19.März 2012, 18:49 Uhr

Ist das Biofilet tatsächlich umweltfreundlicher als das Filet vom konventionell gezüchteten Rind?

Immer mehr Konsumenten geben immer mehr Geld für biologisch angebaute Lebensmittel aus. Doch mit dem Erfolg der als gesund und umweltfreundlich angepriesenen Nahrung, wächst auch die Gruppe der Kritiker. Ihre kühne Behauptung: Bio ist weder grün noch gesund. Das folgende Montagsmail klärt mit einem Fallbeispiel, ob die Grundsatzkritik berechtigt ist.

Es sind gute Zeiten für Biobauern. Immer mehr Produkte aus biologischer Landwirtschaft füllen die Regale der Supermärkte. Und immer mehr dieser Bioprodukte werden tatsächlich gekauft. Der Umsatz von Coops Biomarke Naturaplan wuchs alleine im Jahr 2010 um vier Prozent. Auch die Migros will vom Bioboom profitieren. Im Februar gab sie eine  Zusammenarbeit mit der deutschen Bio-Kette Alnatura bekannt. In gemeinsamen Läden sollen ausschliesslich Bioprodukte verkauft werden.  Da freuen sich nicht nur Biobauern, sondern auch umweltbewusste Konsumenten.

Wachsende Kritik an Biolandwirtschaft

Doch ist die Freude tatsächlich angebracht? Sind Bioprodukte wirklich besser, gesünder und umweltfreundlicher? Wie die biologische Landwirtschaft in breitere Gesellschaftsschichten vordringt, werden auch immer mehr Stimmen laut, welche die Überlegenheit der Bioprodukte anzweifeln. So verkündete Nina Fedoroff, Präsidentin der Wissenschaftsgesellschaft AAAS, in der NZZ am Sonntag Bioprodukte seien weder gesund noch umweltfreundlich. Die steile These vermochte sie in ihrem Interview nicht mit wissenschaftlichen Beweisen zu unterlegen. Stattdessen flüchtete sie sich in Allgemeinplätze und verleumdete Biokonsumenten und Biobauern als verrückte Mystiker.

Wie umweltfreundlich Bioprodukte im Vergleich zu konventionell produzierten Lebensmitteln tatsächlich sind, lässt sich natürlich von einem Blog wie LAMM nicht wissenschaftlich untersuchen. Doch vielleicht können wir ja mit einem kleinen Beispiel zeigen, wie unqualifiziert Fedoroffs Grundsatzkritik ist.

Fallbeispiel Viehzucht

Es bietet sich an, Biofleisch mit Fleisch aus konventioneller Viehzucht zu vergleichen. Die Fleischproduktion verschlingt nicht nur viel Wasser, sondern auch – gerade in der konventionellen Viehzucht – extrem viel Futtermittel wie Soja. Dieses wird zu einem Grossteil aus Brasilien importiert. Für den Sojaanbau roden die brasilianischen Bauern riesige Flächen an Regenwald. Seit 2003 wurden den Sojafeldern mehr als 70’000 Quadratkilometer Regenwald geopfert.

Wo es jetzt aussieht wie im Schweizer Mittelland, war einst brasilianischer Regenwald. Der Grund für diesen Wandel: Hungrige Schweizer Kühe.
Wo es jetzt aussieht wie im Schweizer Mittelland, war einst brasilianischer Regenwald. Der Grund für diesen Wandel: Hungrige Schweizer Kühe.

Eine solche Umweltschädigung wäre mit einem Biolabel selbstverständlich kaum zu vereinbaren. Wir haben uns also an Biosuisse gewandt und in Erfahrung zu bringen versucht, woher das Soja, das den Biokühen verfuttert wird, stammt.

Guten Tag

Da ich grossen Wert auf eine gesunde und umweltfreundliche Ernährung lege, kaufe ich viele Knospenprodukte. Vor allem wenn ich wieder einmal Lust auf ein Stück Fleisch habe, achte ich darauf, dass die Knospe auf der Verpackung ist. Was mich aber schon länger wunder nimmt, ist wie Bio Suisse mit der Sojaproblematik im Regenwald umgeht. Viele Rinder und Schweine in der Schweiz werden ja mit Soja gefüttert, welches auf gerodeten Regenwaldflächen angebaut wird. Werden auch die Knospen-Tiere mit Soja aus dem Regenwald gefüttert?

Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen.

Die Antwort liess nicht lange auf sich warten.

Guten Tag

Danke für Ihr Interesse und Ihre Anfrage, die sich nicht mit ja/nein beantworten lässt, aus der Gesamtsicht von Bio Suisse (Biovorschriften, Importpolitik, Entwicklung) jedoch wie folgt. Die Rodungsproblematik zu Soja ist bekannt, ebenso die Risiken von GVO- und Monokulturen. Die Kriterien für die Knospe-Produktion gelten grundsätzlich auch für die Anerkennung von ausländischen Biorohwaren und Futtermitteln, wenn Sie in der Schweiz mit der Knospe gehandelt werden. Für spezifische Situationen ausserhalb der Schweiz, arbeitet Bio Suisse laufend an der Festlegung der Gleichwertigkeit. In den Umsetzungsbestimmungen ist schon seit langer Zeit festgelegt, dass Rodungen von sogenannten „High Conservation Value Areas“ nicht als Bioanbauflächen akzeptiert werden. Wenn für eine Parzelle ursprünglich einmal unzulässig gerodet wurde, so darf dies nicht nach 1994 stattgefunden haben, damit die Fläche auf Bioanbau umgestellt und anerkannt werden kann. Damit wird der ökonomische Anreiz zu einer solchen Flächenschaffung verhindert.

Importierte Biosoja, die von Bio Suisse anerkannt ist, darf verfüttert werden. Im Durchschnitt der letzten 4–5  Jahre stammte rund ein Drittel der Sojaeinfuhren von Betrieben in China, ein kleiner Teil aus brasilianischen Kleinbauernkooperativen und mehr als die Hälfte aus Europa (v.a. Italien, ferner Ungarn, Rumänien, Österreich).

Für Wiederkäuer gilt allerdings nach Knospe-Richtlinien, dass Kraftfutter nur bis maximal 10 % der Gesamtration eingesetzt werden darf (wobei Soja wiederum nur ein Teil der Futtermischung ist). Das ist im Vergleich wenig (die CH-Bioverordnung limitiert bei 40 %). Rinder verzehren zum grössten Teil Raufutter und das soll auch weiter gefördert werden, weil die Verfütterung grosser Mengen von Kraftfutter zwei Grundsätzen des Biolandbaus widerspricht: dem der artgerechten Tierfütterung und dem Grundsatz, dass Wiederkäuerfutter nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung stehen soll. Zu den Bestrebungen in dem Bereich s. Artikel im Anhang sowie unter:  http://www.fibl.org/de/service/nachrichtenarchiv/meldung/article/gesund-nur-heu-und-gras-fuer-kuehe.html

Wenn man vom problematischen Sojaanbau spricht, muss unterschieden werden zwischen unterschiedlichen Anbaumethoden. Bio Suisse ist Mitglied des Netzwerks nachhaltige Soja und erfüllt von vornherein dessen Kriterien, die aber mit nicht biologischem Anbau nicht gleichzusetzen sind: www.bio-suisse.ch/de/presse/news.php?ID_news=617.

Biowissen allgemein: http://www.bio-suisse.ch/de/bio-wissen.php

Freundliche Grüsse

Qualitätssicherung und -entwicklung

Leider fressen also auch Biokühe Soja aus dem Regenwald. Aber weniger als die herkömmlichen Kühe, da Biosuisse zur Hälfte europäische Sojabohnen unter die Kühe bringt. Ob die chinesische Sojabohne besser ist als die Brasilianische, können wir nicht beurteilen. Erfreulich ist, dass Biokühe insgesamt weniger Soja und dafür mehr Heu und Grass (Raufutter) vertilgen. Leider klärt uns Biosuisse nicht darüber auf, wie es diesbezüglich bei den Bioschweinen und Biohühnern aussieht.

Der Vergleich von biologischem mit konventionell gezüchtetem Vieh zeigt klar: Biofleisch schont den Regenwald und ist somit umweltfreundlich. Noch umweltfreundlicher wäre synthetisch im Labor hergestelltes Fleisch – en guete… ;)

Nur weil die Grenze sauber gezogen ist, muss sie deswegen noch lange nicht legal sein: Illegal gerodeter Regenwald in Brasilien. (c) by Leonardo Freitas
Nur weil die Grenze sauber gezogen ist, muss sie deswegen noch lange nicht legal sein: Illegal gerodeter Regenwald in Brasilien. (c) by Leonardo Freitas
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2 Responses to Ist das Biofilet tatsächlich umweltfreundlicher als das Filet vom konventionell gezüchteten Rind?

  1. Markus says:

    Am besten anfangen, 1x pro Woche einen vegetarischen Tag einlegen. Wer in den grösseren Städten wohnt, einfach auch mal ins Vegi-Resti gehen, um sich mit super Gerichten zu inspirieren… vielleicht kommt so ja der eine oder andere auf den Geschmack!

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