Seid ihr, werter Leser, auch Besitzer eines Notizbuchs, dessen lederner Einband von purpurnem Faden zusammengehalten wird? Oder bevorzugt ihr ein simples, unscheinbares braunes Notizbüchlein? Besitzt ihr gar ein ehrwürdiges Tagebuch? Oder ein Heft, in dem ihr Rezepte sammelt? Wenn ja, dann werdet ihr auch traditionellen Schreibgeräten wie Kugelschreibern oder den unverwüstlichen Bleistiften nicht entsagt haben. Damit seid ihr nicht alleine. Denn auch in Zeiten von Smartphones, Netbooks und iPads erfreuen sich Kugelschreiber, Filz- und Bleisitifte grosser Popularität. Alleine der Nürnberger Schreibwarenproduzent Faber-Castell produziert jedes Jahr 2 Milliarden holzgefasste Stifte.
Auch die Migros verkauft Bleistifte. Allerdings keine, die das Herz eines umweltbewussten Konsumenten höher schlagen liessen. Das Holz, das für die Produktion der Migros-Bleistifte geschlagen wird, scheint nicht aus Wäldern zu stammen, die nachhaltig bewirtschaftet und wiederaufgeforstet werden. Holz aus solchen Wäldern nämlich, bezeichnet man als FSC-Holz. Produkte, die aus FSC-Holz bestehen, schmückt üblicherweise ein prominent platziertes, auffälliges FSC-Logo. In der Migros fehlt das FSC-Logo sowohl auf den Bleistiften in der mittleren Preislage, als auch auf den günstigen Budgetbleistiften.
Liebe Migros
Ich kaufe gerne bei euch ein. In letzter Zeit ist mir auch das wachsende Engagement der Migros im Umweltschutz aufgefallen. Vor allem die Sammelhefte zusammen mit dem WWF gefallen mir sehr gut. Auch kann man bei vielen Produkten zwischen einer normalen und einer Bio-Variante auslesen.
Leider musste ich aber feststellen, dass sich das Engagement der Migros doch nicht durch das ganze Sortiment zieht. Vor kurzem musste ich nämlich Bleistifte kaufen. Man kann in meiner Migros zwischen 4 verschiedenen Bleistift-Sorten auslesen. Leider sucht man aber bei allen 4 Sorten vergebens nach dem FSC-Label, welches mir versichern könnte, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommt. Auch wird kein Schweizer Holz verwendet. Drei Bleistift-Sorten sind aus Holz von den USA hergestellt und werden in China produziert. Die Budget-Bleistifte sind aus chinesischem Holz in China produziert. Sucht man also nach der umweltverträglichste Variante, müsste man sogar die Budget-Bleistifte kaufen, da hier wenigstens der Transport von den USA nach China wegfällt.
Ich hab mich dann dafür entschieden meine Bleistifte im Coop zu kaufen. Dort hing nur eine Bleistift-Sorte im Regal und die war aus FSC.
Wieso setzt nicht auch die Mirgos auf FSC-Bleistifte? Wäre nicht auch das ein wichtiger Bestandteil in der Zusammenarbeit des WWF und der Migros?
Ich würde mich über eine kurze Antwort freuen.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Kurz war die Antwort der Migros allerdings:
Sehr geehrter Herr
Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme.
Danke für den Hinweis. Im Moment ist nichts geplant. Bei der nächsten Umstellung des Sortiments werden wir natürlich Ihre Anregung gerne aufnehmen.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.
Bei Rückfragen zu diesem Thema beziehen Sie sich bitte auf die Referenznummer IN_800653.
Freundliche Grüsse
Kundenberaterin M-Infoline
Das wars? Mehr fällt der Kundenberaterin dazu nicht ein? Ist uns vielleicht etwas entgangen? Zwischen den Zeilen lesen? Wir konsultieren unser beliebtes Lehrmittel “Marketingdeutsch für Dummmies” um die knappen Worte der Kundenberaterin zu übersetzten:
Nerviger Kunde,
Wieso belästigen sie uns schon wieder?
Natürlich wissen wir selbst auch, dass unsere Bleistifte umwelttechnische Scheisse sind. Aber das ist uns so piepegal. Wir produzieren ja die Sammelstickeralben mit den Tierbildchen. Die sind viel werbewirksamer (und dort fragt auch niemand, ob sie auf FSC-Papier gedruckt sind, höhö).
Bei der nächsten Umstellung des Sortiments werden wir natürlich unserem Produktemanager erklären, dass einige nervige Konsumenten gefragt haben, weshalb es keine FSC-Bleistifte gibt. Dieser wird lachen und erwidern, dass Nicht-FSC-Bleistifte einfach so unglaublich günstig sind. Das wollen die Konsumenten ja. Und dann wird er noch kurz fragen, wieviele Kunden diese Frage überhaupt gestellt hätten. Natürlich nur ein paar Wenige. Die kann man ignorieren. Sollen die sich ihre Bleistifte halt im Coop kaufen.
Selbstverständlich wünschen wir ihnen trotzdem einen schönen Tag (Textbaustein, kann leider nicht geändert werden….)
Bei Rückfragen benutzen sie bitte folgende Nummer: X9873747458347376484848. Wenn sie diese Nummer nicht verwenden, können wir ihre Rückfrage nicht beantworten. (Was sie können sie sich nicht merken? Jammerschade…)
Liebe Grüsse



Hallo Lamm
Das ihr diesen Bericht veröffentlichen werdet wusste ich ja schon ein wenig länger und habe deshalb ein wenig bei Coop recherchiert.
Eines meiner Familienmitglieder ist ja in einer leitenden Position im Non-Foodeinkauf . Auf diese Problemstellung angesprochen folgte eine einfache Begründung und die lautet folgendermassen (so weit ich mich erinnere):
“Die beiden grossen Detailhändler müssen zwanghaft auf einem ähnlichen Preisniveau bleiben. So wird ständig versucht, günstiger einzukaufen. Bei einigen Produkten macht es jedoch keinen Sinn, den Einkaufspreis “ums verrecken” tief zu halten, wie zum Beispiel bei den Bleistiften. Sie haben keinen relevanten Einfluss auf den Umsatz und so wird auf eine hohe Marge bewusst verzichtet.”
Das “Grüne” an Coop ist also nicht immer dem Umweltbewusstsein zuzuschreiben, sondern hängt auch einfach mit dem Sinn und Unsinn einer Sache zusammen.
Hm, Detailhandel ist ein “Rappenspaltergeschäft”. Jeder Rappen zählt. Bei jedem Produkt.
solches feedback eignet sich sonst auch sehr gut auf der Web 2.0 plattform http://www.migipedia.ch. dort wurde ich schon zweimal von der Migros sehr fair informiert.