Die Zürcher Kantonalbank verspottet die eigenen Nachhaltigkeitskriterien
Banken arbeiten mit den Geldern ihrer Kunden. Um die Kundeneinlagen zu vermehren und eigene Profite zu erwirtschaften gewähren sie Kleinunternehmen Kredite, spekulieren auf Währungskursschwankungen oder investieren in Grossunternehmen. Dass dabei mit dem Geld der Kunden auch blutige Projekte mitfinanziert werden, wurde lange Zeit verdrängt.
Schon vor zwei Jahren deckte die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern auf, dass die zwei Schweizer Grossbanken CS und UBS durch ihre Kreditfinanzierungen indirekt (und direkt) Menschenrechte verletzen. In Usbekistan finanzierte die CS den Kauf von Baumwolle, die mit Kinder- und Sklavenarbeit geerntet worden war. Zudem gewährten beide Schweizer Grossbanken Rüstungsunternehmen Kredite, die international geächtete Streubomben produzierten. Dies waren nur zwei von vielen Beispielen, die von der EvB auf der Seite www.bankenundmenschenrechte.ch aufgelistet wurden.
UBS kann Finger nicht von Waffendeals lassen
Nachdem der Bundesrat im Sommer dieses Jahres erklärt hatte das internationale Abkommen zur Ächtung von Streubomben ratifizieren zu wollen, geriet zumindest die Streubombenfinanzierung unter Druck. So zog sich die CS von Geschäften mit den Produzenten der heimtückischen Bomben zurück. Die UBS hingegen liessen die kommenden rechtlichen Regelungen kalt. Solange wie gesetzlich erlaubt will sie bei den lukrativen Waffengeschäften mitprofitieren.
Die Skurpellosigkeit der Grossbanken dürfte nur wenige unserer Leser erstaunen. Spannender gestaltet sich schon die Frage, wie geschäftstüchtig die kleineren und mittleren Banken, die sich in den Händen von Genossenschaftern und Kantonen befinden, bei Waffengeschäften mitmischeln. Zu unserem ersten Ansprechpartner erkoren wir die Zürcher Kantonalbank, die sich selbst als besonders nachhaltige Bank zu verkaufen versucht
Liebe Zkb
Ich hab schon seit immer mein Konto bei euch – und war/bin damit zufrieden. Die Schweizer Banken liefern ja momentan eine Menge an Gesprächsstoff. Was man auch immer wieder hört, ist dass die Banken in Projekte der Rüstungsindustrie investieren. Ich hoffe, sie haben Verständnis dafür, dass es mir beim Gedanken, mein bei ihnen gelagertes Geld könnte den Krieg unterstützen nicht gerade wohl ist.
Unterstützt auch die ZKB Projekte in der Rüstungsindustrie?
Vielen Dank für eine Antwort und freundliche Grüsse
Kriegsfinancier ist ein Vorwurf, den die ZKB natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen wollte:
Wir verstehen Ihren Unmut. Die Zürcher Kantonalbank beachtet bei ihrer Geschäftstätigkeit im In- und Ausland die Grundsätze der Nachhaltigkeit. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir erfolgreiches wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen.
Bei Investitionen in Unternehmen gibt es strikte Richtlinien, die wir als Bank beachten.
Der ZKB Vision Fonds hält 35’000 Aktien der Firma Textron, die primär in Helikopter und andere Fluggeräte herstellt. Dies entspricht 1,6 Prozent des gesamten Fondsvolumen. Die Firma Textron ist vornehmlich in der Herstellung von Fluggeräten tätig. Firmen, die mit der Herstellung von Waffen und Munition zu tun haben, werden gemäss den Ausschlusskriterien der ZKB zu 100 Prozent ausgeschlossen.
Ich hoffe, Ihnen eine zufriedenstellende Antwort gegeben zu haben
Eine in verschiedener Hinsicht äusserst aufschlussreiche Antwort. Den Grundsatz der Nachhaltigkeit, der von der ZKB zitiert wird, ist für eine Schweizer Bank löblich. Wie die Beispiele auf BankenundMenschenrechte.ch zeigen, sind Nachhaltigkeitsleitrichtlinien bislang von den Grossbanken eher belächelt worden. Doch zurück zur ZKB und ihrem ‘Gutbankentum’.
„Wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen“, beinhaltet selbstverständlich, dass Rüstungsunternehmen von Investitionen ausgeschlossen werden. Die ZKB scheint erkannt zu haben, wie sie die abstrakten Nachhaltigkeitsleitlinien konkret umsetzten könnte.
ZKBs Richtlinien nicht mehr als leere Worte
Könnte? Ja, könnte! Die von der ZKB erwähnte Firma namens Textron produziert nämlich weit mehr als zivile Helikopter. Folgend ein paar Bilder (bei Klick auf ein Bild öffnet sich die Galerie) und ein Video (Ausschnitt von zwei Minuten) aus Textrons Produkteportfolio, das die Firma auf ihrer Website präsentiert:
Wir zitieren: “Firmen, die mit der Herstellung von Waffen und Munition zu tun haben, werden gemäss den Ausschlusskriterien der ZKB zu 100 Prozent ausgeschlossen.”
Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.
P.S. Textron produziert selbstveränstlich auch Streubomben.
Update: Bitte beachtet die jüngsten Entwicklungen im ZKB-Textronfall in den Kommentaren zu diesem Artikel!




Gestern Abend meine Anfrage per Twitter mit Verweis auf diesen Artikel: #ZKB investiert in Hersteller von Streumunition (#Textron). Was meint @zkbonline dazu? Heute die Antwort von @zkbonline: Danke für den Tipp zu #Textron. Die Titel haben wir am 2.9.2011 aufgrund erster Hinweise verkauft. Nun ist also Montagsmailer wieder gefragt: Von wann stammt die zitierte ZKB-Antwort?
Danke für das Nachfragen bei der ZKB, lieber Netscout.
Die Antwort auf unsere Frage verschickte die ZKB am 18.Oktober, mehr als eineinhalb Monate nach dem angeblichen Verkauf der Textron–Aktien.
Ist diese Antwort der ZKB also einfach nur ein unglaublich peinliches Versehen? Hoffen wir es.
Unabhängig davon, wann die ZKB ihre Textronaktien verkauft hat, bleibt die ganze Sache eine extrem beschämende Angelegenheit für die ZKB. Bereits seit 2002 wirbt die ZKB mit dem Label der “Nachhaltigkeit”. 2009 unterzeichnete die ZKB die “Principles for Responsible Investment (PRI)”
der Vereinten Nationen. Die Aktien des Streubombenproduzenten blieben also noch mindestens zwei Jahre länger im Portfolio der nachhaltigen Bank – zwei Jahre zu lang für meinen Geschmack.
Ich gehe eher davon aus, dass die ZKB nicht den Überblick hatte über alle Tochtergesellschaften des Mischkonzerns Textron. Sind ja scheinbar ziemlich viele.
Eine kurze Googelabfrage hätte genügt….
Manchmal scheint der Weg zum Eingabeformular von Google weiter zu sein als die Reise zum Mars.
Was man mit einem Mail so alles aufdeckt… Herzliche Gratulation!