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Lammsbräu verkleidet sein Sprudelwasser als Biomineralwasser…

28. Juli 2010

Mineralwasser erfreut sich in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit. Seit dem Beginn des Jahrtausends hat sich der Mineralwasserkonsum von 700 Millionen Liter auf mehr als 900 Millionen gesteigert. Diese Erfolgsgeschichte mag erstaunen, verfügt doch in der Schweiz nahezu jeder Einwohner über Hahnenwasser, das bedenkenlos und mit grösstem Genuss getrunken werden könnte. Experten glauben, dass „Lifestyle“-Kaufmotive und gesundheitliche Überlegungen für den Siegeszug von Mineralwasser verantwortlich sind. Tatsächlich löschen stark mineralisierte Mineralwasser nicht nur den Durst. Sie sind auch der Gesundheit förderlich.  Beinahe der gesamte Kalziumbedarf kann durch stark kalziumhaltiges Mineralwasser gedeckt werden. Doch was der Gesundheit des Menschen förderlich ist, schadet der Gesundheit der Natur. Denn das Abfüllen und der Vertrieb von Mineralwasser verursachen hohe Emissionen. In einem Land, wo sauberes und schmackhaftes Trinkwasser aus jedem Wasserhahnen sprudelt, wären diese Emissionen vermeidbar. Kurz: Mineralwasser ist ein ökologischer Unsinn.

Die Oberpfälzische Brauerei Neumarkter Lammsbräu (Kein Scherz, die heissen tatsächlich so) hat nun einen Versuch gestartet Mineralwasser von seinem umweltschädlichen Ruf zu befreien. Unter dem Namen BioKristall lancierten sie ein „BioMineralwasser“. Das neue Label wirft dutzende Fragen auf: Was ist ein Biomineralwasser überhaupt? Sind nicht alle Mineralwasser gleich natürlich? Kann etwas, das gar nicht produziert wird, sondern nur von der Quelle in Flaschen abgefüllt wird eigentlich biologisch sein? Wir haben uns mit einigen dieser Fragen bei der Lammsbräuer mal gemeldet.

Guten Tag

Durch einen Bekannten habe ich erfahren, dass es nun auch biozertifiziertes Mineralwasser zu kaufen gibt. Da ich öfters Bioprodukte kaufe, hat mich dies zu beginn sehr gefreut. Bei näherem betrachten habe ich mich aber gefragt, ob Mineralwasser überhaupt kann oder soll biozertifiziert sein. Meines Wissens versucht der WWF die Bevölkerung schon seit Jahren davon zu überzeugen, dass es für die Natur besser ist, wenn man das Leitungswasser trinkt. Den Mineralwasserkonsum mit einem neuen Produkt anzukurbeln ist also eher schlecht für die Natur. Deshalb hab ich mich gefragt, ob bei der Lancierung ihres Produktes wirklich der Schutz der Natur im Vordergrund stand.

Ich würde mich freuen, wenn sie mir meine Frage beantworten könnten.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Die Lammsbräuer versuchten unsere Fragen zu beantworten:

Sehr geehrte Dame

Vielen Dank, dass Sie sich mit dem Thema Biomineralwasser beschäftigen. Hier einige Erklärungen zu Biomineralwasser.

Die Neumarkter Lammsbräu hat das erste zertifizierte Biomineralwasser auf den Markt gebracht.Allerdings ist Mineralwasser nicht neu bei Lammsbräu. Bei uns wird schon seit vielen Jahren amtlich anerkanntes, natürliches Mineralwasser abgefüllt und vertrieben. Neu daran ist, dass dieses Mineralwasser jetzt durch die BCS-Ökogarantie, Nürnberg mit dem QualitätssiegelBiomineralwasser versehen wurde. Nach Meinung der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e. V. und auch nach unserer Meinung, gibt es in der Mineral- und Tafelwasserverordnung einige Lücken, bzw. sehr hohe Grenzwerte für diverse bedenkliche Stoffe im Wasser. Zum Beispiel gibt es keinen Grenzwert für Uran und Radium in der MTVO. Das Thema Nachhaltigkeit findet in der MTVO kaum Beachtung. Für Biomineralwasser wird z. B. eine schonende Nutzung des Mineralwasservorkommens garantiert. Man darf max. 80 % des natürlichen Zuflusses verwenden, dass immer genug Mineralwasser in der Quelle zurückbleibt. Des weiteren muss das abfüllende Unternehmen zertifiziertes Umweltmanagement praktizieren und nach EMAS oder ISO 14001 zertifiziert sein. Oder das Unternehmen zeigt konkretes Engagement für Wasser und ökologischen Landbau. D. h. das Unternehmen fördert durch konkrete Projekte den heimatlichen und/oder weltweiten Wasserschutz, z. B. durch Förderung des Bioanbaus oder Unterstützung von Wasserprojekten in der 3. Welt oder Unterstützung regionaler Trinkwasserschutzmaßnahmen.

Ihre Aussage, dass der WWF empfiehlt auf Mineralwasser zu verzichten und Leitungswasser zu trinken, kann ich nicht beurteilen, da ich dieses Argument nicht kenne. Allerdings gibt es immer wieder Probleme bei der Qualität von Leitungswasser, bezogen auf Bakterien, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln usw. Diese Probleme dürften in den nächsten Jahren eher noch zunehmen. Außerdem darf Leitungswasser mit diversen Chemikalien (Chlor usw.) aufbereitet werden und haltbar gemacht werden.
Als Anlage lasse ich Ihnen eine Gegenüberstellung zwischen Biomineralwasser und Mineralwasser zukommen. Hier kann man auf einen Blick die größten Unterschiede sehen. Wenn Sie den kompletten Kriterienkatalog für Biomineralwasser einsehen möchten, verwenden Sie diesen Link: http://www.bio-mineralwasser.de/index.php?m=Biomineralwasser&um=Kriterienkatalog__Download_ Die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e. V. hat diesen Kriterienkatalog erarbeitet, um die Anforderungen an die Qualität von Mineralwasser zu erhöhen und das Thema ökologisches und soziales Engagement ernsthaft aufzugreifen und umzusetzen.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Natürlich ist es löblich wenn sich eine Branche plötzlich auf nachhaltige Produktionsbedingungen und flankierende Umweltschutzmassnahmen zu besinnen beginnt. Doch in diesem konkreten Fall ziehen diese Argumente nicht. Denn wenn in einem Land, wie zum Beispiel der Schweiz, bereits Wasser von hervorragender Qualität aus den Wasserhähnen sprudelt, ist jede Flasche, die zusätzlich mit eine LKW von der Quelle in den Laden gefahren wird, eine unnötige Belastung für die Umwelt. Ob es in Deutschland tatsächlich Probleme mit der Leitungswasserqualität gibt, können wir nicht beurteilen. Doch in der Schweiz existieren die Probleme, die Lammsbräu ins Feld führt (Probleme mit Bakterien werden zunehmen), nicht.

Der Mineralwasserproduzent scheint ausserdem zu glauben, ein Biolabel müsse mit sozialem und umweltschutztechnischme Engagement verbunden sein. Wie wir leider mit unseren Fragen bereits herausgefunden haben, ist dies aber bei den meisten Biolabels gar kein Kriterium. Das Biomineralwasserlabel scheint also ein Marketinginstrument zu sein, mit dem die Mineralwasserproduzenten sich und ihrer fragwürdigen Arbeit ein ökologisches Mäntelchen umhängen wollen. Kurz: Klassisches Greenwashing.

4 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. Allan Quatermain Permalink*
    28. Juli 2010 13:39

    Es drängt sich mir eine Frage auf:

    Können Unternehmen ihr sozial nachhaltiges und umweltfreundliches Unternehmensmanagement irgendwie zeigen, ohne dabei Greenwashing zu produzieren?

    Biolables werden nicht nur für “wirkliche Biosachen” sondern auch verwässert eingesetzt. Eine Wasserauffangsquote für Mineralwasserproduzenten von 80% scheint umweltverträglich und somit nachhaltig. Aber ist das auch Bio?

    Ich würde meinen nicht, denn der Begriff Bio ist sehr eng gefasst.

    Trotzdem verstehe ich Unternehmungen, welche marketingtechnisch Produkte durch ihr nachhaltiges Engagement probieren zu verkaufen.

    Wie kann man das machen ohne Greenwashing und ohne dabei in den Labeldschungel vordringen zu müssen? Denn diesem Labeldschungel kann mittlerweile auch niemand mehr trauen.

    Grüsse

    A.Q.

    • 28. Juli 2010 14:13

      Naja, also eigentlich ist die Sache ganz einfach. Soziales und ökologisches Engagement ist begrüssenswert und darf auch gerne als Marketingargument genutzt werden. Wie das geschieht, überlasse ich den Unternehmen. Sollen sie doch ein Proudtobesogreenlabel einführen, das unabhängig kontrolliert wird. Greenwashing hingegen bezeichnet ja das Vortäuschen von ökologischer Nachhaltigkeit in Fällen, wo diese nicht gegeben ist.
      “Wie kann man das machen ohne Greenwashing und ohne dabei in den Labeldschungel vordringen zu müssen?” <
      wenn man tatsächlich nachhaltig produziert und dies auch so bewirbt, betreibt man auch kein Greenwashing, so einfach ist das.
      Oder nicht?
      Dass es zu viele Labels gibt ist ja unbestritten. Besonders ärgerlich, dass nun das Wort LAMM ebenfalls in den Dreck gezogen wird. Schweinerei (keine Lämmerei!).

      • Allan Quatermain Permalink*
        29. Juli 2010 10:14

        Wir sollten ein LAMM Label gründen, oder einen LAMM Preis, oder ein LAMM Stempel

  2. 4. Mai 2011 17:19

    Was wäre denn wirklich nachhaltig für einen Mineralwasserkonzern? Zumachen und den Leuten Leitungswasser ans Herz legen? Die versuchen halt den neuen Markt der LOHAS zu knacken mit dem ‘Bio’-Wasser. Inwieweit das hinhauen könnte wird sich wohl zeigen.

    Zur Situation in Deutschland: Leitungswasser wird in Deutschland täglich auf Verunreinigungen geprüft und ist eins der am besten kontrollierten Lebensmittel. Das Leitungswasser kann man in der Regel problemlos trinken, nur in manchen Gegenden beeinträchtigt ein höherer Kalkgehalt den Geschmack (meine persönliche Meinung). Mineralwasser wird im Normalfall nicht so kontrolliert. Je nachdem wie das Mineralwasser unterwegs ist (Glasflasche oder PET-Einweg) ergeben sich auch unterschiedliche Umweltbelastungen, die natürlich durch den Genuss von Leitungsawasser vermeidbar wären. Noch schlimmer: So manch ein Tafelwasser ist einfach abgefülltes Leitungswasser – 300x teurer!
    Aber in Ländern wie Spanien oder Frankreich würde ich aber schon mal zur Flasche greifen, hab ich hier auch erklärt: http://greenissimo.digital-dictators.de/2011/02/01/viel-trinken-ist-wichtig/

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