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Wieso verpackt McDonald’s den BigMac in einer Kartonbox und nicht in Papier?

14. Dezember 2009

McDonald’s hat sich kürzlich ein neues Logo geschenkt. Fortan leuchtet das gelbe “M” auf grünem und nicht mehr auf rotem Hintergrund. Der Fastfoodriese will damit verdeutlichen, wie hoch er ökologische Nachhaltigkeit gewichtet. Diese Marketingaktion haben wir zum Anlass genommen, dem gelben M eine Frage zu stellen. Schon lange wunderten wir uns nämlich, wieso einige Burger in Karton und andere in Papier eingepackt sind? Welche Verpackung mag ökologischer sein? Und dabei  setzt der Konkurrent Burgerking doch hauptsächlich auf Papierverpackungen?

Sehr geehrte Damen und Herren

Als ich kürzlich in einem Ihrer Restaurants war ist mir aufgefallen, dass Sie Pommes Frites, Apfeltaschen oder auch einige Hamburger in Kartonschachteln verpacken. In anderen Fastfood Restauranten wie z.B. Burger King werden alle Produkte nur noch mit Papier verpackt, genau so wie Sie es mit Cheeseburgern machen. Ich habe darauf den Umweltteil Ihrer Website gelesen und gesehen, dass Sie Ihre Küchenabfälle fast komplett recyclen und auch sonst Ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt wahrnehmen.

Mir persönlich scheinen Papierverpackungen ökologischer als Kartonverpackungen und ich frage mich nun wieso Sie nur einige Produkte mit Papier verpacken und dies nicht mit allen Produkten so machen. Falls ich mich täuschen sollte und die Kartonverpackungen tatsächlich ökologischer sind als die Papierverpackungen wäre ich froh wenn Sie mich darüber aufklären würden.

Mit freundlichen Grüssen

McDonald’s hat auf dieses ausführliche Mail ebenso ausführlich geantwortet:

Sehr geehrter Herr

Wir danken für Ihre Anfrage vom 19. Oktober 2009 sowie Ihr Interesse an McDonald’s Schweiz. Gerne gehen wir wie folgt auf Ihre Bemerkungen ein:

Unsere Serviceverpackungen dienen dem Zweck der Hygiene und der Warmhaltung unserer Speisen, damit diese in möglichst bester Qualität vom Gast genossen werden können. Die Verpackungen sollen dabei so wenig wie möglich die Umwelt belasten. Unser Ziel ist, möglichst viel auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen. Dabei sind Papier und Karton optimale und bewährte Materialien aus dem erneuerbaren Rohstoff Holz. Grundsätzlich besteht hier kaum ein Unterschied betreffend der Umweltbelastung pro kg Papier oder Karton. Es kommt also auf die eingesetzte Materialmenge an.

Zusätzlich zu unserem Bestreben möglichst viel auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen, versuchen wir aber auch, möglichst hohe Rezyklatanteile zu verwenden, da diese umweltmässig noch vorteilhafter sind. Aufgrund der Lebensmittelgesetzgebeung dürfen diese Anteile aber nicht direkt mit den Speisen in Berührung kommen. Deshalb werden solche Recyclingfaser-Anteile als Zwischenlagen verwendet, was bei Karton wiederum einfacher realisierbar ist. Die Entscheidung, ob wir mit Papier oder Karton eine Speise einpacken, hängt aber vorallem von der Speise selber ab. Ist das Produkt beispielsweise hoch wie ein Big Mac, kann mit Papier keine genügende Stabilität erreicht werden und das Sandwich würde mit einer Papierfolie eingepackt qualitativ leiden. Bei einem einfachen Hamburger geht das aber problemlos.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Angaben zu dienen und grüssen Sie freundlich.

Zugegeben, das Thema ist äusserst komplex. Doch die Argumente von McDonald’s scheinen sich da ein wenig zu widersprechen. Zwar mögen Papier und Karton pro Kilogramm ähnlich umweltfreundlich sein. Doch wenn ich hunderte Burger in Karton verpacke, wiegen diese hundert Burger mehr, als wenn ich sie alle in Papier eingewickelt hätte. Falls es also tatsächlich auf die eingesetzte Materialmenge ankommt, spielt es ja dann doch eine Rolle, ob ich Karton oder Papier verwende. Das alles erschien uns so verwirrend, dass wir uns gleich nochmals an McDonald’s wandten.

Sehr geehrte Dame

Herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Auskünfte. Entschuldigen Sie meine Neugier, aber es brennen mir noch zwei weitere Fragen auf der Zunge. Sie haben geschrieben, dass es keine Rolle spielt, ob man ein Kilogramm Papier oder ein Kilogramm Karton recyclen muss. Wird bei einer Kartonverpackung nicht mengen- und gewichtmässig mehr Material benötigt als bei einer Papierverpackung? Somit würde es doch trotzdem eine Rolle spielen, ob man Papier- oder Kartonverpackungen verwendet.

Des weiteren habe Ihre Erklärung betreffend Rezyklatanteile noch nicht ganz verstanden. Es leuchtet ein, dass diese Anteile nicht direkt mt den Lebensmitteln in Kontakt kommen dürfen. Dies bedeutet jedoch, dass auch bei einer Kartonverpackung eine “neue” Papierschicht oder zumindest eine Beschichtung benötigt wird. So wird schlussendlich einfach mehr Abfall produziert, der zwar aus Rezyklatanteilen besteht, jedoch je nachdem nicht nötig wäre.

Ihre Begründung betreffend Stabilität kann ich nicht wirklich nachvollziehen, da genau die von Ihnen genannten Big Macs in den Kartonschachteln häufig auseinanderfallen. Auch andere, weniger hohe Sandwichs sind mir schon in den Kartonschachteln auseinandergefallen, was meines Erachtens ein weiterer Grund für eine Papierverpackung wäre.

Der einzige nachvollziehbare Grund eine Kartonverpackung zu wählen wäre für mich, wenn Karton tatsächlich ökologischer produziert oder auch transportiert werden könnte und dies gemessen an der Anzahl Verpackungen und nicht am Gewicht. Da diese Verpackungen alle im normalen Abfall landen kommt es bei der Entsorgung wohl nur auf das Gewicht an, bei welchem der Karton auch schlechter abschneidet.

Herzlichen Dank für Ihre Antwort bereits im Voraus

Der Herr McDonald’s nahm uns dieses lange Mail nicht so sehr übel und erbarmte sich einer Antwort:

Sehr geehrter Herr

Besten Dank für Ihre erneute Anfrage

Gerne gehen wir nochmals auf Ihre weiteren Fragen ein:

Bei einer Verpackung für warme Speisen steht die Funktion der Verpackung im Mittelpunkt; bei uns ist dies die Warmhaltung & Qualität des Produktes und die Transportierbarkeit. Diese Eigenschaften wollen wir mit möglichst geringem und ökologisch sinvollen Materialeinsatz erreichen. Wir wägen dann ab, ob Papier oder Karton für das jeweilige Produkt die insgesamt bessere Lösung ist. Auseinenanderfallen sollten die Sandwiches wirklich nicht, bitte wenden Sie sich bei einem solchen Fall an unser Restaurantpersonal. Der Grund für die Wahl von Karton bei vielen Sandwiches liegt eher im Verpacken als im Auspacken. Bei der Kartonverpackung haben wir insgesamt eine bessere Qualität für den Gast, was uns bei Premium-Produkten häufig diese Verpackung wählen lässt.

Wir wollen also qualitativ einwandfreie Produkte an den Gast verkaufen und dafür benötigen wir die geeigneten bestimmte Verpackungseigenschaften.

Diese Verpackungseigenschaften versuchen wir dann ökologisch möglichst sinnvoll zu realisieren. Bei einer Papierverpackung für einen Hamburger besipielsweise wird zwar weniger Material gebraucht, dieses Material muss aber wie gesagt aus Frischfasern bestehen. Bei Karton kann Recycliklat eingesetzt werden, was zwar mehr Material bedeutet, dies ist aber ökologischer. Wie gesagt ist auch hier wieder die Gesamtbetrachtung entscheidend.

Wir hoffen, Ihnen auch mit diesen zusätzlichen Angaben zu dienen und grüssen Sie freundlich.

Es scheint nun klar zu sein, dass die ökologischen Abwägungen eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn McDonald’s entscheidet, wie er seine Premium-Produkte verpacken will, achtet er zuallererst darauf, dass die Verpackung ihre Funktion erfüllt. Erst dann kommen ökologische Kriterien ins Spiel.  Zudem müsste man noch den Mischanteil von Rezyklat und “frischem” Material in der Kartonverpackung ermitteln. Dann könnte man beurteilen, ob die Premium-Produkte von McDonald’s tatsächlich ökologisch sinnvoll verpackt werden. Jedoch leuchtet ein, dass McDonald’s seine BigMacs in säuberlicher Schichtung beim Kunden angekommen wissen will. Als erfahrener BigMac-Esser kann ich leider nicht behaupten, dass dies der Normalfall ist.

Ein womöglich entscheidender Punkt wurde in dieser gesamten Diskussion noch nicht behandelt. Die Frage nämlich, wie denn die Karton und Papierverpackungen tatsächlich zusammengesetzt sind. McDonald’s behauptet indirekt, Papier und Karton seien gleich umweltfreundlich, weil beide aus Holz bestünden. Aber jeder, der jemals einen Cheeseburger aus dem glitschigen Papier gewickelt hat, wird sich fragen: Fühlt sich so reines Holz an?

8 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. Tobias Permalink*
    15. Dezember 2009 09:22

    Coole Mail! Was meint BurgerKing zu dieser Diskussion? Habt Ihr da auch schon eine Mail zurückerhalten?

    Der letzte Kommentar zu den klebrig, glitschigen Papierchen beim Cheeseburger trifft ziemlich ins Schwarze! Zusammensetzung des Papiers wäre wirklich auch ein Thema!

    Grüsse

    A.Q – T.N

  2. Oliver Permalink
    15. Dezember 2009 15:30

    Vielleicht solltet ihr einfach gar nichts in den McDonalds gehen, das wäre am umweltfreundlichsten…

    • Wilhelmina Harker Permalink*
      15. Dezember 2009 20:47

      Das schließt nicht aus, dass ich auch von Herrn Mc Donalds ein gewisses Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserer Umwelt einfordern kann.

  3. Mario Permalink
    15. Dezember 2009 22:19

    Ich frage mich, warum man behauptet, dass die Verwendung von Holz umweltfreundlich sei. Ist es denn so? Wenn ich mich an meine Grundschulzeit erinnere, dann habe ich dort gelernt, Papier zu sparen, um Abholzungen zu verringern. Wenn der aktuelle Stand der Lehre sich geändert haben sollte, dann bin ich um jede Aufklärung froh.

    • Wilhelmina Harker Permalink*
      15. Dezember 2009 23:15

      Natürlich sollte man immer noch Papier sparen, aber wenn man schon natürliche Ressourcen einsetzten muss, dann ist Papier aus Wäldern, welche wieder aufgeforstet werden, sicherlich besser als andere.

      Bei der Aussage, dass der Einsatz von Papier umweltfreundlich ist, geht es um die Frage Papier oder Plastik. Beides wird aus organischem Material hergestellt – es besteht also beides aus Kohlenstoff (C), welcher irgendwann einmal der Atmosphäre (in Form von CO2) entzogen wurde.

      Beim Papier ist dies Kohlenstoff, welcher durch einen Baum vor etwa 100 Jahren eingeatmet wurde. Falls dieser Baum wieder angepflanzt wurde, so haben wir der Atmosphäre netto kein CO2 zugeführt, weil der es ja wieder eingeatmet hat

      Plastik hingegen besteht hauptsächlich aus Erdöl. Beim Erdöl handelt es sich um Kohlenstoff, welcher der Atmosphäre nicht vor 100, sondern vor Millionen von Jahren entzogen wurde. Damals hatte es noch mehr CO2 in der Luft als heute. In einem sehr langsamen Prozess ging der aber immer mehr zurück, da das CO2 von Bäumen eingearbeitet wurde, welche irgendwie unter die Erde geriete und dort langsam zu Erdöl wurden. Dieser Entzug von CO2 aus der Atmosphäre ins Erdinnere führte zum Klima, wie wir es heute kennen. Indem wir das Erdöl anzapfen und wieder in die Atmosphäre pusten, verursachen wir einen Nettofluss von Kohlenstoff in die Atmosphäre- voila der Klimawandel.

      Und dies ist der Grund, wieso es umweltfreundlicher ist Papier anstatt Plastik für die Verpackung von Hamburgern zu verwenden. Papier ist klimaneutral (falls der Baum wieder angepflanzt wurde) – Plastik nicht.

      PS: Die Klammerbemerkung ist der Grund, wieso man Papier sparen sollte.

  4. Besserwisser Permalink
    2. Januar 2010 22:02

    Hallo!

    Als jemand mit über 10-jähriger Berufs- bzw. Insidererfahrung aus der Papier und Verpackungsherstellung möchte ich hier auch kurz einen Kommentar abgeben.
    Die gesammte Diskussion mit McDonalds lässt sich wohl zu Recht mit den Worten “Funktionalität vor Ökologie” zusammenfassen. Dennoch sehe ich es, realistisch gesehen, schon als Erfolg an das die Ökologie einen relativ hohen Stellenwert hat.
    Zum Thema “Papier und Umweltschutz” möchte ich mal kurz einen Kommentar abgeben.
    Die EUROPÄISCHEN Papierhersteller versorgen sich heute zu über 95% aus sog. FSC zertifizierten ( http://www.fsc-deutschland.de/) Wäldern. Mein ehemaliger Arbeitgeber (und ich bin nichtmehr in dieser Firma und betreibe hier keinen Lobbyismus!) beispielsweise forstet jährlich dreimal mehr Wald auf als eingeschlagen wird! Und diese Firma ist der grösste private Waldbesitzer Skandinaviens! Ich will nicht leugnen das es ausserhalb Europas zahlreiche Unternehmen gibt die in Urwäldern unsägliche Schäden anrichten…
    Mittlerweile machen sich einige “clevere” amerikanische Unternehmen die Finger garnicht länger selbst schmutzig! Diese Unternehmen überlassen diese “Drecksarbeit” den Urwald in z.B. Indonesien abzuholen dann eigenständigen Firmen die häufig Hedge-Fonds oder VC’s gehören….
    So clever ist die wirtschaft also im Zeifelsfall!
    Nur kurz zur McDonalds Verpackung zurück…die heute meist benutzte Wellpappverpackung ist gegenüber Styroporverpackungen definitiv umweltfreundlicher!
    Wenn jemand das Thema ausführlicher diskutieren möchte kann er sich gerne melden, da ich hier fundiertes Hintergrundwissen habe…

    Grüße

    • Wilhelmina Harker Permalink*
      3. Januar 2010 17:42

      Mich würde intressieren, welche Verpackung du nun als ökologischer einstufst – Karton oder Papier. Das Papier ist doch recht plastifiziert, oder?

      • Besserwisser Permalink
        4. Januar 2010 00:37

        Sorry, ich weis nicht ob jetzt unter dem richtigen Namen angezeigt werden wg. einlinken.
        Zunächst (muss ja meinen Nic rechtfertigen) muss ich dich ein wenig aufklären was das Papier (auch Einwickler genannt) angeht. Das Rohpapier hierfür besteht aus Zellstoff und ein paar in wirklich geringem Umfang eingesetzten harmlosen Chemikalien. Dieses Papier wird dann gewachst (das Wachs könntest Du theoretisch essen) und bedruckt.
        Ich persönlich denke das die Einwickler (z.B. Hamburger, Cheesburger) die ökologischere Variante sind das der Materialeinsatz extrem niedrig ist!
        Bezüglich der Funktionalität (warmhalten, stapelbarkeit und nicht zuletzt werbewirksamkeit) dürfte die Box (egal ob aus Vollpappe oder Wellpappe) deutlich die Nase vorne haben! Also verpackt MacDonalds, wie die meisten (alle?) Unternehmen auf diesem Planenten seine Premium-Produkte (siehe oben) in Premium-Verpackungen :-)

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