7.Dezember 2011, 11:14 Uhr

Auf der Suche nach der "guten Bank"

Mit Nachhaltigkeitsrichtlinien und vollmundigen Versprechen hat sich die ZKB von den Grossbanken abzugrenzen versucht. Doch wie unser letzter Blogbeitrag zeigte, scheint selbst im ach so sozialen Kantonsbetrieb die Profitgier vernünftiges Denken ausgeschaltet zu haben. Müssen wir verzweifeln? Lässt sich für unser Geld gar kein sowohl sicherer als auch sozialer und ökologischer Hafen finden?

Dass die Grossbanken UBS und CS mit ihren Kundengeldern wenig nachhaltig wirtschaften ist heute ein Gemeinplatz. Dem Paradeplatz gegenüber skeptisch eingestellte Bürger vertrauen ihr Geld daher oftmals den Kantonalbanken oder der Raiffeisenbank an. Diese heben in ihren Marketingaktionen regelmässig ihr soziales Engagement und ihre nachhaltigen Investmentkriterien hervor. Doch wie unser letztes Mail gezeigt hat, sollte man sich auf diese Versprechungen keineswegs verlassen.

Keine "gute Bank": UBS am Paradeplatz  (c) by rafaj
Keine "gute Bank": UBS am Paradeplatz (c) by rafaj

Falsche Nachhaltigkeitsversprechen

Die Zürcher Kantonalbank unterstützt grosszügig den Zürcher Zoo, Konzertreihen und den öffentlichen Nachtverkehr. Und die Prinzipien der Nachhaltigkeit setzt sie seit 2002 mit ausführlichen Richtlinien in die Tat um. Natürlich weist die öffentlich-rechtliche Finanzanstalt in grossflächigen Werbekampagnen gerne auf ihre wohltätige und ökologische Ader hin. Doch unser Montagsmail mit der Frage nach allfälligen Verwicklungen der ZKB mit der Rüstungsindustrie entlarvte die Kantonalbank als Heuchlerin. Nicht nur hatte sie die eigenen Richtlinien verletzt indem sie Aktien eines Streubombenproduzenten in den “Visionfunds” aufnahm. Sie versuchte auch auf gar plumpe Art und Weise den Waffenproduzenten als harmlosen Ingenieursbetrieb zu verkleiden.

Der Fall brachte uns Fragende ins Grübeln. Wenn selbst eine Kantonalbank dreist und gierig ihre eigenen Prinzipien verletzt, kann es dann überhaupt irgendeine Bank geben, die unseren Ansprüchen gerecht wird? Gibt es irgendwo in der weiten Schweizer Bankenlandschaft ein Institut, das uns garantieren kann, mit unseren Geldern keinerlei Waffengeschäfte und ähnlich mörderische Investitionen zu tätigen? Ist es überhaupt möglich, dass eine Bank heute überleben kann, wenn sie konsequent nach Prinzipien der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit zu wirtschaften versucht?

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Natürlich liessen wir uns durch solche Zweifel nicht entmutigen. Ein LAMM gibt niemals auf. Zudem hatten wir – es muss in der naiven Zeit der ZKB-Hörigkeit gewesen sein -  von der Alternativen Bank gehört. Eine sagenumwobene Institution mit nur einer richtigen Filiale, die sich zudem noch in Olten versteckt. Auf der Website der ABS erfuhren wir, wie sich die alternativen Bankiers selbst sahen: “Die ABS ist die soziale und ökologische Alltagsbank für alle, die wissen wollen, was mit ihrem Geld geschieht.” Aha. Eine Aussage, die wir ebenso gründlich prüfen wollten, wie zuvor die Marktetingversprechen der ZKB. Wir schrieben ein Montagsmail:

Liebe Alternative Bank
Im Zuge der jüngsten Demonstrationen denke ich ernsthaft darüber nach mein Konto zu ihnen zu zügeln. Wie kann ich dann sicher sein, dass mein Geld bei ihnen nicht in heiklen Investmentbankings verzockt wird, bei Investitionen in der Rüstungsindustrie landet oder in übertrieben Boniausschüttungen verschwindet?
Ich wäre um eine kurze Antwort froh.
Freundliche Grüsse

Potentiellen Kunden widmet sich die Alternative Bank ein wenig ausführlicher:

Sehr geehrte Dame
Vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an der Alternativen Bank Schweiz.
Die ABS betreibt keine Spekulation und reinvestiert die Kundengelder in der Realwirtschaft. Wir haben Förderkriterien (z.B. Erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft, etc.) und Ausschlusskriterien, zu denen auch die Rüstungsindustrie gehört.  Ein Hauptmerkmal unserer Geschäftspolitik ist Transparenz. Wir veröffentlichen alle ausbezahlten Kredite in einer Kreditliste, welche im Anhang unseres Geschäftsberichtes zu finden ist. Auch die Löhne/Honorare (und der Bestand an ABS-Aktien) unserer Geschäftsleistungs- und Verwaltungsratsmitglieder sind im Geschäftsbericht veröffentlicht.
In der Beilage finden Sie die Broschüre „Die ABS im Überblick“, unser Leitbild sowie den Geschäftsbericht für das Jahr 2010. Bitte beachten Sie, dass die oben erwähnte Kreditliste nur dem physischen Geschäftsbericht beiliegt. Bei Interesse stellen wir Ihnen gerne ein physisches Exemplar zu.
In der Broschüre „Die ABS im Überblick“ steht im Bereich Nachhaltigkeit: „Bei der ABS können Sie sicher sein, dass sie auf spekulative und ökologisch oder sozial fragwürdige Geschäfte verzichtet“.
Die Kreditliste stellt eine Möglichkeit dar um zu überprüfen, ob Ihr Geld  wirklich nicht an Unternehmen in der Rüstungsindustrie vergeben wird. Wie bereits erwähnt werden darin alle bewilligten Kredite veröffentlicht.
Im Geschäftsbericht sehen Sie auf Seite 22 und 23 die bezogenen Honorare unserer Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder.
Falls Sie weitere Fragen haben, können Sie uns gerne via E-Mail (xxxx@abs.ch) oder telefonisch (xxx0) kontaktieren.
Freundliche Grüsse,
xxx

Die Kreditliste klang nach genau dem Instrument, das wir gesucht hatten. Auch wie transparent die Honorare der Geschäftsleitung und Verwaltungsratsmitglieder kommuniziert werden, machte uns die Alternative Bank sympathisch. Selbstverständlich bestellten wir die Kreditliste und vertieften uns ein wenig in den Geschäftsbericht. Folgend einige bemerkenswerte Punkte, die wir im Geschäftsbericht und der Kreditliste entdeckt haben:

  • Die ABS weist in ihrem Jahresbericht sowohl den niedrigsten Bruttolohn (4307 CHF) als auch den höchsten Bruttolohn (15133 CHF) aus. Das Verhältnis Tiefst- zu Höchstlohn betrug 2010 somit 1:3,5. Reglementarisch legt sich die ABS eine maximale Spannweite von 1:5 auf.
  • Von den 80 MitarbeiterInnen beschäftigen sich im Ablauf der Geschäftsprozesse 39 mit Umweltaspekten
  • Der Geschäftsbericht weist auf einer ganzen Seite “Betriebsökologische Kennzahlen” aus: Nebst dem Wasserverbrauch, der nach Regen- und Trinkwasser aufgeschlüsselt ist, finden sich auch Informationen zum Geschäftsverkehr (91 Prozent mit der Bahn, 5 Prozente mit dem Auto, 4 % mti dem Flugzeug) und dem Papierverbrauch.
  • In der Kreditliste veröffentlicht die ABS alle vergebenen Kredite. Den Grossteil machen Hypothekarkredite aus. Die Hypothekenbezüger sind mit Namen, Vornamen und Wohnort genannt. Auf das Bankkundengeheimnis verzichtet also, wer von der ABS Kredite bezieht. Wer was zu verbergen hat, ist bei der ABS nicht willkommen.
  • Zudem vergibt die ABS Förderkredite an Projekte zur Förderunge erneuerbarer Energien, biologischer Landwirtschaft etc. Auch die mit Förderkrediten ausgestatteten Projekte  sind nachvollziehbar deklariert. Beispiele: Maier’s Raum für Theater GmbH, Zürich (Theater und Bar/Bistro: 53000 CHF)

Fazit:

Die Antwort der ABS lässt das Verhalten der ZKB in einem noch viel düstereren Licht erscheinen. Transparenz scheint möglich. Gewinnmaximierung ist auch im Bankensektor kein Naturgesetz. Und wie konsequent eine Bank ihre eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinien befolgt, hängt ganz einfach davon ab, wie ernst es ihr mit diesen Richtlinien tatsächlich ist. Als Bankkunde kann man die Inkonsequenz der Grossbanken und der ZKB ein wenig ausgleichen. Man muss nur die Bank wechseln.

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  1. Die Zürcher Kantonalbank verspottet die eigenen Nachhaltigkeitskriterien

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