Den Regenwald opfern wir der Kunst. So oder ähnlich muss das Motto des Gitarrenherstellers Gibson lauten. Denn für seine edlen Gitarren verwendet das amerikanische Unternehmen illegal geschlagenes Edelholz aus den Regenwäldern Madagaskars. Wie skrupellos andere Gitarrenhersteller für ihre Musikinstrumente die Umwelt schänden, erfahrt ihr im zweiten Teil unserer Montagsmailserie zu Gitarrenproduzenten.
Hier eine Kürzestzusammenfassung des Gibson-Falles. Die ausführliche Geschichte zum Gibson-Fall könnt ihr im ersten Teil der Gitarrenserie nachlesen.
Im August 2011 wurden die Büro- und Fabrikgebäude von Gibson zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Unbelehrbar soll Gibson für seine Gitarren ein weiteres Mal illegale Hölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Medienkampagne gegen den Lacey-Act, der den Import, Export, Kauf, Verkauf, Transport, Erwerb und Zukauf von Holz oder Holzprodukten bis hin zu Papier verbietet, wenn das verwendete Holz in seinem Ursprungsland illegal gefällt wurde.

Recherchen bestätigen den Verdacht
Recherchen des Zoo Zürich bestätigten, dass Gibson bereits vor drei Jahren illegal geschlagene Hölzer aus Madagaskar gekauft und in seinen Gitarren verarbeitet hatte.
LAMM hat sich den Gibsonfall zum Anlass genommen, weiteren Gitarrenherstellern zu schreiben und sie nach der Herkunft ihrer in den Gitarren verarbeiteten Hölzern zu fragen. In einer Serie veröffentlichen wir nun die Antworten. Der Mailverkehr wurde von uns aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
Liebe Godin Guitars
Ich spiele seit langem eure Gitarren – seit kurzem auch an der berklee Universität. In letzter Zeit habe ich einige Dinge in den Nachrichten über die Materialien gehört, die von Gitarrenherstellern gebraucht werden. Angeblich sollen Gitarrenhersteller für die Gitarrenhälse Rosenholz verwenden. Und trotz der Tatsache, dass der Import und Kauf von Rosenholz aus Madagaskar illegal ist, hat die Gitarrenfirma Gibson angeblich solches Rosenholz für ihre Gitarren verwendet. Andere Unternehmen verwenden Rosenholz aus Brasilien, das gemäss CITES http://en.wikipedia.org/wiki/CITES, ebenfalls illegal ist.
Deshalb möchte ich sie fragen:
1. Woher kommt das Rosenholz, das Sie für ihre (und daher auch meine) Gitarre verwenden?
2. Könnten Sie die Herkunft all ihrer Materialien auf ihrer Website deklarieren?
Danke bereits im Voraus für eure Geduld und freundliche Grüsse
Godin Guitars meldete sich zügig und knapp:
Hallo
Alle Hölzer, die wir benutzen, sind FSC-zertifiziert.
Unsere Rosenhölzer kommen von Indien. Das meiste Holz, das wir benutzen (Zedern, Fichten, Ahorn, Pappeln, Linden, Vogelkirschen) wird lokal in Kanada angebaut.
Beste Grüsse
Godin Guitars.
Schön, dass sie alle Hölzer säuberlich auflisten, doch auf der Website findet man nur bei einem einzigen Produkt das FSC-Label. Wieso bloss?
Hallo
Danke für die schnelle Antwort. Wieso kann ich auf eurere Website das FSC-Label nirgends sehen? Wenn ihr bereits FSC-Hölzer verwendet, wäre es ja grossartig und geradezu Gratiswerbung für Godin, wenn ihr dieses Label auch auf der Website zeigen würdet, ich kenne nämlich eine Menge Leute, die sich dafür interessieren, woher die Produkte, die sie kaufen, stammen.
Danke und Grüsse
Godin fand unsere Frage sehr berechtigt:
Hallo
Das ist eine sehr gute Frage. Wir werden sie bei der nächsten Teamsitzung besprechen.
Danke
Wir freuen uns, wenn wir uns mit einem kurzen Mail tatsächlich als Traktandum in eine Teamsitzung der Marketingabteilung von Godin Guitars einbringen konnten. Löblich scheint uns, dass Godin auf lokale Holzprodukte setzt. Die Herkunft der Rosenhölzer können wir als Konsumenten natürlich schwer nachprüfen. Doch immerhin sensibilisieren wir die Gitarrenproduzenten mit unseren Fragen dafür, dass die Herkunft der Rohstoffe auch für Musiker einen Faktor beim Kaufprozess darstellt.
Die Gitarrenserie:
- Teil I: Paul Reed Smith Guitars
- Teil II: Godin Guitars
- Teil III und IV folgen



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