5.April 2011, 21:15 Uhr

Weshalb in Willy Suters Zürcher Tirggel Rohstoffe aus den Tropen stecken

Niveas Gesichtslotion, Duftkerzen von Ikea und einem Magnumeisstengel ist eines gemein: Sie enthalten Palmöl.  Genauso wie Willy Suters Zürcher Tirggel. Wieso bloss muss das traditionsreichen Zürcher Gebäck mit umweltschädlichem Tropensaft gebacken werden?

Dass die Produktion von Palmöl umweltschädlich ist, haben wir auf diesem Blog bereits einige Male erklärt. Zur Erinnerung hier nochmals die ausführliche Begründung aus einem unserer ersten Mails:

Gewonnen wird Palmöl von der Ölpalme, die auf riesigen Plantagen angebaut wird. In den letzten Jahren hat sich Indonesien zum grössten Palmölproduzenten entwickelt und gar Weltmarktführer Malaysia überholt. Um dieses Ziel  zu erreichen hat Indonesien auf mehr als drei Millionen Hektaren Palmölplantagen neu erstellt. Wieso ist das von Interesse? Weil für mehr als die Hälfte der neuen Plantagen Regenwälder abgeholzt wurden: Mehr als 1.5 Millionen Hektaren Regendwald hat alleine Indonesien in den letzten 20 Jahren niedergebrannt und abgeholzt. Dies hat für unser Klima verheerende Folgen. Regenwälder sind nämlich CO2-Speicher, bei deren Rodung enorme Mengen an CO2 frei gesetzt werden. Der Raubbau am Regenwald hat Indonesien somit zum drittgrössten CO2-Produzenten der Welt gemacht  – gleich hinter den USA und China.

(Quelle: montagsmailer.ch)

Die legendären "Ganzjahrestirggel" der Biscuits-Suter AG
Die legendären "Ganzjahrestirggel" der Biscuits-Suter AG

Neben der Reinigungs- und Kosmetikindustrie, verwenden auch Nahrungsmittelproduzenten Palmöl in rauhen Mengen. Dass die grossen Nahrungsmittelkonzerne mit ihren auf der ganzen Welt verteilten Fabriken Palmöl einsetzten, erstaunt uns nicht. Aber als wir kürzlich auf einer Wanderung oberhalb des Zürichsees in der Nähe von Wädenswil bei der Fabrik der Biscuits-Suter AG halt machten, eine Packung des weltbekannten Suter-Tirggel kauften und nach einem Blick auf die Zutaten erstaunt “Palmöl” lasen, mussten wir doch leer schlucken.

Wie kann es sein, dass selbst ein solch traditionelles Zürcher Gebäck, wie der Tirggel, heute mit Zutaten aus fernen, tropischen Ländern hergestellt wird? Vor 170 Jahren, als Willy Suter in Wädenswil die Firma Tirggel Suter gründete, gab es ja wohl auch noch kein Palmöl. Was wurde damals anstelle des Palmöls verwendet? Und wieso bevorzugen die Nachfolger von Willy Suter heute Palmöl?

Guten Tag

Schon im letzten Herbst habe ich bei ihnen ganz leckere Tirggel gekauft – ihre Tirggel gehören sicherlich zu den besten, welche ich je gegessen habe. Kompliment. Heute (kurz vor dem Ablaufdatum) habe ich den letzten ihrer Tirggel gegessen und dabei die Zusammensetzung ihrer Tirgel angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass ihre Tirggel neben Weissmehl, Bienenhonig, Zucker und Kochsalz auch noch Palmöl enthalten. Dies finde ich zum einen verwunderlich zum anderen schade. Verwunderlich deshalb, weil der Tirggel ja ein traditionsreiches Zürcher Gebäck ist. Da hätte ich eher mit Butter oder Sonnenblumenöl als mit dem exotischen Palmöl gerechnet. Auf ihrer Homepage habe ich gelesen, dass der Honigtirggel zum ersten mal 1461 schriftlich in Zürich erwähnt wurde. Zu dieser Zeit wurde er ja sicher noch nicht mit Palmöl gebacken. Schade finde ich es, weil man ja immer wieder hört, dass wegen der Palmöl-Produktion grosse Flächen Regenwald abgeholzt werden.

Wäre es nicht möglich ihre Tirggel wieder mit einheimischem Öl herzustellen?

Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Die Biscuits-Suter AG, die sich sonst wohl kaum solch nervigen Fragen stellen muss, antwortete flink:

Sehr geehrte Dame

Vielen herzlichen Dank für die Treue zu unseren Tirggeln. Es freut uns immer wieder, wenn wir so tolle Rückmeldungen erhalten.

Zu Ihrer Frage bezüglich warum wir Palmöl verwenden hat folgende Gründe: das Palmöl resp. Fett ist das einzige geschmacksneutrale Fett auf dem Markt, welches mit Abstand von allen Oelen/Fetten die beste Verträglichkeit aufweist (Allergiker). Die Haltbarkeit ist ebenfalls ausschlaggebend. Leider sind viele Menschen heute auf Sonnenblumenöl, welches wir früher verwendet haben allergisch.

Ich hoffe Ihnen hiermit Klärung gebracht zu haben. Selbstverständlich wird auf dem Lebensmittelmarkt immer weiter entwickelt und verbessert und wir sind offen, was uns die Zukunft bringt.

Sonnige Grüsse aus Schönenberg

Die Sonnenblumenölallergiker! Wer hätte das gedacht?! Da fehlen mir die Worte…


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12 Responses to Weshalb in Willy Suters Zürcher Tirggel Rohstoffe aus den Tropen stecken

  1. Alex C. says:

    Eine sehr amüsante Antwort. Ich musst gerade ein wenig schmunzeln. ;o)

  2. Muyserin says:

    Tirggel? Wieder was von den Eidgenossen gelernt! :)

  3. Mia says:

    Weil es Sonneblumenkernallergiker gibt, gibt’s tatsächlich auch Sonnenblumenölallergiker – allerdings sind die seeehr seeehr selten. Von “vielen Menschen, die auf Sonnenblumenöl allergisch sind” kann wohl keine Rede sein… ;-)

    http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/4288/Allergen,Allergie/Sonnenblume/

    • Dorian Gray says:

      Mögen diese wenigen Sonnenblumenölallergiker in der Hölle schmoren. Nur wegen ihnen holzen wir den Regenwald ab und zerstören unsere Umwelt, arrrr!

      • Somy Blume says:

        Es gibt da eine neue rhetorische Erfindung, die “faule Ausrede” heisst. Gut, neu ist die Erfindung nicht und besonders einfallsreich ist die Ausrede der Biscuits-Suter AG auch nicht.

        Es stimmt ganz klar nicht, dass “viele Menschen heute auf Sonnenblumenöl … allergisch” sind.

        Ganz bestimmt ist das kein Grund auf irgendwelche real exitierende oder fiktive Allergiker böse zu sein. Kein einziger tropischer Baum wird auch nur “wegen ihnen” angekratzt! Da steckt vielmehr Profitgier und Kostendrückerei da hinter. Daneben vereinfacht Palmöl auch den Herstellungsprozess.

  4. Boahee says:

    Habe die gleiche Frage auch gestellt. Habe aber eine ganz andere Antwort erhalten. Interessant. Sind diese Mails frei erfunden um das verwenden von Palmöl schlecht zu machen? Ich kaufe nämlich regelmässig bei dieser kleinen Schweizer Firma diese leckeren Tirggel. Solche Stimmungsmache macht nur ein kleines KMU zur Sau und hilft überhaupt niemandem. Bei mir war die Antwort die, dass es um die Haltbarkeit und um die gehärteten Säuren im Fett geht. Zudem ist das Palmfett für die Beflammung der Tirggel am besten geeignet. Es gibt ihres Wissens kein gleichwertiges Fett für Industriezwecke im Moment.

    Also hört auf hier mit der Beschmuddelung von Firmen, die versuchen Traditionen so gut es geht zu bewahren und dabei den hohen Anforderungen der Konsumenten gerecht zu werden.

    Ein Tirggelfan

    • Dorian Gray says:

      Wir beschmuddeln keine Firmen, die versuchen Tradtionen so gut es geht zu bewahren. Aber:
      1. Palmöl im Tirggel ist sicherlich keine Tradition. Da wahr früher wohl Schmalz oder Butter drin. Punkt.
      2. Wir haben uns gefragt, weshalb heute wohl Palmöl drin steckt. Die Antwort war wohl, das wirst du kaum bestreiten, eher weniger befriedigend.
      3. Wir betreiben keine Stimmungsmache. Wir stellen Fragen. Ganz simple Fragen. Die kann man vernünftig und überzeugend beantworten. Oder man kann uns für dumm verkaufen. Der Leser mag selber entscheiden, zu welcher Katagorie diese Antwort gehört.
      4. Ja, natürlich finden wir Palmöl nicht toll. Dieser Rohstoff wird unter katastrophalen Bedingungen gewonnen. Man könnte natürlich Palmöl auch etwas nachhaltiger produzieren, als es heute getan wird. Doch selbst der “Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl” hat dieses Ziel bis jetzt nicht erreicht. Vielleicht sollte man sich als Konsument einfach fragen, ob die eigenen “hohen Anforderungen” überhaupt berechtigt sind.
      5. Wir mögen Tirggel. Sehr sogar. Lokal produzierte Waren schätzen wir ebenfalls ausserordentlich. Tradtitionsreiche Gebäcke sind selbstverständlich zu unterstützen. Doch gerade bei Jahrhunderte alten Gebäcken fragen wir uns, ob es wirklich notwendig ist auf tropische Zutaten zurückzugreifen.

      • Boahee says:

        Doch tut ihr. Vielleicht unbewusst, aber leider macht ihr solche Firmen schlecht. Dies vernichtet lokale Arbeitsplätze. Ausserdem wird in den ursprünglichen Gebäcken wohl ein anderes Fett gewesen sein. Doch bei früheren Fetten, kann man überall nachlesen, gab es z.T. erhebliche gesundheitliche Probleme, welche heute bekannt sind aber damals nicht.
        Palmfett wird IMHO auch darum genutzt, weil der Konsument derart hohe Ansprüche an das Produkt stellt, welche mit alten herkömmlichen Fetten gar nicht mehr realisierbar sind.
        Dies gilt übrigens nicht nur für meine geliebten Tirggel auch für gaaanz viele andere Produkte nicht nur in Esswaren. Geht doch mal auf die Kosmetikindustrie los, die ist wesentlich grösser, sinnloser und hat viel mehr Mittel um Änderungen zu bewirken.

  5. Boahee says:

    Ich empfehle für eine sachliche Diskussion folgendes zu studieren:

    http://www.dgfett.de/material/welches_fett.pdf

    • Dorian Gray says:

      Vielen Dank für den Literaturhinweis. Da die meisten Rezepte für die Herstellung von Tirggel Erdnussöl empfehlen, habe ich mich bei der Lektüre vor allem auf die Eigenschaften von Palmöl und Erdnussöl konzentriert. Da nicht alle Daten aus ihrem Dokument ersichtlich waren, habe ich noch weitere Quellen hinzugezogen und diese in Klammern deklariert. Die wohl wichtigsten Eigenschaften beim Vergleich Erdnussöl – Palmöl sind wohl:

      1) Rauchpunkt: Als Rauchpunkt bezeichnet man die niedrigste, in Grad Celsius angezeigte
      Temperatur, bei welcher eine deutlich sichtbare Rauchentwicklung beginnt. Da Tirggel bei 350 Grad gebacken werden, muss ein dazu verwendetes Öl eine hohen Rauchpunkt aufweisen. Wikipedia nennt folgende Rauchpunkte: Erdnussöl (raffiniert) 230 Grad, Palmöl 220 Grad. Bezüglich des Rauchpunktes schneidet das raffinierte Erdnussöl besser ab als das Palmöl.

      2) Feststoffanteil: Der Feststoffanteil gibt an, wie hoch der Anteil an festem Fett bei bestimmten Temperaturen ist. Dies beeinflusst das Schmelzverhalten im Mund und damit auch das Empfinden beim Verzehr. Ihr Dokument gibt folgende Werte an (bei Raumtemp.): Palmöl 20%, Erdnussöl 4%. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die zwei Öle also. Dies wird einen Einfluss auf das Empfinden beim Verzehr haben. Wie sich dieser auswirkt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiss nur, dass auch die früheren Erdnuss-Tirggel wohl die hohen Ansprüche der Konsumenten bezüglich des Empfindens beim Verzehr befriedigt haben. Vielleicht sollte der Konsument aber einmal überlegen, ob sich seine Ansprüche an ein Produkt über den Verzehr des Produkts hinaus erstecken.
      3) Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren: Erdnussöl und Palmöl unterscheiden sich bezüglich dem Anteil an gesättigten Fettsäuren (siehe S. 28). Palmöl enthält ca. 60% gesättigte Fettsäuren. Erdnussöl nur ca. 20%. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in einer aktuellen Auswertung von Interventionsstudien mit über 13 600 Teilnehmern herausgefunden, dass ein hoher Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, zusammen mit einem niedrigen Anteil gesättigter Fettsäuren, das Risiko für koronare Herzkrankheiten (z.B. Herzinfarkt) senken. Günstige Verhältnisse mehrfach ungesättigter zu gesättigter Fettsäuren finden sich vor allem in Pflanzenfetten: Distelöl (74,5 %/8,6 %), Sonnenblumenöl (60,7 %/11,5 %), Sojaöl (61,0 %/13,4 %) und Rapsöl (27 %/6 %). Ausnahmen bilden Kokos- und Palmkernfett (1,4 %/86,5 %). Von der DGE wird empfohlen, etwa 30 % des Energiebedarfs mit Fett zu decken. 10 % sollte mit gesättigten Fettsäuren gedeckt werden, 10 bis 13 % mit einfach ungesättigten und der Rest mit mehrfach ungesättigten (Quelle: Wikipedia). In dieser Hinsicht ist Erdnussöl gesünder.

      4) Allergien: etwa 1.2% der Weltbevölkerung sind auf Erdnüsse allergisch. In der Regel sind es die Eiweiße, die bei entsprechend sensibilisierten Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Auch Erdnussöl kann kleinste Mengen Eiweiß enthalten und somit ebenfalls allergische Symptome auslösen. In einer englischen Studie aus dem Jahr 1997 erhielten 60 Erdnussallergiker raffiniertes und natives Erdnussöl (Hourihane 1997). Keiner der Patienten reagierte auf das raffinierte, aber sechs Patienten reagierten auf das native Öl (Quelle: Wikipedia). Ich bin nicht der Meinung, dass man die Umweltbelastungen, welche die Palmölproduktion begleiteen, in Kauf nehmen muss, um diesen 1.2% der Bevölkerung den Tirggelgenuss zu ermöglichen. Zudem löst das raffinierte Erdnussöl anscheinend nur selten allergische Reaktionen aus.

      5) Eignung als Backfett: auf der letzten Seite ihrer Dokumentation erhält das Erdnussöl die beste Bewertung als Backfett.

      Ich sehe weder gesundheitliche noch produktionsbedingte Gründ, um von Erdnussöl auf Palmöl umzustellen. Meiner Meinung nach ist die Hauptmotivation für die Umstellung auf Palmöl eher finanzieller Natur. Im Internet ist 1 Liter Erdnussöl (raffiniert) für 22.96 Euro zu bestellen. 1 Liter Palmöl kostet 6 Euro (www.lebensmittel.twenga.de).

      Dies führt natürlich dazu, das Erdnussöl-Tirggel teurer sind. Wenn die Kundschaft nicht bereit ist diesen Aufpreis zu bezahlen, kann dies zur Gefährdung von Arbeitsplätzen führen. Schuld daran ist dann aber nicht das Erdnussöl, sondern die Nichtbereitschaft der Konsumenten für einen regenwaldfreundlichen Tirggel einen kleinen Aufpreis zu bezahlen. Dass es viele andere Branchen gibt, die ebenso geschäften, ist uns bewusst. Auch Nivea haben wir bereits auf ihre Verwendung von Palmöl angesprochen: http://montagsmailer.ch/2010/03/15/wie-gut-kennt-nivea-seine-produkte/. Doch schlussendlich zählt unserer Meinung nach jeder Beitrag!

      • Boahee says:

        Ich kann nicht sagen, welche Fette früher drin waren, noch bei welcher Temperatur gebacken wird. Alles was ich finde ist das eine Beflammung bei sehr hohen (ca. 400) Temperaturen stattfindet. Auch kenne ich keine alten Rezepturen, welche besagen, dass Erdnussfett/öl in den Tirggeln waren. Alles Spekulation meinerseits. Für mich ist Fakt, dass die Konsumenten hohe Ansprüche an die Produkte haben und die Produzenten manchmal zwischen Teufel und Belzebub entscheiden müssen um allem Gerecht zu werden. Ausserdem glaube ich schon, dass der Preis sehr sensitiv ist. Gerade in den letzten Jahren. Geiz ist geil lässt grüssen.

        Aber danke für deine Ausführungen. Die Diskussion um Palmfett oder andere Fette hat mir auch einige Erkenntnisse gebracht, wobei ich dabei bleibe, dass man so kleine Nischenanbieter in Ruhe lassen sollte. Nivea das ist doch mal eine Firma, welche sicher auch viel höhere Palmfettumsatzmengen hat.

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