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Googles nette Diashow

26. Januar 2010

Die wirtschaftlichen Turbulenzen der letzten zwei Jahre haben den meisten Unternehmen erheblichen Schaden zugefügt und ihr Wachstum gestoppt oder abgeschwächt. Ein Unternehmen aber trotzte dem Sturm und erzielte im Krisenjahr 2009 einen Rekordgewinn von 6.5 Milliarden Franken. Von welchem Unternehmen ich spreche? Von Google natürlich. Dem netten, erfolgreichen, altruistischen Riesen, der nur Gutes für die Welt will und mit dieser Philosophie auch noch viel Geld verdient.

Google tut tatsächlich viel Gutes und bietet praktisch alle seine Produkte gratis an. Doch LAMM interessiert natürlich auch, was Google für die Umwelt und das Klima tut. Erst recht, da die Berliner Firma Strato AG kürzlich festgestellt hat, dass eine Suchanfrage bei Google in deren Rechenzentrum soviel Energie verbraucht wie eine 11-Watt Glühbirne, die während einer Stunde brennt. Wir haben uns auf die Suche gemacht nach der Umweltphilosophie von Google, haben Leitbild und Unternehmensphilosophie durchgeackert; leider erfolglos. Nirgends verliert Google ein Wort über seine “grüne Verantwortung”. Deshalb schrieben wir Google ein nettes Mail:

Sehr geehrtes Google Team,

Schon seit mehreren Jahren verwende ich verschiedene von Ihren Produkten wie zum Beispiel GoogleMail, die Suchfunktion oder Picasa.  Ich bin sehr zufrieden mit diesen Anwendungen. Speziell gut gefällt mir das Google Earth Programm, welches nicht nur privat sondern auch für Forschungszwecke wie auch in meiner Fachrichtung Geographie eingesetzt werden kann.
Als regelmässiger Benutzer Ihrer Produkte mache ich mir auch Gedanken über die Auswirkungen dieser Dienstleistungen.
Ich habe gelesen, dass zur Betreibung der Google Suchfunktion grosse Serveranlagen gebraucht werden, welche sehr viel CO2 in die Atmosphäre emittieren. Eine einzige Suche bei Google soll gleich viel Strom verbrauchen wie eine Glühbirne in einer Stunde. Eine andere Suchfunktion “Ecosia” spendet deswegen einen Teil ihres Profits an Projekte, welche den Regenwald schützen. Da soll eine Suche circa 2 Quadratmeter Regenwald schützen.
Weder im Google Leitbild noch in der Google Philosophie habe ich einen Verweis auf die Umwelt gefunden. In ihrem 10 Punkte Programm habe ich jedoch folgendes gefunden:
6. Man kann Geld verdienen, ohne damit jemandem zu schaden
Ich frage mich nun, ob Google denn die Umwelt egal ist oder ob man diese einfach “vergessen” hat. Oder hab ich einfach Google’s ökologischen Bemühungen nicht gefunden?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Herzliche Grüsse
Die nette und sympathische Firma gab sich von unserer kritischen Frage unbeeindruckt und antwortete ganz hipp und cool:
Lieber Buddy (Name von der Redaktion geändert)

Zahlen habe ich leider keine fuer dich, aber ich denke, dass wir doch einiges fuer die Umwelt tun. Einiges davon findet man z.B. unterhttp://www.google.com/corporate/green/ sowie auf den Blog-Posts die dort verlinkt sind. Interessant fand ich persoenlich, dass in Mountain View file:///Applications/DivX/nicht nur Solar-Strom fuer den Betrieb erstellt wird, sondern dass dieser auch kostenlos an die Mitarbeiter abgegeben wird, falls sie mit einem Elektroauto kommen (und das tun einige): ueber den Parkplaetzen sind Solarzellen, die man einfach am Auto zum Aufladen verwenden kann.Weitere interessante Projekte sind fuer mich persoenlich z.B. “RE<C” — die Suche nach erneuerbaren Energiequellen, die billiger als Kohle sind ( http://www.google.org/rec.html ) und “PowerMeter” ( http://www.google.org/powermeter/ ) — womit man selber pruefen und vergleichen kann (z.B. mit Nachbarn), wie viel Strom man im Laufe des Tages verbraucht (um beispielsweise zu erkennen, dass gewisse Geraete ueber Nacht oder einfach im Gebrauch sehr viel Strom verbrauchen).

Genial ist natuerlich auch, wie viel Arbeit in effiziente Datacenters gesteckt wird, obwohl das zugegebenermassen auch uns zugute kommt :-) :http://www.google.com/corporate/green/datacenters/ . Ich weiss nicht, wie die anderen Datacenters dort abschneiden (ecosia verwendet ja einfach eine andere Suchmaschine, dort wird auch Strom verbraucht).

Bezueglich Regenwaelder sind wir auch nicht untaetig: http://googleblog.blogspot.com/2009/12/seeing-forest-through-cloud.html — wir hoffen, dass wir mittels Visualisierung und Verbreiten dieser Daten insgesamt mehr erreichen koennen, als nur eine eigene Investition in die Aufforstung. Schlussendlich sind es nicht einzelne Baeume, die angebaut werden muessen, sondern eher das Bewusstsein der Masse, das geaendert werden muss.

Herzliche Grüsse

Löblich, was Google da alles unternimmt um seinen Energieverbrauch so tief wie möglich zu halten. Doch die Suchanfragen nehmen zu und jedes Jahr schaltet Google unzählige neue Angebote und Webprogramme auf, die zusätzliche Serverleistungen benötigen. Ob eine Suchanfrage tatsächlich soviel Energie verbraucht wie eine Glühbirne, die eine Stunde brennt, will Google nicht bestätigen. Es liefert aber auch keine Zahlen, die dies wiederlegen könnten.

Neuesten Schätzungen zufolge verursacht der gesamte Internetverkehr (also nicht nur Google) angeblich ebensoviel CO2 wie der Luftverkehr. Ob es da reicht, wenn Unternehmen, die mit dem Internet 6 Milliarden Reingewinn erwirtschaften, mit Fotos vom sterbenden Regenwald das Bewusstsein der Menschen zu verändern versuchen, erscheint fraglich oder gar scheinheillig. Natürlich muss das Bewusstsein geschärft, ja gar verändert werden. Aber selbst wenn dieses verändert worden ist/wäre, müssten die paar Bäume im Regenwald immer noch von egoistischen, mächtigen Konzernen beschützt werden. Eine Firma wie Google wäre da viel mächtiger als der einzelne, kleine, umweltbewusste Bürger: 6.5 Milliarden Dollar reichen für mehr als eine Diashow über den Regenwald!

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