3.Mai 2010, 17:13 Uhr

myclimate vs. easyjet: Runde II

Letzte Woche verwirrten wir euch, unsere werten Leser, mit CO2-Kompensationszertifikaten. Als Beispiel diente ein Flug von Basel nach Amsterdam. Die Billigfluglinie easyjet bietet online ein Kompensationszertifikat für 3 Franken an. Die als ETH-Spinoff gegründete Non-Profit-Stiftung myclimate hingegen verlangt zwischen 11 und 30 Franken um die Emissionen des kurzen Fluges zu kompensieren. Mit dem Preisunterschied konfrontiert, meinte easyjet bloss, dass sie – ganz im Gegensatz zu anderen, teuren Agenturen – von den Kunden den jeweiligen Marktpreis für CO2-Zertifikate verlangen würden. Easyjet bezeichnete myclimate indirekt also als teure Agentur, die den gutgläubigen Kunden abzockt. Lüge oder bittere Wahrheit? Wir haben bei myclimate nachgefragt

Sehr geehrte Damen und Herren,

Vor kurzem habe ich bei easyjet einen Flug von Basel nach Amsterdam gebucht. Am Ende des Buchungsvorgangs bot mir easyjet ein CO2-Ausgleichszertifikat für knapp drei Franken an. Da mir dies ausgesprochen günstig erschien, konsultierte ich sogleich eure Website. Tatsächlich, das CO2-Ausgleichsticket von myclimate war im Vergleich zum easyjetticket drei bis zehn Mal teurer, kostete mich also zwischen 11 und 30 Franken (abhängig ob global oder Schweiz zertifiziert). Ich schrieb easyjet um in Erfahrung zu bringen, weshalb sie ihr Ausgleichsticket so günstig anbieten konnten. Easyjet meinte in ihrer Antwort, das sie die bestmöglichen Zertifikate zum üblichen Marktpreis einkaufen würden und somit ihr Preis über alle Zweifel erhaben, also weder zu teuer noch zu günstig sei. Falls easyjet tatsächlich die bestmöglichen Zertifikate zum üblichen Marktpreise einkauft, und mich als Kunden in dieser Sache nicht anlügt, stelle ich mir weiterhin folgende Frage: Weshalb kostet das Ausgleichsticket von myclimate dreieinhalb bis zehn Mal mehr als das Ausgleichsticket von easyjet.
Als myclimate-Fan würde ich mich sehr freuen wenn sie mir diese Frage beantworten könnten.

Mit freundlichen Grüssen

Natürlich liess myclimate ihren Fan nicht hängen:

Guten Tag Herr Schilliger,

Merci fuer Ihr Email und Ihr Interesse an myclimate. Dieser Preisunterschied ist auf verschiedene Faktoren zurueckzuführen.

* Berechnung der Emissionen: Die meisten Fluglinien berechnen nur CO2-Emissionen, auf unserem Rechner werden jedoch auch zusätzliche klimaschädliche Emissionen berücksichtigt (http://www.myclimate.org/kompensation/co2-kompensation/kompensation-flug/weitere-infos.html), was zu einem höheren Ergebnis bei der Emissionsberechnung führt. Wir sprechen dann von sogenannten CO2-Aequivalenten. Wen man diese kompensiert, ist der Flug klimaneutral, im Fall von nur CO2-Emissionen lediglich CO2-neutral.
* Den zweiten Grund fuer den tiefen Preis nennt Easyjet gleich selbst: Sie kaufen Zertifikate zum marktüblichen Preis. Der CO2-Markt funktioniert wie jeder andere Markt auch, der Preis wird durch Nachfrage und Angebot bestimmt. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir bauen langfristige Partnerschaften auf mit Projektentwickler und garantieren ihnen stabile Preise ueber eine längere Laufzeit, unabhängig von den teilweise sehr grossen (und gerade fuer kleine Projekte unter Umständen sehr nachteiligen) Preisschwankungen. Dadurch koennen unsere Partner langfristig planen und hochwertige Projekte umsetzen, die nicht nur das Ziel haben, eine bestimmte Menge CO2 so billig wie möglich einzusparen, sondern langfristig zur nachhaltigen Entwicklung in der Projektregion beizutragen. Garantiert wird diese Hochwertigkeit durch den Gold Standard ( http://www.myclimate.org/klimaschutzprojekte/projektstandard/gold-standard.html).

Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen! Bei weiteren Fragen stehe och gern zur Verfuegung!
Freundliche Gruesse

Diese Informationen helfen allerdings. Nicht viele unserer Fragen sind so kompetent und befriedigend beantwortet worden. Oder fällt etwa unseren Lesern noch ein fragwürdiger Punkt auf?

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One Response to myclimate vs. easyjet: Runde II

  1. Roman says:

    Saubere Antwort!
    Easyjet kauft also nur Emissionszertifikate auf dem europäischen Emissionshandelsmarkt? Oder ist das nicht derselbe Markt… wo die Preise zeitweise derart im Keller waren, weil einfach zu viele Zertifikate ausgegeben wurden? Ein schlichter EU-Emissionszertifikate Einkauf dürfte meiner Meinung nach nicht “easy” als CO2 Kompensation für z.B. eine Flugreise bezeichnet werden. Es wäre dabei gut möglich, dass nirgendwo ein Gramm CO2 eingespart wird, da zu grosszügig Emissionserlaubnisse (Zertifikate) ausgegeben wurden. Oder doch nicht?

    Trotzdem; ein bisschen recht hat der Easyjet schon. Auch in der freiwilligen CO2 Kompensationsbranche ist ein bisschen Konkurrenzkampf gut, damit das Geld gut/effizient eingesetzt wird. Dass das bei myclimate aber sowieso der Fall ist, möchte ich nicht bezweifeln. Es ist der Organisation auch hoch anzurechnen, dass sie sich stark für Klimabildung engagiert (und sich somit selber längerfristig Kunden generiert). Ob jetzt wirklich auf jeder Rückseite der 20minuten eine myclimate Anzeige stehen soll, finde ich schon eher fraglich.

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