Im Jahr 2010 sind in der Schweiz deutlich mehr Tierversuche durchgeführt worden als in den Jahren zuvor. Zwar gehen viele davon auf das Konto von Spitälern. Doch erstmals seit vielen Jahren wurden auch wieder Kosmetika an Tieren getestet.

Diese Entwicklung erstaunt die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierschutzgegner keineswegs. „Dass sogar wieder Tierversuche für Kosmetik bewilligt wurden, zeigt einmal mehr, dass freiwilliger Verzicht – wie er oft propagiert wird – nur eine Luftblase ist. Wir brauchen endlich griffige und klare Gesetze“, meint Andreas Iten Geschäftsführer der Tierschutzgegner. Die Liga der aussergewöhnlichen Montagsmailer (LAMM) sieht die Notwendigkeit von Gesetzen ein. Doch auch der Konsument kann handeln. Deshalb haben wir dem Kosmetikkonzern Beiersdorfer, dessen erfolgreichste Marke Nivea ist, ein Mail geschrieben. Höflich fragten wir darin, ob Beiersdorfer für Nivea-Kosmetikprodukte denn Tierversuche durchführt. Wir nutzten die Gelegenheit auch gleich, um einige weitere Fragen betreffend Palmöl und Verpackungsmaterial zu stellen, aber leset selbst…
Liebe Nivea
Zuerst einmal ein Kompliment – ich benutze jetzt schon länger die Nivea Visage Aqua Sensation Gesichtscreme und mit keiner anderen Gesichtscreme war meine Haut bisher so gut. Da ich eine eher anspruchsvolle Haut habe ist das nicht selbstverständlich.
Ich würde mich selber als eine bewusste Konsumentin bezeichnen und da ich ihre Creme nun wirklich schon lange und auch oft benutze, würden mich einige Punkte wunder nehmen bezüglich dieser Creme. Deshalb wende ich mich mit ein paar Fragen an sie:
1) Wird oder wurde diese mit Tierversuchen getestet?
2) Enthält diese Creme Palmöl oder Inhaltsstoffe auf der Basis von Erdöl?
3) Aus was für Holz/Papier wird die Packung hergestellt? Verwenden sie Altpapier oder zumindest FSC-zertifiziertes Holz?
Entschuldigen sie bitte meine Neugier. Ich hoffe, dass ich ihnen mit meinen Fragen nicht zu viel Aufwand bereite. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn sie meine 3 Fragen beantworten könnten.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Drei Fragen ergeben – bei einem gründlichen, deutschen Konzern – drei Antworten:
Vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse unserem Unternehmen.
Zu Ihren Fragen können wir folgendes sagen;
Beiersdorf führt mit kosmetischen Produkten keine Tierversuche durch und
lässt sie auch nicht extern durchführen. Wir sind davon überzeugt, dass die
Entwicklung kosmetischer Produkte auf die Nutzung von Tieren zu
Versuchszwecken verzichten muss. Darüber hinaus tragen wir nicht nur den
Wünschen vieler Kunden, sondern auch dem aktuellen Stand der
wissenschaftlichen Forschung und entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen
Rechnung.Beiersdorf bezieht direkt kein Palmöl zur Herstellung von Kosmetika und
produziert auch keine weiterverarbeiteten Stoffe auf der Basis von Palmöl
bzw. Palmkernöl. Allerdings setzen wir, wie generell in der
Kosmetikindustrie üblich, in einer Reihe von Produkten erforderliche
Hilfsstoffe wie Emulgatoren und Tenside ein (Fettalkohole, Fettsäuren und
Glyceride). Diese Produkte werden üblicherweise auf der Basis von
mineralischen und pflanzlichen Ölen hergestellt; Pflanzenquellen sind
beispielsweise Kokosnussöl, Rapsöl, Palmöl und Palmkernöl. Einzige
Ausnahme: In einer Festseife wird ein Inhaltsstoff verwendet, der direkt
verarbeitetes Palmkernöl enthält.Für unsere Verpackungen setzen wir FSC-fähiges Papier ein. Das heisst es
entspricht den Anforderungen, ist aber nicht zertifiziert.Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie sich auch gerne an unsere
gratis NIVEA Beratungs – Hotline unter 0800 80 61 11 wenden (Mo-Fr,
09.00-12.00).Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen gedient zu haben und würden uns
freuen, Sie auch in Zukunft zu den zufriedenen und treuen Kunden von NIVEA
zählen zu dürfen.Freundliche Grüsse
Schmierig umgeht Nivea (oder Beiersdorfer) die heiklen Punkte. Das Unternehmen dementiert, dass es Tierversuche mit kosmetischen Produkten selbst durchführt oder durchführen lässt. Doch wir haben auch nicht erwartet, dass sie den Mäusen und Katzen Sonnenschutzcrème einreiben und dies als Tierversuch betrachten. Üblich ist es, die einzelnen Komponenten und chemischen Stoffe an Tieren zu prüfen. Daher ist die Antwort von Nivea nichtssagend.
Auch die zweite Antwort überzeugt nicht. Zwar steckt nur in einer einzigen Seife direkt verarbeitetes Palmöl. Doch Nivea gibt zu, dass beinahe in allen kosmetischen Produkten indirekt Palmöl steckt. Die Emulgatoren und Tenside, die in der Kosmetikindustrie üblich sind, basieren alle auf Palm-, Raps- oder Kokosnussöl.
FSC-fähig, aber nicht zertifiziert?
Amüsant wie Nivea zum Schluss behauptet, ihre Verpackungen bestünden aus FSC-fähigem Papier, doch dieses sei vom Produzenten leider nicht zertifiziert. Da stellt sich natürlich die Frage, wieso denn nicht. Wieso lässt es der werte Produzent nicht einfach zertifizieren, wenn es doch schon FSC-fähig ist. Manche mögen einwenden, weil die Zertifizierung wohl zu teuer ist. Das mag man bei kleinen, finanzschwachen Produzenten gelten. Doch die Firma, die für Nivea Verpackungsmaterial produziert, kann nicht allzu klein sein. Schliesslich muss sie Papier für eine der weltgrössten Kosmetikmarken liefern.
Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen und fragen bei Nivea nochmals nach…



Ich glaube, die Frage war ein wenig schwammig formuliert. Vielleicht hättet ihr mehr auf den Punkt kommen sollen: “Werden Ihre Kosmetikprodukte oder deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet?”
Ja, das hätte man natürlich umformulieren können. Doch dann wäre die Antwort wohl noch verschwurbleter und weniger lustig herausgekommen, vermute ich jetzt mal so…
was ist denn beim zweiten Mal nachfragen rausgekommen?
Hallo Madlen
leider haben wir auf unsere Nachfrage bis heute nicht wirklich eine Antwort gekriegt… Folgendes Nachfrage-Mail haben wir an die Firma Beiersdorf geschickt:
Guten Tag
vielen dank für die Antwort. Leider bin ich nun ein wenig verwirrt – sowohl wegen den Tierversuchen, dem Palmöl und Erdöl wie auch wegen dem Papier.
Sie schreiben, dass Beiersdorf keine Tierversuche mit kosmetischen Produkten durchführt. Gilt das nur für die kosmetischen Endprodukte, oder auch für alle Vorstufen dieser Endprodukte (man könnte ihren Satz auch so verstehen).
Bei dem Absatz über Palmöl komme ich nicht ganz drauss. Hat es nun Palmöl und/oder Erdöl in der Nivea Visage Aqua Sensation?
Auch beim Papier bleibt bei mir ein Fragezeichen: wieso lässt sich ihr Lieferant nicht FSC-zertifizieren, wenn er ja alle Kriterien erfüllen würde?
Ich würde mich freuen über eine Antwort
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Einen Monat und ein Erinnerungsmail später erhielten wir von der Firma Beiersdorf folgende Antwort:
Guten Tag
Es hat etwas länger gedauert, Ihre gewünschte Information zu recherchieren, da wir auf Drittpersonen angewiesen sind. Leider sind wir auch noch nicht ganz am Ende der Kette angelangt.
Somit können wir Ihnen im Moment nur einen Zwischenbericht geben, da wir noch auf Bericht von weiteren Zulieferern (z.B. die Druckerei) warten.
Eine Kennzeichnung mit dem FSC Logo darf nur erfolgen, wenn die gesamte Kette zertifiziert ist.
Z.B. ist unser Kopierpapier FSC zertifiziert. Wird es aber bedruckt, darf nur dann das Logo aufgedruckt werden, wenn die Druckerei ebenfalls zertifiziert ist.
Ich hoffe Ihnen hiermit etwas weiter geholfen zu haben.
Freundliche Grüsse
Ehrlich gesagt hab ich noch nie etwas davon gehört, dass ein Druck FSC-zertifiziert sein kann… das FSC-Label bezieht sich ja nur auf den Rohstoff Holz und nicht auf die Farbe. Wie auch immer – die Fragen bezüglich Tierversuchen und Palmöl/Erdöl wurden ja auch nicht beantwortet, weshalb wir die Antwort noch nicht auf den Blogg stellen wollten. Wir gingen davon aus, dass sich die Beiersdorfer wieder bei uns melden, sobald aus dem Zwischenbericht ein Endbericht geworden ist – dies ist aber bis heute nicht geschehen. Die Angelegenheit ist dann leider auch bei uns ein wenig unter gegangen. Gut hast du uns daran erinnert – ich hab soeben nochmals nachgefragt. Bin gespannt, ob nun eine Antwort kommt.
Auf jeden Fall vielen Dank fürs dran erinnern und herzlichst
Mina
Finde den Beitrag schon sehr interessant. Hätte mich auch interessiert, was am Ende tatsächlich noch daraus geworden ist, aber vermutlich ist auch viele Zeit später nichts mehr von denen gekommen.
1.5 Jahre sind ins Land gezogen – aber von den Beiersdorfer haben wir nie wieder etwas gehört. Vielleicht arbeiten sie ja noch immer am Endbericht
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