Kann Starbucks sein Versprechen an die Umwelt einhalten?
Umweltverschmutzer oder erfinderische Recyclingvorreiter? Milliarden an Kartonbecher gehen jedes Jahr über die 19‘000 Kaffeebartheken von Starbucks. Becher, die nicht rezykliert werden können, weil sie mit dünnem Plastik beschichtet sind. Dass diese Abfallflut dem Image schadet, hatte Starbucks früh erkannt. Bis 2012 wollte man nur mehr rezyklierbare Becher verkaufen. Einfacher gesagt, als getan.
18‘887 Kaffehäuser betreibt Starbucks weltweit. Gemäss eigenen Angaben verkaufte der Kaffeebarmulti bereits 2006 mehr als 2.3 Milliarden Kaffees in Kartonbecher – eine Zahl, die in den letzten fünf Jahren nochmals gestiegen sein dürfte. Die Kartonbecher stellen für Starbucks ein grosses Problem dar. Wegen der dünnen Plastikbeschichtung sind sie nämlich nicht rezyklierbar. 2.3 Milliarden Kartonbecher also, die verbrannt werden müssen oder – noch schlimmer – in Ländern, wie Guatemala oder Griechenland, wo Starbucks ebenfalls präsent ist, einfach am Strassenrand verrotten. Für einen Konzern, der sich bereits 1992 in einem Umweltleitbild zu einer nachhaltigen Unternehmensführung verpflichtet hat, stellt diese Abfallflut eine mittlere Katastrophe dar.

Die Becher des Anstosses: Eine feinste Schicht Plastik lässt Recyclingträume platzen (c) by Carolyn Coles
Dem Multi muss man zugute halten, dass er das Problem erkannt hat. 2008 versprach Starbucks CEO Howard Schultz an einem Managementseminar, dass bis 2012 alle Starbucks-Becher 100% rezyklierbar sein würden. Der Kaffeemulti forschte und suchte nach einem Becher, der rezyklierbar und günstig zu produzieren ist – bislang erfolglos. Das Jahr 2012 hat bereits begonnen und immer noch erhält, wer einen „Kaffee zum Mitnehmen“ verlangt, einen mit Plastik beschichteten Kartonbecher.
Doch vielleicht hat Starbucks ja einen Wunderbecher in der Pipeline. Ein Becher, der sich in Luft auflöst, sobald der Kaffee getrunken ist. Oder ein Becher, so leicht wie Karton und so langlebig und stabil wie Porzellan. Ein Becher also, der so grün ist wie die Farbe des Starbucksschriftzugs.
Lieber Starbucks
Ich mag euren Kaffee sehr. Und seitdem er auch noch Fairtrade zertifiziert wird, trinke ich ihn auch ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Danke sehr.
Doch letzthin bin ich auf etwas aufmerksam gemacht worden, was meinen Starbucksbesuch stört. Eure Pappkartonbecher sind nicht recyclebar. Zumindest nicht in der Schweiz. Und zwar wegen der Beschichtung. Jedes Jahr verkauft ihr sicherlich viele solche Becher (auch an mich).
Wieso entwickelt ihr nicht Kartonbecher, die rezykliert werden können?
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir das erklären könntet.
Ein grosses Dankeschön schon im Voraus und liebe Grüsse
Nach einigem hartnäckigen Nachfragen erbarmte sich Starbucks den neugierigen Kaffeetrinkern:
Sehr geehrter Herr
Bitte entschuldigen Sie, dass Sie nie eine Antwort von uns erhalten haben, das scheint irgendwie untergegangen zu sein.
Leider ist es nicht so einfach, recyclebare Kartonbecher zu produzieren, wir haben diese Option bereits einmal angeschaut und sind immer wieder am Klären, ob es nicht doch noch eine Lösung gibt. Konkret geplant ist momentan aber nichts.
Freundliche Grüsse
Wir zitieren: „Konkret geplant ist momentan aber nichts.“ Das lässt kaum Raum für Hoffnung auf eine grüne Becherrevolution. Weiterhin werden also Milliarden an Kartonbechern über die Starbuckstheken wandern, von schlürfenden Konsumenten kurz spazieren geführt, bevor sie dann in einem alle Rohstoffe begierig für immer verschlingenden Abfalleimer dem Kreislauf entzogen werden. Wir verzichten also weiterhin auf den Gang in die Kaffeebar, deren Logo eine grüne Sirene ziert.

Da hilft nur eins: Tuppern!