Am 1. März dieses Jahres veröffentlichte Starbucks eine Pressemitteilung, die das Herz aller modernen Konsumenten höher schlagen liess. “Starbucks serviert zukünftig ausschliesslich 100% Fairtrade zertifizierte Espressogetränke”, so der Titel der revolutinären Botschaft.
Wie bei jedem Weltkonzern, der peinlichst auf sein Image zu achten hat, ist der Konsument auch bei dieser Meldung zu kritischem Hinterfragen angehalten. Starbucks stand bereits verschiedene Male in der Kritik, weil die schönen Worte der Marketingabteilung nur scheinbar die Machenschaften der Starbuckschen Kaffeehändler zu beschreiben schienen. Einige Zahlen lassen zudem aufhorchen:
- 2009 kaufte Starbucks bereits 18 Millionen Tonnen Fairtrade-Kaffee ein. Das tönt nach viel.
ABER: - 175 Millionen Tonnen Kaffee verarbeiten alle Starbucks-Filialen jährlich!
- 66 Millionen Millionen Fairtrade-Kaffee werden momentan weltweit produziert.
- Im letzten Jahr steigerte Starbucks den Fairtrade-Kaffee Einkauf von 19 auf 39 Millionen Tonnen.
Man rechne und staune. Wie kann Starbucks seinen Kaffee in ganz Europa zu 100% Fairtrade zertifiziert anbieten, wenn die gesamte globale Produktion an Fairtrade Kaffee nicht einmal die Hälfte des globalen Starbuckskaffeeverbrauchs ausmacht? Wird da bei der Zertifzierung geschummelt? Was für eine Rolle spielt das Starbucks eigene Lable C.A.F.E.? Wieso gibt Starbucks auf seiner Website nicht an, wieviel der Fairtrade Kaffee prozentual am gesamten Verbrauch ausmacht?
Von all diesen Fragen verwirrt, haben wir uns den Umweltbericht von Starbucks Global angeschaut. Schlauer sind wir dadurch nicht geworden. Der englischsprachige Bericht stiftete gar noch mehr Verwirrung, vermischt Starbucks doch beinahe absichtlich Prozent- und konkrete Mengenangaben. Beispiel:
- Wir versprechen bis 2015 100% Fairtrade Kaffe zu verkaufen.
- Dieses Jahr haben wir unseren Fairtrade Kaffee Einkauf um 5 Millionen Tonnen gesteigert.
Wieviel diese 5 Millionen Tonnen am gesamten Einkauf ausmachen, bleibt unklar. Vielleicht kann uns ja Starbucks selber weiterhelfen..
Guten Tag
Ich bin ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker und ein regelmässiger Starbucksbesucher. Die Starbuckslokale sind sehr gemütlich und das Angebot an Kaffees unübertrefflich. Vor kurzem bin ich auf das soziale Engagement von Starbucks aufmerksam geworden und wollte mich diesbezüglich im Internet informieren. In ihrem Bericht „Goals & Progress“ wurde ich fündig. Sehr positiv überrascht war ich von ihrem Ziel, bis ins Jahr 2015 100% „responsibly grown and ethically traded“ Kaffee zu verkaufen.
Die weiteren Erklärungen in ihrem Umweltbericht haben mich leider ein wenig verwirrt. Eventuell kann dies auch an der Tabelle auf der Seite 6 liegen, welche komische Formatierungen enthält. Auf jeden Fall ist mir die Abgrenzung zwischen den Labeln Fairtrade und C.A.F.E. nicht ganz klar. C.A.F.E. ist (wenn ich das richtig verstanden habe) das hauseigene Label für fairen Kaffee von Starbucks während mit Fairtrade eine starbucksunabhänige Zertifizierung wie zum Beispiel Max Havelaar gemeint wird. Dementsprechend lassen sich bei Fairtrade strengere Richtlinien erwarten als bei C.A.F.E.
Ich finde es sehr erfreulich, dass der Anteil von C.A.F.E-Kaffee von 71% auf 84% und der Fairtrade-Kaffee von 19 Mio auf 39 Mio gestiegen ist im Jahr 2009. Trotzdem habe ich zwei Fragen, zu welchen ich mir von ihnen eine Antwort erhoffe:
1) Wird auch das hauseigene Label C.A.F.E durch ein starbucks-unabhängiges Gremium vergeben und kontrolliert?
2) Wie vielen % des gesamten Kaffee-Einkaufs von Starbucks entsprechen die 39 Mio für Fairtrade-Kaffee?
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen, um auch in Zukunft mit gutem Gewissen den Starbucks-Kaffee genießen zu können.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Natürlich will Starbucks derart treue Kunden keinesfalls verlieren:
Sehr geehrte Dame
Besten Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an Starbucks.
Ihre erste Frage können wir mit Ja beantworten. Bei der Aufstellung und Kontrolle von CAFE Practices arbeiten wir mit Conservation International zusammen.
Mehr unter:
http://www.starbucks.de/de-de/_Social+Responsibility/_Social+Responsibilitie
s/C.A.F.E.+Practices.htmZur zweiten Frage liegen uns leider keine Informationen und Zahlen vor.
Falls Sie dies für Ihre Arbeit benötigen, fragen Sie am besten unsere Kollegen in USA an (info@starbucks.com).Viel Glück bei Ihrem Projekt!
Freundliche Grüsse
Erstens: Was für ein verdammtes Projekt? Und welche Arbeit? Lesen die in der Marketinabteilung eigentlich die Kundenanfragen überhaupt?
Zweitens: Scheinbar lassen die Kollegen in den USA die Europäer im Unwissen über konkrete und wichtige Kennzahlen des eigenen Konzerns. Das betrübliche: Die Europäer scheint dies nicht einmal gross zu stören. Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.



Jetzt bin ich auch verwirrt:
«2009 kaufte Starbucks bereits 18 Millionen Tonnen Fairtrade-Kaffee ein.»
«Im letzten Jahr steigerte Starbucks den Fairtrade-Kaffee Einkauf von 19 auf 39 Millionen Tonnen.»
Waren es im 2009 ( = «im letzten Jahr») nun 18 oder 39 Millionen Tonnen Fairtrade-Kaffee? Hat sich da nicht ein Fehler eingeschlichen?
Ich verstehe, dass diese Zahlen nun verwirrend wirken. Die erste Zahl von 18 Millionen Tonnen Fairtrade Kaffee stützt sich auf verschiedene Zeitungsberichte sowie eine Pressemitteilung von Starbucks Europa.
Die zweite Zahl von 39 Millionen Tonnen bezieht sich auf den Umweltbericht von Starbucks Global. Ich habe die Zahl leider falsch übernommen. Es sind 39 Millionen Pounds (entspricht etwa 18 Millionen Tonnen). Im Bericht behauptet Starbucks des weiteren den Einkauf im Jahr 2009 von 10 Millionen auf 14 Millionen Pfund erhöht zu haben. Auf Seite 6 wiederum enthält eine Grafik die Behauptung, dass Starbucks 2009 39 Millionen Pfund Fairtrade Kaffee eingekauft habe. Die Zahlen widersprechen sich also.
Der Umweltbericht findet sich unter:
http://assets.starbucks.com/assets/ssp-g-p-full-report.pdf
Sorry für die unsauberen Zahlen. Und danke für den Hinweis.
mit “Arbeit” dürfte hier wohl eine Pressetätigkeit o.ä. gemeint sein.