4.Oktober 2010, 20:58 Uhr

Climatops revolutionäres Klimalabel wartet auf die Privatwirtschaft

Dass biologische Produkte nicht zwingend auch klimafreundlich sein müssen, hat unser Mail betreffend COOPs Biomaisbrot aus amerikanischem Mais gezeigt. Der Verein Climatop hat das Problem erkannt und ein neues Label kreiert. Deshalb zeichnet seit einigen Monaten ein grüner Kreis mit grossem CO2-Schriftzug in der Mitte Migrosprodukte aus, die in ihrer Kategorie am klimafreundlichsten sind. Der klimafreundlichste Rahm ist,so Climatop, der Léger-Rahm.

Ein Klimalabel für Konsumgüter freut LAMM natürlich. Doch einige Punkte bleiben unklar. So erfährt der Konsument nicht, welche Produkte miteinander verglichen wurden. Beim Rahmvergleich stellt sich natürlich die Frage, ob der Biorahm auch in den Vergleich miteinbezogen wurde. Zudem wünscht man zu wissen, ob nur alle Rahmprodukte der Migros um den Klimafreundlichkeitstitel von Climatop kämpften oder ob sich auch Coop und Dennerprodukte dem Kampf stellen mussten. Auf der Website erfährt man, dass der Légerrahm leider nur der klimafreundlichste Rahm innerhalb des Migros-Sortiments ist. Auch wurde der Biorahm nicht berücksichtigt.

Guten Tag

Vor kurzem ist mir das Label climatop auf den Migros-Produkten aufgefallen. Am Abend schaute ich zuhause auf dem Internet nach, was das genau ist. Ich finde die Idee klimafreundliche Produkte zu kennzeichnen grundsätzlich sehr gut. Dies erleichtert einem als Kunde den ökologischen Einkauf. Trotzdem sind bei mir zwei Fragen aufgetaucht.

Als Kunde, welcher gerade in der Migros steht und beispielsweise nach dem Léger-Rahm greift, weiss man nur, dass man nun das klimafreundlichste Produkt in der Hand hält. Das klimafreundlichste von…. Was? Man weiss nicht, mit was das Produkt verglichen wurde. Als ich dies auf Ihrer Homepage nachschaute, war ich ein wenig erstaunt, dass die Migros-Produkte nur mit anderen Migros-Produkten verglichen wurden. Dies engt die Vergleichsmöglichkeiten ja schon ziemlich ein. Zusätzlich hat mich auch noch die Auswahl der verglichenen Migros-Produkte erstaunt. Bei der Kategorie Rahm ist beispielsweise keine Bio-Variante drin. Würde dies CO2-mässig nicht auch einen grossen Unterschied machen? Zum Beispiel weil die Biobauern ja mehr Ökoausgleichsflächen haben müssen, wo CO2 in den Bäumen gespeichert werden kann.

Aus welchem Grund vergleichen sie nur einen so kleinen Ausschnitt der gesamten Produkte-Palette miteinander?

Ich würde mich freuen, wenn sie mir diese Frage beantworten könnten.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Climatop stellte sich den unermüdlichen Zweiflern:

Guten Tag,

Bitte entschuldigen Sie unsere verspätete Antwort. Ferienabwesenheiten haben eine schnellere Reaktion verhindert.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse am CO2-Label von climatop und für Ihre spannende Anfrage, welche ich im Folgenden gerne beantworte.

1.) Frage: Vergleichsgruppe (Das klimafreundlichste von ….Was?)

Es ist enorm schwierig auf einem Label die Vergleichsgruppe zu kommunizieren. Dazu hat es auf einem Produkt meist zu wenig Platz für Informationen. Zudem wissen wir aus Marktforschungen, dass ein Grossteil der Kunden soviele Informationen gar nicht wünscht. Wir versuchen daher bei der Auswahl von Produktegruppen möglichst die zu wählen, bei denen die Vergleichsgruppe intuitiv erfasst wird. Wir nennen das Funktionalität. Sie haben bestimmt den Leger Rahm intuitiv mit diversen anderen Rahmprodukten verglichen, ohne genauer nachzudenken – genau was wir erreichen möchten. Dadurch können wir dem Konsumenten, nach bestem Gewissen, dasjenige Produkt empfehlen, welches in einem funktionellen Vergleich der, nach unserem Wissen (s. nächste Frage), klimafreundlichsten Alternative entspricht. Kunden die sich weiter interessieren, finden dann zusätzliche Informationen in unseren Factsheets.

2.)  Zu ihrer Frage, wieso viele unserer Vergleiche innerhalb des Migros-Sortiments gemacht wurden

Wir hätten gerne nicht nur Migros Produkte miteinander verglichen. Um unsere wissenschaftlichen Berechnungen durchführen zu können, benötigen wir Daten.

Grundsätzlich können die Resultate unserer Analysen nur in Zusammenarbeit mit dem Produzenten oder, wie im Falle der Migros, dem Verteiler entstehen. Um die Lebenszyklen von Produkten zu berechnen, sind wir darauf angewiesen, dass uns Produzenten zahlreiche Daten und Informationen (z.B. Fütterungs- und Anbaumethoden, Produktzusammensetzung, Produktionsmethoden, Energieverbrauch, Transporte) zur Verfügung stellen. Dass heisst, wenn nur einzelne Produzenten – in unserem Fall diejenigen der Migros – bereit sind, ihre Daten zu Verfügung zu stellen, können wir keine direkten Vergleiche zwischen allen Herstellern machen. Möchten andere Produzenten ihre Produkte mit bereits berechneten Produkten vergleichen lassen, um sie, falls sie geringere Emissionen aufweisen, mit unserem CO2-Label auszeichnen zu lassen, sind wir dafür jederzeit offen.

3.) Bio Variante Rahm

Beim Rahmvergleich spielt der Fettgehalt die entscheidenden Rolle. Je weniger Fett Rahm aufweist, umso klimafreundlicher ist er. Grundsätzlich ist es so, dass Milchprodukte einen hohen CO2 Ausstoss haben. Das hängt hauptsächlich an den Emissionen der Kühe in Form von Lachgas (N2O) und Methan (CH4). Bio Kühe sind in diesem Bereich nicht besser als konventionelle Kühe – es gibt sogar Studien, die Biokühe wegen der tieferen Milchleistung bei gleich hohen Methan und Lachgasemissionen als vergleichsweise schlechter als konventionelle einordnen. Ausgleichsflächen sind da keine Remedur. Denn erstens brauchen sie Jahrzehnte bis eine nennenswerte Tonnage von CO2 in Bäumen gespeichert ist und zweitens ist es in der Berechnung von Life Cycles nicht üblich indirekte Kompensationen anzurechnen: theoretisch müsste so garantiert werden, dass die Bäume unendlich lange stehen bleiben, und nicht wieder biologisch abgebaut werden – wobei dann das gespeicherte CO2 wieder frei würde. Vielmehr möchte man das reine Produkt verbessern. Eine reine “Produkte” Verbesserung wären Kühe, die schlicht weniger N2O oder CH4 produzierten.

Da also der Fettgehalt die wichtigste Rolle bei der CO2-Belastung spielt, konnte er als zentrales Kriterium genutzt werden. Einen Bio-Rahm hätten wir in den Vergleich einbeziehen können, das ist korrekt. Allerdings wären dafür keine besseren Werte zu erwarten gewesen als bei Alternativen mit gleichem Fettgehalt.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Antworten gedient zu haben. Falls Sie weitere Fragen haben, dürfen Sie sich gerne wieder melden!

Ausführliche und freundliche Antworten. Keine weiteren Fragen euer Ehren.

Climatop sind die Hände gebunden. Wichtige Produzenten nehmen nicht an der Klimafreundlichkeitsmeisterschaft teil. Die Arbeit des grünen Vereins ist deswegen nicht weniger ehrbar. Aber die Relevanz des Labels selbst leidet darunter. Also: Lieber Coop, wo bleibt eure Climatopzertifzierung?

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5 Responses to Climatops revolutionäres Klimalabel wartet auf die Privatwirtschaft

  1. Baschi says:

    Eine liebe ausfürliche Antwort. Interessant, dass man als Kunde ziemlich dumm dargestellt wird (man denkt ja nicht, man handelt ja nur intuitiv) und dass man Bio Produkte nicht mit CO2 Labels vergeleicht, weil sonst ein Konflikt (Bio vs. geringer CO2 Ausstoss) entsteht.

  2. zora says:

    schade, dass die pflanzlichen produkte nicht in den vergleich mit einbezogen werden, zb sojarahm oder reismilch.

  3. Pingback: Coop findet das CO2-Label von Climatop mangelhaft und überflüssig «

  4. Wilhelmina Harker says:

    Danke für den Hinweis – spannender Artikel!

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