur bei einer Gitarre (Madera). Wie kommt das?
Hallo Walden
Vielen Dank für die Antwort – es freut mich sehr, dass Walden sich auch Gedanken macht zu diesem Thema. Im Katalog habe ich aber das FSC-Zeichen nur bei einer Gitarre (Madera) gesehen. Bei allen anderen steht davon nichts.
Wie kommt das?
Vielen Dank für eine Antwort und entschuldige bitte meine Neugier.
Viele Grüsse
Leider verstummte Walden nach dieser Nachfrage. Doch wir gaben nicht auf:
Vor etwa einem Monat bin ich mit einer Frage zum Holz, welches für den Gitarrenbau verwendet wird an euch getreten. Leider habe ich bis jetzt keine Antwort erhalten. Ich habe mich vor allem darüber gewundert, dass ihr euch selbst als eine „grüne Marke“ bezeichnet, obwohl im Katalog nur eine Gitarre das FSC-Zeichen trägt. Was zeichnet den die restlichen Walden-Gitarren als „grün“ aus?
Ich würde mich weiterhin über eine Antwort freuen.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus:
Hallo lieber Gitarrenspieler
sorry das ich erst jetzt dazu komme Dir zu antworten, aber wir hatten ja die
Musikmesse in Frankfurt und da ist immer einiges zu tun.
Jetzt aber los.Tatsächlich ist es so, dass lediglich die Madera Serie das FSC Zertifikat trägt.
Liegt natürlich daran, dass es zum einen die teuerste Walden Serie ist und eben
mit sehr hochwertigen Hölzern gebaut wird.
Und bei diesen Hölzern geht es eben um Schutz und die Verhinderung von sog. Raub Abbau.Das Unternehmen verpflichtet sich eben nur rechtlich einwandfreie Ware bzw. Hölzer
zu kaufen.
Bei den “Standard Serien” werden natürlich auch sehr gute Hölzer verwendet, doch
diese unterliegen (noch) keiner gefährdeten Sorte oder Art.Beispiel: Für eine Fichtendecke benötigt man keine Freigabe, da es sich um ein Holz
mit sehr hohem Bestand handelt.Du solltest aber beachten, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz der gerodeten Wälder
in die Musikindustrie gehen.Gruss aus Marburg
So nett die Antwort klingt, so falsch sind die darin enthaltenen Behauptungen.
1. “Raub Abbau”? Haben wir noch nie gehört. Das heisst Raubbau. Aber egal. Das wirkt jetzt vielleicht kleinlich. Aber wer nicht einmal die korrekten Begriffe gebraucht, wird sich wohl kaum intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
2. „Das Unternehmen verplichtet sich eben nur rechtlich einwandfreie Ware bzw. Hölzer zu kaufen“ Und wie garantiert mir das Unternehmen das? Das FSC-Label ist ja gerade geschaffen worden, um den Konsumenten signalisieren zu können: Das Holz, das wir verwenden, wurde nachhaltig produziert und eine unabhängige Stelle hat dies auch bestätigt. Beim FSC-Label gibt es momentan verschiedene skandalöse Fälle, wo die eigenen Richtlinien verletzt worden sind. Doch leider ist es nach wie vor das einzige Label, bei dem der Konsument einigermassen davon ausgehen kann, dass das Holz nachhaltig abgebaut worden ist – ausser er kauft Schweizer Holz. Das wäre optimal.
3. Ob die „Standard Serien“ nun aus Edelhölzern oder anderen Hölzern bestehen, spielt eigentlich gar keine Rolle. Wälder sollten in jedem Fall, auch bei nicht gefährdeten Arten, nachhaltig bewirtschaftet werden. Denn Bäume sind CO2-Speicher. Baut man Wälder ab, ohne sie zu ersetzten, wird zuvor im Wald gebundenes CO2 freigesetzt. Das ist nicht nachhaltig.
4. Natürlich braucht man für eine Fichtendecke keine Freigabe. Aber aus dem obigen Punkt (siehe 3.) sollte auch ein Fichtenwald nachhaltig bewirtschaftet werden.
5. Ausserdem braucht man auch für die Edelhölzer in Deutschland keine Freigabe. Diese werden nämlich aus Madagaskar herausgeschmuggelt. Sobald sie das Land verlassen haben, dürfen sie – ausser in den USA – legal gekauft und gehandelt werden.
6. Nochmals von wegen Fichtendecke: Im neuen Katalog von Walden (http://www.waldenguitars.de/uploads/media/Kat_WALDEN_End11.pdf) sind Griffbrett und Hals der meisten Gitarren aus Palisander, Ebenholz und Mahagoni (=alles tropische Edelhölzer). Der aktuelle Katalog hat keine einzige„Fichtengitarre“ drin.
Es scheint, dass bei Walden grundlegendes Wissen über Kreisläufe in der Umwelt und Nachhaltigkeit im Allgemeinen fehlt. Dieses Wissen wäre aber notwendig, damit das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, seine Rohstoffe nachhaltig zu beschaffen. Den Titel „grüne Marke„ müssen wir Walden leider aberkennen.
- Teil I: Paul Reed Smith Guitars
- Teil II: Godin Guitars
- Teil III: Fender
- Teil IV: Walden


