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Für sein Biomaisbrot geht Coop bis nach Amerika…

14. Juni 2010

Schweizer Konsumenten mögen qualitativ aussergewöhnliche und umweltfreundliche Nahrungsmittel. Die Detailhändler haben dies erkannt. Deshalb nehmen biologische Produkte in den Regalen von Aldi, Denner, Coop und Migros immer mehr Raum ein. Doch nicht immer sind biologische Produkte so umweltschonend wie es die Marketingabteilungen der Detailhändler behaupten. Beim Coop-Biomaisbrot beispielsweise stammt der Weizen nicht nur aus der Schweiz. Aus ganz Europa und gar Nordamerika wurden Weizenähren in die Schweiz transportiert und  hier zu einem Biobrot verarbeitet. Solch lange Transportwege erstaunen, wenn man bedenkt, dass Coop sein Naturaplanbiolabel immer wieder als besonders umweltschonend und nachhaltig bewirbt.

Guten Tag

Ich freue mich sehr über das immer grösser werdende Naturaplan-Angebot bei Coop. Es ist sehr angenehm auch bei den Bioprodukten eine gewisse Auswahl zu haben. Leider ist mir auch schon aufgefallen, dass es bei Coop Produkte gibt, welche zwar biologisch sind, aber nicht wirklich ökologisch. Gestern habe ich ein Biomaisbrot gekauft. Auf der Verpackung ist zu lesen, dass der Weizen für dieses Brot aus der Schweiz, Europa und Nordamerika kommt. Von einer biologischen Produktelinie wie Naturaplan erwarte ich, dass auf solch lange Transportwege verzichtet wird!

Wieso enthalten die Richtlinien für die Produktion nach Naturaplan keine Vorschriften bzgl. Herkunft und maximalem Transportweg?

Freundliche Grüsse

Coop bemühte viele Wörter um unsere Frage zu beantworten:

Sehr geehrter Herr

Besten Dank für Ihre E-Mail und dafür, dass Sie uns Gelegenheit zur Stellungnahme geben.

Es tut uns sehr leid, dass Sie sich daran stören, dass manche Rohstoffe für Coop Naturaplan Bio-Produkte aus näher oder weiter entfernten Ländern stammen und gerne werden wir Ih­nen nachstehend die Beweggründe nennen, die dazu führen.

Coop Naturaplan umfasst Lebensmittel und tierische Produkte aus dem biologischen Anbau resp. der biologischen Tierhaltung (mit der Bio-Knospe). Für die Entscheidung, ob ein Produkt den strengen Anforderungen von Coop genügt, um für Coop Naturaplan in Frage zu kommen, ist ein Coop-eigenes Team von Fachleuten verantwort­lich.

Für die Einhaltung der jeweils strengen Produktions- resp. Verarbeitungsrichtlinien steht Coop zusammen mit unabhängigen Organisationen ein, wie z.B. der Bio-Suisse (Margarethenstrasse 87, 4053 Basel, Telefon 061 385 96 10) für Coop Naturaplan-Produkte. Diese Organisation versieht ihrerseits unsere Coop Naturaplan-Produkte zusätzlich mit ihrem Label, der Bio-Knospe und erarbeitet die entsprechenden Richtlinien.

Da – aufgrund des leider immer noch beschränkteren Angebots – nicht alle Rohstoffe für Coop Naturaplan Bio-Produkte mit der Knospe aus der Schweiz stammen können, werden Rohstoffe auch importiert. Für Bio-Produkte, deren Rohstoffe zu mindestens 90 % in der Schweiz angebaut wurden, wird die Bio-Knospe mit dem Zusatz “Suisse” verwendet. Bio-Produkte aus mehrheitlich ausländischen Rohstoffen tragen die Bio-Knospe ohne den Zu­satz “Suisse”.

In der Regel wird in der Zutatenliste des Produktes angegeben, woher die Rohstoffe stammen, so dass Konsumentinnen und Konsumenten über Bedarf oder nicht entscheiden können.

Auch ein Produkt, dessen Rohstoff aus dem Ausland stammt, untersteht jedoch den stren­gen, gesamtbetrieblichen Anforderungen. Die Kontrolle wird von ausländischen Organisatio­nen vor Ort durchgeführt. Die ausländische Kontrollorganisation muss dementsprechend anerkannt werden; d.h. die Richtlinien der Kontrollorganisationen entsprechen denjenigen der Bio-Suisse.

Informationen zu den Richtlinien der Bio Suisse finden Sie unter www.bio-suisse.ch.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben. Für weitere Informationen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüsse

Ja, das hat die Dame ganz richtig bemerkt. Es ist tatsächlich ärgerlich, dass man als umweltbewusster Konsument sogar beim Griff zum Bioprodukt höllisch aufpassen muss, will man nicht plötzlich den Warenkorb mit amerikanischem Weizen gefüllt haben. Dass nicht alle Produkte aus Schweizer Rohstoffen hergestellt werden können, ist auch uns LÄMMERN klar. Doch will man biologisch angebaute Produkte glaubwürdig als nachhaltige und umweltfreundliche Alternativen zu herkömmlichen Produkten vermarkten, muss man wohl auch kurze Transportwege als Kriterium für die biologische Produktion in die Bio-Suisse Richtlinien aufnehmen. Einzelne Bioprodukte wie das Biomaisbrot oder die Biomango würden dann wohl aus dem Sortiment verschwinden. Doch dem umweltbewussten Konsumenten wäre geholfen. Eine weitere Marketingfalle vernichtet.

Ausserdem: Wer hat sich bis jetzt darauf geachtet, ob die Bioknospe mit dem Zusatz “Suisse” versehen ist? Und wer hat gewusst was das bedeutet? Leser meldet euch!

5 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. Alex Permalink
    15. Juni 2010 04:55

    Interessant zu wissen…

  2. 15. Juni 2010 09:26

    Labels haben ihre Berechtigung, aber auch Limitierung. Als Konsument muss man wissen, auf was man sich einlässt.

    Die Knospe kennt keine Transportbeschränkung (ausser Flüge), deshalb sind wir damit nur ein kleines Stück weiter. Und die Unschärfe bei “Bio Suisse” mit 90%iger Herkunft aus dem Inland finde ich persönlich nicht akzeptabel.

    Bio beantwortet weder die Frage nach Saisonalität noch nach Herkunft, ist also nur bedingt tauglich als Indikator für Nachhaltigkeit / Ökobilanz. Allerdings gibt bereits einige andere Labels, welche Regionalität bewerten.

    Es bleibt uns als Konsumenten also nichts anderes übrig, als den Finger rauszunehmen beim Einkaufen und

    entweder mit eingeschränktem Sortiment zu leben, indem man möglichst direkt bei lokalen (Bio-)Produzenten einkauft (oder selber anbauen (lassen))
    oder bei den Detailisten ganz genau hinzuschauen (und ebenfalls nur noch geringe Auswahl zu haben)

  3. 17. Juni 2010 00:37

    Den Worten von Reto kann ich mich nur anschliessen. Ich greif’ prinzipiell nach Bio-Produkten – ausser diese stammen eben nicht aus der Schweiz, könnten aber auch hier kultiviert werden. Ein Beispiel dafür sind Bio-Tomaten aus Italien. Da bleibt nicht mehr viel Bio übrig, wenn die zuerst in den Norden hochgepfärcht werden müssen…

    Trotzdem: Den Unterschied Schweiz / Ausland ist mir bis anhin auch entgangen. Wo Etikettenschwindel halt nicht möglich ist, versucht man es offensichtlich mit Etikettentäuschung… :-(

    Damit man auf die noch besser hereinfallen kann, hat Coop nun ja Lupen an den Einkaufswagen angebracht. Ein CO2-Rechner wäre mir allerdings lieber gewesen…

  4. kikri Permalink
    29. Juni 2010 18:49

    Jeder muss sich zuerst selber fragen, weshalb er zu Bio-Produkten greift.
    Ist es wegen der Gesundheit:
    dann sind Bio-Mango, Bio-Kiwi und Bio-Schokolade OK.

    Geht es um Nachhaltigkeit und Umweltschutz:
    Dann liegen nur regionale und saisongerechte Bioprodukte drin.

    Wie sieht es aus?
    Lieber eine konventionell produzierte Tomate aus der Schweiz oder eine Biotomate aus Süditalien?

    Schwierige Frage.

  5. 30. Juni 2010 01:06

    @ Kikri
    Die höchsten Bio-Standards nützen wenig, wenn es anderweitig wieder zu einer negativen Beeinflussung der Umwelt und damit auch zu unserer Gesundheit kommt.

    Es gibt aber nicht nur die Optionen «konventionell/Schweiz» und «biologisch/Ausland». Es gäbe (nebst dem eigenen Garten) auch noch die Option «Verzicht»…

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