29.Juni 2010, 18:51 Uhr

Serie (2): Haben Erdölkonzerne ein Gewissen?

Wir setzen unsere bislang erfolglose Suche nach Erdölkonzernen, die Menschenrechte achten, fort. Nach wie vor fragen wir uns: Sind sich Erdölkonzerne der Folgen ihres Handelns bewusst? Haben sie ein ethisches Bewusstsein oder scheissen sie auf Umwelt und Mitmenschen? Und wenn sie tatsächlich so skrupellos und assozial sind, wie es aufgrund der in den im letzten Montagsmail erwähnten Ereignisse zu befürchten ist: Wo sollen wir dann noch tanken? Weil bekannte Menschenrechtsorganisationen wie Transparency International oder Humanrightswatch keine Antwort auf diese Fragen liefern konnten, wenden wir uns nun an kleinere NGOs.

Liebe Damen und Herren von humanrights.ch

Ich bin ein Student der politischen Wissenschaft und identifiziere mich schon seit mehreren Jahren mit den Zielen und Werten Ihrer Organisation. Es gefällt mir besonders, dass Ihr Euch nicht nur auf Menschenrechte im Zusammenhang mit dem Agieren von Staaten, sondern auch auf Menschenrechte im Zusammenhang mit Corporate Social Responsibility konzentriert.
Ich schreibe Ihnen, weil ich in diesem Zusammenhang eine Frage habe. Es geht darum, wo ich in Zukunft mein Benzin kaufen soll. Amnesty hat zur Zeit diese Kampagne gegen Shell, weil diese im Niger Delta durch ruchlose und unvorsichtige Aktionen die Grundwasserreserven verschmutzen. BP ist aktuell in den Schlagzeilen mit enorm schlechten Krisenmanagement nach dem Ölunfall im Golf von Mexico und gefährdet so Tiere und Menschen. Tamoil kann man aus Schweizer Sicht auch nicht mehr kaufen, seit den menschenrechtsverachtenden Aktionen von Lybien

Welche Firmen haben die ausgeprägteste Corporate Social Responsibility (für unsere Leser: welche Firma handelt am sozialsten und am nachhaltigsten?) An welchen Zapfsäulen hängen am wenigsten Menschenrechtsverletzungen? Wo tanken Sie?

Humanrights.ch hielt sich knapp:

Danke für Ihre Mitteilung. Humanrights.ch / MERS ist klein und ausschliesslich in der Schweiz tätig. Sie setzt sich in erster Linie für die Sensibilisierung auf Menschenrechtsfragen ein. Im Bereich Benzin sind wir leider nicht allzu sehr bewandert. Wir würden Ihnen raten, sich mit dieser Frage an Amnesty zu wenden. Da sie bereits eine Kampagne geführt haben, kennen sie sich bestimmt besser in diesem Thema aus.

Amnesty International scheint also unsere letzte Hoffnung auf eine klare Antwort zu sein:

Lieber Herr

Ich muss Ihnen leider eine enttäuschende Antwort geben: ich kann Ihnen keine Alternative vorschlagen! Wie Sie es auch erwähnen, gibt es soweit ich weiss keinen Oelkonzern, dass wirklich “sauber” ist.

Oelförderung ist ein Sektor, das extrem viel Schaden verursachen kann, sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen.

Shell hat sehr gute “business principles” im Bezug auf Menschenrechte entwickelt und galt bei anderen Konzernen bis jetzt als “Vorbild”. Die Situation in Nigeria zeigt aber, das die schönen Prinzipien nicht umgesetzt werden.

Deshalb rufen wir auch nicht zum  Boykott auf, sondern fordern, dass die Leute (und KundInnen) Druck auf Shell ausüben und vom Konzern verlangen, dass die Praxis geändert wird.

Konzerne wie Shell sind sehr sensibel über ihr Image und dieser Druck kann sicherlich etwas bewirken.

Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Unterstützung!

Amnesty beantwortet unsere Fragen kurz und bündig mit einem klaren NEIN. Nein, es gibt keine Ölkonzerne, die Menschenreche achten. Nein, Erdölkonzerne haben kein ethisches Bewusstsein und schon gar kein Gewissen. Die Konzerne erstellen zwar Richtlinien, gemäss denen Menschenrechte auf keinen Fall verletzt werden dürfen. Doch die Richtlinien sind ein Stück Papier und damit hat es sich auch schon. Im Zweifelsfall entscheidet sich jeder Konzern für den Profit und gegen ein menschenrechtskonformes Handeln.

Was tun? Boykottieren bringt nichts, meint Amnesty. Öffentlicher Druck soll aussichtsreicher sein. Die Damen und Herren von Humanrights.ch sind da dezidiert anderer Meinung:

… da wir alle in der Stadt wohnen, benützen wir gar kein Auto, sondern das Fahrrad.

Richtig so finden wir. Wieso etwas boykottieren, das man eigentlich gar nicht benötigt?

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