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Serie “Ablaufende Lebensmittel”: Tierlieber Coop

29. Dezember 2009

Der Detailhandel ist ein anspruchvolles Geschäft. Nicht nur müssen Preise mit der Konkurrenz abgesprochen verglichen und unterboten, sowie Löhne gedrückt optimiert werden. Nein, auch will jeden Tag genau geplant werden, wieviel frische, verderbliche Lebensmittel bestellt und angeprisen werden sollen. Denn bleibt der Käse oder die Milch zu lange im Regal liegen, muss der Detailhändler zur organgen Rabattmarke greifen, um die Lebensmittel noch in letzter Sekunde zu niederen Preisen an den Mann zu bringen. Sonst… Ja was sonst? Was passiert denn eigentlich mit den abgelaufenen Lebensmittel in der Migros, dem Coop, dem Denner etc. Wir haben bei verschiedenen Detailhändlern nachgefragt und präsentieren euch in einer speziellen Serie die Antworten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als langjähriger zufriedener und treuer Kunde von Ihren Filialen und Käufer Ihrer Produkte hat mich in letzter Zeit eine Frage stark beschäftigt:

Was passiert mit den Produkten, deren Verkaufsdatum abgelaufen ist, die jedoch ihr Ablaufdatum noch nicht erfüllt haben?

Offensichtlich können diese ja nicht mehr verkauft, aber noch gegessen werden.

Ich habe im Internet gelesen, dass sich diese “Abschreibequote” bei Frischwaren, trotz den vorbildlichen “last minute” Verbilligungen, ungefähr bei 3-5 Prozent der Waren bewegt. Weiter habe ich gelesen, dass diese Waren dann entweder im Schweinetrog oder in der Verbrennungsanlage landen.

Wir wissen jedoch alle, dass es auch in der Schweiz bedürftige Menschen gibt die Hunger leiden. Dass es Institutionen wie die Gassenküchen gibt, die probieren warme Mahlzeiten an diese Menschen abzugeben.

Weswegen werden diese Waren nicht einfach diesen Menschen und Institutionen zur Verfügung gestellt?

Herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Frage.

Mit den besten Grüssen

Der Coop antwortete besonders ausführlich:

Sehr geehrter Herr

Danke für Ihre eMail. Ihr Interesse freut uns sehr. Gerne gehen wir auf Ihre Anfrage ein wie folgt.

Selbstverständlich wird bereits durch eine sorgfältige Disposition alles dafür getan, dass keine Ware unverkauft bleibt, und wir versichern Ihnen, dass Coop kein erfolgreiches Unternehmen wäre, wenn täglich grosse Warenmengen vernichtet anstatt verkauft würden. Ist ausnahmsweise der Verkaufserfolg eines Produktes weniger hoch als erwartet, dann entscheidet sich die Filialleiterin resp. der Filialleiter frühzeitig für eine Preisreduktion des betreffenden Artikels, und dies natürlich bevor das Verkaufsdatum abgelaufen ist. Auf diese Weise wird ein Grossteil dieser Artikel zu einem reduzierten Preis angeboten und verkauft. Werden trotz allen diesen Massnahmen doch nicht alle Produkte verkauft, so werden diese für Tiernahrung eingesetzt. Jedoch gilt diese Aussage nicht für Fleisch und Wurst, resp. für Produkte, in welchen diese Zutaten enthalten sind. Der Verdacht des Zusammenhanges zwischen BSE und der Creutzfeldt-Jakob-Krankeit beim Menschen besteht weiterhin; er konnte auch durch neue wissenschaftliche Studien nicht entkräftet werden. Entsprechend ist die Verunsicherung der Konsumentinnen und Konsumenten bezüglich allfälligen Krank-heitsübertragungen und ethischen Aspekten mit der Fleischproduktion sehr gross. Es entspricht auch nicht unserer Haltung vom Datum her abgelaufene Ware an Hilfsbedürftige abzugeben. Auch muss bedacht werden, dass der Produkthaftplicht-Schutz nur bis zum Ablauf des letzten Datums auf der Packung aktuell ist.

Coop engagiert sich jedoch selbstverständlich auch im humanitären Sektor. Dies einerseits mit Food- und Nonfood-Lieferungen an Opfer von Naturkatastrophen auf der ganzen Welt, anderseits auch in der Schweiz mit der Patenschaft Coop, und damit unter anderem mit der Berghilfe. Die Stiftung “Schweizer Tafeln” startete zudem mit dem Projekt “Mahlzeiten für Hilfsbedürftige” in 5 Schweizer Städten. Coop ist an diesem Projekt beteiligt. “Schweizer Tafeln” hat sich zum Ziel gesetzt, sukzessive auch in anderen Städten die Organisation aufzubauen. Dabei stellt unter anderem Coop Ware unentgeltlich bereit, welche zu Mahlzeiten verarbeitet werden. Das Thema ist wie Sie sehen, etwas komplex. Im Rahmen der Möglichkeiten, welche aufgrund der vorerwähnten ethischen, gesundheitlichen und gesetzlichen Auflagen bestehen, engagiert sich Coop jedoch in jedem Fall auch für Bedürftige.

Gerne hoffen wir, Ihnen mit diesen Informationen gedient zu haben.

Freundliche Grüsse

Diese ausführliche Antwort hat uns natürlich sehr gefreut. Löblich wie korrekt Coop vorgeht und Gesetzte, sowie wissenschaftliche Überlegungen in seinen Entscheidungen respektiert. Vielleicht könnten die ablaufenden Lebensmittel am selben Tag noch einer “Suppenstube” oder Notschlafstelle geliefert werden? Erst recht, da das Ablaufdatum ja noch gar nicht erreicht worden ist. Was haltet ihr von solchen Ideen? Zu idealistisch, zu kleinlich? Morgen lest ihr hier, ob die abgelaufenen/ablaufenden Frischwaren aus dem Denner ebenfalls in Tierschlündern verschwinden.

5 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. Chandos Permalink
    30. Dezember 2009 14:29

    Interessant …
    Ich weiss ja nicht, WORAUS diese Tiernahrung nun wirklich bestehen soll … Guten Appetit!

    Und was passiert eigentlich mit dem Brot und den Backwaren am Ende des Tages in den Bäckereien und/oder Supermärkten? Ich habe mal gelesen, dass der Überschuss mehr als ein Viertel beträgt …

    • Tobias Naef Permalink*
      2. Januar 2010 11:19

      Wegen den Broten habe ich gehört, dass die an Zoos oder Tierhandlungen weitergegeben werden. Die Tiere stehen auf altes Brot. Das finde ich doch ziemlich sinnvoll.

      Grüsse

      Toby

      • Wilhelmina Harker Permalink*
        28. März 2011 13:53

        Der Zoo Zürich nimmt (fast) kein altes Brot mehr. Ist nicht wirklich gesund für die Tiere – werden zu dick davon.

  2. Petunia Permalink
    25. Juli 2010 11:54

    …. Interesant!
    ich habe fotos dass bestätigen dass die abgelaufenes lebensmittel verkaufen… ! eine menge fotos! … und wenn nicht wieder auf den regal steht… dann personal nimmt es nach hause oder der boss einfach ins abfall wirft! nicht in eine speziel eimer oder so… nop… einfach ins normales abfall!

    So… spielt keine rolle wo ich einkaufe… ich schaue immer auf die datum!

  3. Wilhelmina Harker Permalink*
    28. März 2011 13:50

    Filmchen über die Abartigkeiten unserer Wegwerfgesellschaft im Bereich Nahrungsmittel:
    http://www.planet-schule.de/sf/php/02_sen01.php?sendung=8459
    –> leicht verständlich, 30min

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