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Das ökologische Gewissen von St.Moritz

11. Januar 2010

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Das hatte auch das Schweizer Fernsehen verstanden und sich vorgenommen die weihnächtlichen Gefühle der Zuschauer mit einem Wintermärchen zu verstärken. Nur handelte das Wintermärchen, das das Schweizer Fernsehen am 28.Dezember den Märchenliebhabern vorsetzte, nicht von Prinzen, bösen Königen und Prinzessinen. Vielmehr tauchte der Zuschauer ein in die dekadente Märchenwelt der Reichen, Neureichen und Möchtegernreichen von St.Moritz. Im Verlaufe des Wintermärchens sprach Mona Vetsch auch mit dem Gastgeber des Nobelrestaurants “La Marmite” Reto Mathis. Interessant wurde das Interview als Mona Vetsch den Spitzenkoch fragte, ob er nicht bei all der zur Schau gestellten Dekadenz moralische Bedenken habe (im verlinkten Video ab Minute 28!). Mathis verneinte und fügte an, dass St.Moritz nicht der Ort sei, wo soziale oder gar ökologische Probleme diskutiert werden müssten. Wir fanden diese Haltung, selbst für den Chef eines Nobelrestaurants im dekadentesten Ort der Schweiz ein wenig merkwürdig. Denn wenn es einen Ort gibt, der vom Klimawandel direkt betroffen sein wird, dann kann das nur der Wintersportort St.Moritz sein. Doch nicht verzagen, LAMM geht nachfragen:

Guten Tag

Soeben hab ich mir den podcast von SF Dok „Dornröschen wird wach geküsst“ angeschaut. Da auch ich schon in St. Moritz zu Gast war, hat mich die Sendung sehr interessiert.

Leider war ich ein wenig enttäuscht über die Aussagen bezüglich den ökologischen und sozialen Zielen des Betriebs La Marmite. Es ist mir klar, dass Le Marmite auf die Wünsche einer sehr anspruchsvollen Kundschaft eingehen muss. Dies ist aber meiner Meinung nach kein Grund die Probleme dieser Welt vollkommen auszublenden. Wird nicht gerade St. Moritz als Wintersportort in Zukunft stark von klimatischen Veränderungen betroffen sein? Ich bin mir sicher, dass auch das Restaurant La Martime bei gleichbleibend hohem Dienstleitungsniveau einen Beitrag zur Eindämmung dieser Veränderungen leisten kann.

Wäre es beispielsweise nicht möglich das Resteraunt zumindest teilweise mit Solarstrom zu versorgen. Sonnentage gibt es ja bekanntlich genug im Engadin. Eine weitere, kreative Herausforderung wäre doch die Schaffung eines kulinarisch hochstehenden Bio-Regiomenus. Man muss ja nicht gleich auf Kalkutta gehen, um seine ökologische und soziale Verantwortung wahr zu nehmen.

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie zu meinen Vorschlägen Stellung nehmen würden.

Mit freundlichen Grüssen aus dem Unterland

Man könnte ja denken, dass ein Spitzenkoch bessers zu tun hat, als die Fragen nerviger Fernsehzuschauer zu beantworten. Falsch gedacht! Innert weniger Stunden erhielten wir eine Antwort:

Sehr geehrte Dame,

herzlichen Dank für Ihr Mail und Ihre angebrachte Skepsis und Kritik.

Sie haben recht mit Ihrem Kommentar bezüglich meiner Aussage in Zusammenhang mit dem Angebot von La Marmite.

La Marmite ist eines von 6 Profitcentern im Corviglia Gastronomiekonzept und von mir ganz klar und kompromisslos so positioniert wie ich es auch gesagt habe.

Es ging in diesem Beitrag ausschliesslich um obenerwähntes Lokal.

Sie finden das von Ihnen angesprochene Angebot in meinen anderen Betriebsstellen, die ebenfalls diesbezüglich positioniert sind.

www.mathisfood.ch

Ebenfalls bin ich Mitglied von CLEAN ENERGY St,Moritz, wo z.B. entlang der Bergbahnstrecke Solarpanelen zur Energiegewinnung aufgestellt wurden, Wind- und Biogas – aus meinen Küchenabfallen u.a.  – gewonnen werden etc. also bin ich mir der Umwelt/Energieverantwortung wohl bewusst.

In diesem Sinne freundliche Grüsse von DEM Berg

Gastgeber

Es hat uns gefreut, dass Herr Mathis unser Mail beantwortet hat. Zu erwarten war dies nicht. Noch mehr gefreut hat uns natürlich, dass Herr Mathis doch eine differenziertere Meinung zu ökologischen Fragen hat, als er im Fernsehbeitrag preisgeben möchte. Schade, dass er im Fernsehen nicht so differenziert geantwortet hat.

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