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Kompostsammlung in Zürich

2. Oktober 2009

Wer in Zürich kompostierbare Abfälle getrennt entsorgen möchte, muss entweder einen eigenen Garten besitzen oder in seiner Wohnung einen stinkenden Komposthaufen anlegen. Wir wollten von der Stadt Zürich wissen, weshalb die grösste und angeblich fortschrittlichste Stadt der Schweiz keine Grünabfuhr kennt.

Liebe Stadt Zürich

Ich bin mit Herz und Seele eine Zürcherin und bin der Meinung, dass keine andere Stadt so schön und vielseitig ist wie Zürich. Immer wieder bin ich aufs Neue begeistert, was mir die Stadt kulturell, beruflich und auch bzgl. Infrastruktur zu bieten hat.

Nur eine Sache gibt mir zu denken und stört mich halt auch immer wieder einmal im Alltag – Zürich hat kein organisiertes Sammelsystem für Haushaltskompost. Und ich frage mich: „Wieso“? Viele andere Städte bietet ihren Einwohnern, auf teilweise sehr innovative Art und Weise, diesen Service an. So ist in Luzern das Ganze mit einem sozialen Arbeitsprogramm gekoppelt. Da der Kompost mit einem Pferdewaagen eingesammelt wird, braucht das Einsammeln kein Benzin und stellt somit keine weitere Belastung für unser Klima dar. (http://www.igarbeitspferde.ch/drupal/node/91).

Zudem habe ich im neuen Magazin „Umwelt“ des Bafu gelesen, dass rund ein Viertel des Abfalls der privaten Haushalte Bioabfall ist und dass man aus solchem Abfall umweltschonend Energie und Dünger herstellen kann (http://www.bafu.admin.ch/dokumentation/umwelt/08880/08898/index.html?lang=de). Das würde sich doch sowohl für die Umwelt, wie auch fürs Portemonnaie lohnen. Zudem wäre es für mich ein Stück Lebensqualität, wenn ich im Sommer nicht mehr so viele Fruchtfliegen in meiner Küche hätte.

Plant die Stadt Zürich die Einführung eines Sammelsystems für die privaten Haushalte? Falls ja – bis wann kann man mit dessen Einführung rechnen?

Vielen Dank für ihre Antwort und freundliche Grüsse

So antwortete die Stadtverwaltung:

Sehr geehrte Dame

Besten Dank für Ihr Schreiben. Es ist schön, dass Sie unsere Begeisterung für Zürich teilen und sich ebenfalls Gedanken über Verbesserungen machen.

Abfall trennen und Abfall sinnvoll verwerten ist ein wichtiger ökologischer Grundsatz. Also müssten man meinen, Küchenabfälle separat einzusammeln, wäre so oder so angezeigt. Für die Stadt Zürich – jede Stadt hat andere Bedingungen, darum spreche ich nur von der Stadt Zürich – ist der heutige Umgang mit den biogenen Abfällen bezüglich Kosten, energetischem und gesamtökologischem Nutzen der geeignetste. Das heisst: Biogene Abfälle, also Küchenabfälle, Rüstabfälle und Essensreste, können auf privat bewirtschafteten Komposthaufen ausgebracht werden. Der entstehende Kompost dient den teilnehmenden Haushalten für die Pflege von Balkon- oder Gartenpflanzen. ERZ Entsorgung + Recycling Zürich bietet beratend Hand dazu.

Wer nicht privat organisiert ist, gibt die Biogenen Abfälle dem Züri-Sack bei. Denn in den Kehrichtverbrennungen der Stadt Zürich – die wir bewusst nicht so nennen, sondern «Kehrichtheizkraftwerke» – wird Kehricht nach höchstem Standard in Energie und Wärme verwandelt. Das erneuerte Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz weist eine äusserst effiziente Wärme-Kraft-Nutzung aus. Die Temperatur im Feuerraum des Ofens beträgt rund 850 Grad Celsius, diejenige am Kaminausgang lediglich noch rund 60. Die gesamte Energie aus dem Temperaturunterschied wird genutzt. Somit holen wir auch aus den Biogenen Abfällen bei der Verbrennung das Optimum an Energie heraus.

Separates Sammeln und Vergären von biogenen Abfällen aus Haushalten würde Mehrkosten nach sich ziehen und Mehrverkehr für die Sammlung produzieren.
Pferdewagen wären in einzelnen Gebieten denkbar, aber insgesamt in Zürichs dichtem Verkehr kaum geeignet. Ausserdem müssten wir eine Unmenge an Standorten finden für das Platzieren von Containern. Gerade erst haben wir Erfahrungen gesammelt mit der flächendeckenden Einführung von Züri-Sack-Containern. Ich kann Ihnen versichern, dass dies gelinde gesagt ein schwieriges Unterfangen war.

Dennoch ist der Wunsch aus der Politik und der Bevölkerung nach einer Separatsammlung gross. Wir wollen uns diesem Wunsch nicht verschliessen. Wo es sich mengenmässig und logistisch lohnt, will die Stadt Zürich deshalb frühestens auf 2011 die separate Sammlung und Vergärung von Küchenabfällen einführen. Ein gemeinsamer Versuch von ERZ und der Wohnbaugenossenschaft ABZ ist seit Sommer letzten Jahres im Gang. Er soll Aufschluss darüber geben, wie dieses Vorhaben umzusetzen ist.
Um die Separatsammlung so ökologisch wie möglich durchführen zu können, will die Stadt Zürich den ganzen Prozess von der Sammlung bis zur Verwertung aus einer Hand bieten. Hierzu wiederum soll am Standort Werdhölzli ein neues, geschlossenes Vergär- und Kompostierwerk gebaut werden. Mit dieser Lösung erfüllen die Küchenabfälle nebst der Energieerzeugung neue Zwecke. Sie machen die Vergärung von Gartenabraum möglich, der alleine nicht vergären kann. Zum anderen erhöhen sie die Menge der in der neuen Anlage verarbeiteten Stoffe, sodass deren Effizienz zunimmt. Und schliesslich löst die gedeckte Anlage das sporadisch auftretende Problem der Geruchsemissionen durch das heutige offene Kompostierwerk im Werdhölzli.
Folgende drei Produkte wird das neue geschlossene Vergär- und Kompostierwerk Werdhölzli hervorbringen: Holz für die Verwertung in einem Holzheizkraftwerk, Kompost für die Verwertung in Gartenbau und Landwirtschaft sowie Biogas für die Einspeisung ins Erdgasnetz.

Sie sehen, es tut sich etwas in den nächsten Jahren.

Ich danke Ihnen nochmals herzlich für Ihr Interesse und grüsse Sie höflich.

Freundliche Grüsse

Leiter Kommunikation TED

Eine ausführliche Antwort, mit der wir uns aber noch nicht ganz zufrieden geben können. Wir bleiben am Ball. Falls ihr euch ebenfalls gefragt habt, weshalb Zürich keine Grünabfuhr anbietet, schreibt doch einfach ebenfalls ein kurzes Mail, zeichnet es mit eurem Namen und leitet eine Kopie eures Mails, sowie der allfälligen Antwort an uns weiter.

4 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. Wilhelmina Harker Permalink*
    3. Oktober 2009 19:40

    Das ist ja ein ziemliches hin und her mit diesem Kompost in Zürich. Die erste Motion wurde diesbezüglich schon 2002 von Alexander Jäger eingereicht!

    Leider hat das ERZ dann zuerst einmal beschlossen, dass das separate Sammeln von biogene Abfälle aus Haushalten nicht sinnvoll ist. Dies kann man einer Medienmitteilung aus dem Jahr 2006 entnehmen (http://www.kompost.ch/beratung/xmedia/erz_medieninfo.pdf).

    Zum Glück sind wir heute doch schon ein wenig weiter gekommen. Die Stadt Zürich hinkt diesbezüglich anderen schweizer Städten zwar immer noch hinter her, hat aber mittlerweilen ein Pilotprojekt gestartet: http://www.stadt-zuerich.ch/content/ted/de/index/departement/medien/medienmitteilungen/2008/juni/080604a.html.

    Aus dieser Medienmitteilung:
    “Wo es sich mengenmässig und logistisch lohnt, will die Stadt Zürich auf 2011 die separate Sammlung und Vergärung von Küchenabfällen einführen.”

    …9 Jahre sollten ja eigentlich auch genug sein.

    Freundlichst Mina

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