Immer mehr Modehäuser bieten Kleider aus biologischer Baumwolle an. Auch die Migros verkauft verschiedene Kleidungsstücke unter dem Label “Bio-Cotton”. Zudem findet sich in den Läden des orangen Riesen ein zweites Label namens “eco”. Auf der Rückseite der Produktetikette erfährt der interessierte Kunde, dass “eco”-Kleider nachhaltig produziert werden. Ob die Kleider aus biologischer oder herkömmlicher Baumwolle hergestellt werden, steht nirgends. Natürlich könnte man bei einem Namen wie “eco” von biologischen Materialien ausgehen… Oder?
Guten Tag
Vor kurzem habe ich in der Damenkleiderabteilung der Migros eingekauft. Dort ist mir die grosse Auswahl an Kleidern mit dem Label eco aufgefallen. Es hat mich sehr gefreut, dass sich die Migros auch bei Baumwolle für eine soziale und biologische Produktion einsetzt.
Da mir aber nicht ganz klar war, was denn nun der Unterschied zum Bio-Cotton-Label der Migros ist, habe ich eine Verkäuferin gefragt. Sie hat mir dann erklärt, dass bei den eco-Produkten im Unterschied zu den Bio-Cotton-Produkten keine Bio-Baumwolle verwendet wird.
Mir ist nun nicht ganz klar, wie die eco-Produkte „die strengen Richtlinie bezüglich umweltfreundlicher Produktion“ (Zitat von der eco-Etikette) erfüllen können, wenn sie keine biologische Baumwolle dafür verwenden.
Bitte entschuldigen sie meine Neugier. Ich würde mich freuen, wenn sie meine Frage beantworten könnten.
Vielen dank und Grüsse
Das Marketingteam der Migros nahm sich der Sache an:
Sehr geehrte Dame
Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme.
MIGROS engagiert sich bereits seit 1996 für eine ökologische Textilproduktion.Nach der Baumwollernte durchläuft ein Textil viele Produktionsschritte, in denen z.B. Chemikalien und Farbstoffe zum Einsatz kommen und große Mengen an Wasser und Energie verbraucht werden. Mit dem Migros eco-Label werden Textilien ausgezeichnet, die von einer unabhängigen Stelle auf eine umweltverträgliche Produktion kontrolliert wurden. Ein eco-Produkt wird durch die gesamte Wertschöpfungskette begleitet und die Verarbeitungsschritte überprüft, um die Einhaltung der Migros eco-Kriterien abzusichern. Die Migros eco-Kriterien umfassen z.B. die Vermeidung von Schadstoffen, die Abwasserbehandlung sowie Arbeitssicherheit.
Migros eco verfolgt den Ansatz eine ökologische Optimierung entlang der gesamten Produktionskette zu erreichen und diese nicht alleine auf den Baumwollanbau zu beschränken.
Die Gesundheit der Verbraucher sowie der Arbeiter in den Fabriken und die Umwelt werden somit geschützt. Die Migros eco-Kriterien gelten für alle Textilmaterialien, nicht nur für Baumwolle. Damit können wir unseren Kunden Vielfalt ökologisch produzierter Textilien anbieten und Kundenwünsche nach Funktionalität, modischem Grad und Design erfüllen.
Das bio-Label vereint die Erfüllung der eco-Kriterien in allen Produktionsstufen mit der Verarbeitung biologisch angebauter Baumwolle. Da der aktuelle Anteil der Bio-Baumwolle am Weltmarkt nur 0,76% ausmacht, können derzeit noch nicht alle Baumwolltextilien aus Biobaumwolle hergestellt werden.
MIGROS ist es sehr wichtig das Angebot an Bioprodukten zu fördern und zu erhöhen und damit das ökologische Engagement um einen weiteren Schritt zu ergänzen.Diese Mischung von eco und bio-Sortiment erlaubt einen Beitrag zum Umweltschutz – einmal in der gesamten Textilproduktion mit entsprechendem Volumen und zweitens in dem kleineren und begrenzten Bereich der BIO-Textilien mit entsprechenden Synergien mit unserem eco-Programm.
Mit eco können wir unseren Kunden sichere Textilien mit ökologischem Mehrwert anbieten.Für weitere Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Mehr Details zu den eco-Kriterien finden Sie unter:
http://www.migros.ch/DE/Ueber_die_Migros/Nachhaltigkeit/Produkte_Labels/Standards/Seiten/Eco.aspxMit freundlichen Grüssen
Wieder einmal äusserst verwirrend. Migros behauptet einerseits, dass das “eco”-Label den gesamten Produktionsprozess auf Nachhaltigkeit trimme. Als besonders löblich vermerken die Migros-Experten, dass sich das Label somit nicht nur auf die Baumwollproduktion beschränke. Sind “eco”-Kleider also gar nachhaltiger als “Bio-Cotton”-Kleider?
Nicht unbedingt. Denn eco-Kleider werden gar nicht aus biologischen Materialien hergestellt. Dies räumt die Migros ein, wenn sie davon spricht, dass im “Bio”-Label die Vorteil der “Eco”-Kleider mit den Vorteilen biologisch produzierter Materialien vereint seien. Sprich: Wirklich nachhaltig sind eigentlich die “Bio-Cotton”-Kleider. Weil es aber auf der Welt nicht genügend Biobaumwolle gibt, führt die Migros ein weiteres Label, das ebenso nachhaltig tönt (eco), den Kunden verwirren und täuschen mag, aber leider nicht wirklich nachhaltig ist. Clever….



Man muss sich natürlich jetzt fragen, ob die Zahl zu erhältlicher Bio-Baumwolle stimmt. Wenn das tatsächlich so sein sollte (die Tiefe Rate), finde ich eine “eco” Linie gar nicht so dumm. Das Problem sehe ich eher darin, dass die “eco” Linie als Besonderheit und nicht als Normalstandard geführt wird. Wenn alle Kleider “eco” wären, und eine Bio-Linie geführt würde, dann könnte man die Argumentation der Migros sogar als stringent bezeichnen …
Grüsse A.Q.
Mir hat vor kurzem jemand gesagt, dass es eher zu viel Biobaumwolle auf dem Markt hat und das viele Bauern, die auf Bio umgestellt haben ihre Baumwolle zu sehr tiefen Preisen verkaufen müssen. Das nun auch Billigkleiderläden wie H&M eine sehr günstige Organic Linie anbieten können, spricht für diese Theorie.
Wo könnte man das wohl nachprüfen???
In solchen Fragen werden Angaben aus der Privatwirtschaft sich wohl oft widersprechen. Eventuell könnte man NGO’s anfragen. Am Besten wäre natürlich wenn jemand einen Professor oder eine Professorin kennen würde, welche zu solchen Themen Bescheid weiss …