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Kann Starbucks sein Versprechen an die Umwelt einhalten?

17. Januar 2012

Umweltverschmutzer oder erfinderische Recyclingvorreiter? Milliarden an Kartonbecher gehen jedes Jahr über die 19‘000 Kaffeebartheken von Starbucks. Becher, die nicht rezykliert werden können, weil sie mit dünnem Plastik beschichtet sind. Dass diese Abfallflut dem Image schadet, hatte Starbucks früh erkannt. Bis 2012 wollte man nur mehr rezyklierbare Becher  verkaufen. Einfacher gesagt, als getan.

18‘887 Kaffehäuser betreibt Starbucks weltweit. Gemäss eigenen Angaben verkaufte der Kaffeebarmulti bereits 2006 mehr als 2.3 Milliarden Kaffees in Kartonbecher – eine Zahl, die in den letzten fünf Jahren nochmals gestiegen sein dürfte. Die Kartonbecher stellen für Starbucks ein grosses Problem dar. Wegen der dünnen Plastikbeschichtung sind sie nämlich nicht rezyklierbar. 2.3 Milliarden Kartonbecher also, die verbrannt werden müssen oder – noch schlimmer – in Ländern, wie Guatemala oder Griechenland, wo Starbucks ebenfalls präsent ist,  einfach am Strassenrand verrotten. Für einen Konzern, der sich bereits 1992 in einem Umweltleitbild zu einer nachhaltigen Unternehmensführung verpflichtet hat, stellt diese Abfallflut eine mittlere Katastrophe dar.

Die Becher des Anstosses: Eine feinste Schicht Plastik lässt Recyclingträume platzen

Die Becher des Anstosses: Eine feinste Schicht Plastik lässt Recyclingträume platzen (c) by Carolyn Coles

Dem Multi muss man zugute halten, dass er das Problem erkannt hat. 2008 versprach Starbucks CEO Howard Schultz an einem Managementseminar, dass bis 2012 alle Starbucks-Becher 100% rezyklierbar sein würden. Der Kaffeemulti forschte und suchte nach einem Becher, der rezyklierbar und günstig zu produzieren ist – bislang erfolglos. Das Jahr 2012 hat bereits begonnen und immer noch erhält, wer einen „Kaffee zum Mitnehmen“ verlangt, einen mit Plastik beschichteten Kartonbecher.

Doch vielleicht hat Starbucks ja einen Wunderbecher in der Pipeline. Ein Becher, der sich in Luft auflöst, sobald der Kaffee getrunken ist. Oder ein Becher, so leicht wie Karton und so langlebig und stabil wie Porzellan. Ein Becher also, der so grün ist wie die Farbe des Starbucksschriftzugs.

Lieber Starbucks

Ich mag euren Kaffee sehr. Und seitdem er auch noch Fairtrade zertifiziert wird, trinke ich ihn auch ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Danke sehr.

Doch letzthin bin ich auf etwas aufmerksam gemacht worden, was meinen Starbucksbesuch stört. Eure Pappkartonbecher sind nicht recyclebar. Zumindest nicht in der Schweiz. Und zwar wegen der Beschichtung. Jedes Jahr verkauft ihr sicherlich viele solche Becher (auch an mich).

Wieso entwickelt ihr nicht Kartonbecher, die rezykliert werden können?

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir das erklären könntet.

Ein grosses Dankeschön schon im Voraus und liebe Grüsse

Nach einigem hartnäckigen Nachfragen erbarmte sich Starbucks den neugierigen Kaffeetrinkern:

Sehr geehrter Herr

Bitte entschuldigen Sie, dass Sie nie eine Antwort von uns erhalten haben, das scheint irgendwie untergegangen zu sein.

Leider ist es nicht so einfach, recyclebare Kartonbecher zu produzieren, wir haben diese Option bereits einmal angeschaut und sind immer wieder am Klären, ob es nicht doch noch eine Lösung gibt. Konkret geplant ist momentan aber nichts.

Freundliche Grüsse

Wir zitieren: „Konkret geplant ist momentan aber nichts.“ Das lässt kaum Raum für Hoffnung auf eine grüne Becherrevolution. Weiterhin werden also Milliarden an Kartonbechern über die Starbuckstheken wandern, von schlürfenden Konsumenten kurz spazieren geführt, bevor sie dann in einem alle Rohstoffe begierig für immer verschlingenden Abfalleimer dem Kreislauf entzogen werden. Wir verzichten also weiterhin auf den Gang in die Kaffeebar, deren Logo eine grüne Sirene ziert.

Lancias Werbespot verspottet Menschen mit Sprachgefühl

2. Januar 2012

Mit Sprachwitz will Lancia zum Autokauf motivieren. Doch Wortspiele sind Glückssache. Manchmal würde aber nur schon ein Blick in den Duden genügen, um groben sprachlichen Unfug zu verhindern.

Sein neues Modell „New Ypsilon“ wollte der italienische Autobauer Lancia mit einer besonders phantasievollen Kampagne bewerben.  Nebst Anzeigen, Plakaten und Radiospots produzierte  man einen TV-Spot mit Hollywoodstar Vincent Cassel, (Matrix, Black Swan). Der Franzose mit dem schmierigen Bad-Boy Image doziert im 30 Sekunden langen Filmchen, das auf Youtube in seiner Originalversion leider nur mehr auf Französisch verfügbar ist, darüber, was Luxus, Gier und Überfluss bedeuten und ob materieller Luxus glücklich macht: „Partys, Schmuck, Juwelen, Verschwendung, Mehr! Ist das Erfolg? Geht es darum, was wir besitzen?“ Sein durchaus einleuchtendes Fazit: „Manchmal sind die einfachsten Dinge der grösste Luxus im Leben“. Der Werbespot schliesst mit der Parole: „Luxus ist ein Recht“.

Luxus ist ein Recht: Mit seinem Kampagnenslogan begeht Lancia zumindest einen sprachlichen Faux-Pas

Luxus ist ein Recht: Mit seinem Kampagnenslogan begeht Lancia zumindest einen sprachlichen Faux-Pas

Botschaft, die dem Kampagnenziel zuwiderläuft

An  Cassels Monolog wäre eigentlich nichts auszusetzen. Ja, er spricht uns geradezu aus dem Herzen. Materieller Überfluss und Verschwendung machen nicht glücklich. Wenn schon, dann bewusster Konsum von Notwendigem.

Doch zwei Dinge an der ganzen Kampagne verwirren uns. Erstens, wieso verwendet Lancia solche konsumkritischen Überlegungen, um zum Autokauf aufzurufen? Und zweitens: Wie kann Luxus ein Recht sein? Luxus ist definiert dadurch, dass er eben nicht jedem zugänglich ist, weil er „den normalen Rahmen (der Lebenshaltung o. Ä.) übersteigt“ (Quelle: Duden). Zudem widerspricht Luxus in seiner Definition als „verschwenderischer, nicht notwendiger, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand“ (Ebenfalls Duden) fundamental den Ausführungen Cassels im Clip.

Zeit für ein Mail an Lancia:

Guten Tag

Vor kurzem bin ich an einem ihrer neuen Plakate für den Lancia New Ypsilon vorbeigekommen. Das Plakat hat mir eigentlich sehr gefallen – nur den Werbespruch fand ich ein wenig bedrückend. Auf ihren Plakaten steht: „ Luxus ist ein Recht“. Wenn aber etwas ein Recht ist, dann steht es allen zu. Gerade Luxus definiert sich ja aber dadurch, dass er nicht für alle verfügbar ist. Es wäre ja schön, wenn alle Menschen den Zugang zu Luxus hätten. Aber ich denke, dass dies bei der momentanen Lage auf der Welt schon in Europa nicht möglich ist. Deshalb stimmte mich ihr Werbespruch nachdenklich.

Vielleicht habe ich die Werbung ja falschverstanden. Deshalb wäre ich um eine Erklärung froh. Wie ist der Werbespruch zu verstehen?

Ich würde mich sehr über eine Antwortfreuen.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Mit den Werbeplakaten wollte man die Kunden natürlich nicht nachdenklich sondern kauffreudig stimmen. Das Missverständnis musste also aus der Welt geräumt werden:

Besten Dank für Ihre Rückmeldung und interessanten Anmerkungen betreffend  unserer Headline „Luxus ist ein Recht.“ im Zusammenhang mit der New Ypsilon Lancierungskampagne.

Grundsätzlich sollte mit der Kampagne ausgedrückt werden, dass Luxus nicht    – wie oftmals verstanden wird – daraus besteht, möglichst  teure/kostspielige Objekte zu besitzen, sondern dass Luxus auch aus kleinen  erschwinglichen oder auch immateriellen Dingen (je nach individuellem    Interesse) bestehen kann.

Leider, und da müssen wir Ihnen Recht geben, ist die Headline „Luxus ist ein Recht.“ nicht unbedingt gut geeignet, um diese Message auf einem Plakat zu übermitteln. Im TV funktionierte sie etwas besser, da noch einige zusätzliche Ausführungen gemacht werden konnten. Auf den Plakaten    waren auch wir mit dieser Headline nicht glücklich.

Als Konsequenz wurde dann auch im Zuge der zweiten Kommunikationswelle die Headline auf „Eleganz ist ein Recht“ abgeändert.

Wir können Ihnen versichern, dass es nie unsere Absicht war, die ernsthaften und Grundlegenden Existenzprobleme zu ignorieren und stattdessen zu behaupten, es gehe primär nur um Luxus. Dass aber nur schon dieser Eindruck entstehen konnte, bedauern wir sehr.

Wir bedanken uns nochmals für Ihre interessanten Hinweise und hoffen, Ihre offenen Fragen hinreichend beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüssen

Fiat Group Automobiles Switzerland SA

Auf unsere Frage erhalten wir ein mit (un)sinnigen Sätzen vollgepacktes Mail, das nach einer Analyse schreit.

Fiat, dem Lancia gehört, erklärt, dass man mit dem Clip eine noble Botschaft unters Volk bringen wollte: „Luxus kann auch aus kleinen, erschwinglichen oder auch immateriellen Dingen bestehen.“

1. Das Ziel der Kampagne war natürlich Kunden zum Kauf des New Ypsilon zu motivieren und nicht Bewussstseinsbildung der nachhaltigen Art zu betreiben.

2. Die Parole „Luxus ist ein Recht“ sollte den Kunden mitteilen, dass jeder ein Anrecht darauf hat Luxusgüter zu besitzen. Lancia stellt solch ein Luxusgut her, das für jeden erschwinglich ist: den Lancia New Ypsilon.

3. ABER: Der Lancia New Ypsilon ist weder ein immaterielles Gut,  noch ist er ausserordentlich günstig. Für den Kleinwagen gibt man zwischen 12’000 und 19’000 Euro aus. Ein stolzer Preis für ein winziges Auto.

4. UND: Selbst wenn der Lancia New Ypsilon eher ein kleineres Exemplar der Gattung Auto darstellt, ist er noch lange nicht das, was man sich vorstellt, wenn man von etwas „Kleinem“ redet. Er ist ein Auto. Ein Auto ist niemals „klein“.

5. Die Botschaft „Luxus kann auch aus kleinen, erschwinglichen oder auch immateriellen Dingen bestehen“ lässt sich also nicht dazu verwenden, ein Auto zu bewerben. Erst recht nicht Lancia New Ypsilon.

Für absichtlichen Zynismus schlichtwegs zu schlecht

Immerhin hat Fiat – wenn auch aus anderen Gründen – eingesehen, dass diese Headline mit ihrer Botschaft nicht funktioniert . Dass es nie Fiats Absicht war, „ernsthafte und grundlegende Existenzprobleme zu ignorieren und stattdessen zu behaupten, es gehe primär nur um Luxus“, glauben wir sofort. Wer so weit gedacht hat, hätte sich nie mit einem solch schlechten Wortspiel zufrieden gegeben. Solche unglaublich zynische und böse Überlegungen könnte nur ein wahrer Bösewicht mit einem brillanten Gehirn anstellen. Ein Bösewicht etwa, wie Vincent Cassels ihn jeweils in seinen Filmen mimt….

Die SVA Zürich verschickt „leeres Papier“

20. Dezember 2011

Öffentliche Behörden gehen besonders sorgfältig mit Geld und natürlichen Ressourcen um – möchte man glauben. Doch die Zürcher Ausgleichskasse SVA scheint in den 90er Jahren, als Papierverschwendung noch ein Kavaliersdelikt der harmloseren Sorte war, hängen geblieben zu sein. Oder ist es unsere nörgelige Neugierde, die wie von vorgestern anmutet?

Kein Unternehmen und keine öffentliche Behörde versorgt jedes Jahr mehr Menschen mit Papier als die SVA Zürich. Sie ist nicht nur verantwortlich für AHV, IV, Mutterschaftsentschädigungen, Familienzulagen und Prämienverbilligungen, sondern kümmert sich auch um den Erwerbsersatz der Militärdienstleistenden und die Familienzulagen der Zürcher Bauern. Zu ihren Kunden zählt sie laut eigenen Worten alle im Kanton Zürich wohnhaften und arbeitenden Sozialversicherten sowie alle Arbeitgebenden und Sozialpartner. Und all diese “Kunden” werden zuverlässig mit Rechnungen, Mahnungen, Kontoauszügen, Prämienverbilligungsvorlagen und Infomaterial eingedeckt. Postalisch versteht sich. Zu sagen, dass die SVA Zürich jedes Jahr mehrere Millionen Blatt Papier verschickt, dürfte kaum übertrieben sein.

SVA Zürich: Die moderne Fassade versteckt ein Umweltbewusstsein aus dunkler Vorzeit

SVA Zürich: Die moderne Fassade versteckt ein Umweltbewusstsein aus dunkler Vorzeit

Geldverschwender und Umweltsünder?

Als öffentliche Behörde  sollte es für die SVA eigentlich selbstverständlich sein, weder Geld noch natürliche Ressourcen zu verschwenden. Wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit dürfte man gerade von einem “Kompetenzzentrum für Sozialversicherungen” erwarten. Doch der Brief, den ein LAMM-Mitglied kürzlich von der SVA erhalten hat, entlarvt diese Erwartungen als idealistische Illusionen. Zwei Blatt Papier befanden sich im Couvert. Auf beiden  Blättern fand sich der Adressblock. Nur eines der beiden Blätter war aber mit Text bedruckt. Das erste Blatt war – bis auf den Adressblock, der ja auch auf dem zweiten Blatt zu finden war, vollkommen leer. Eine unsinnige Papierverschwendung, im Kleinen zu vernachlässigen, doch bei den unglaublichen Mengen an Briefen, die die SVA verschickt, eher ärgerlich.

Liebe SVA
Soeben erhielt ich wieder einmal Post von ihnen. Dabei hat es mich erstaunt, dass auf dem vordersten Blatt Papier ausser meiner Adresse rein gar nichts stand (Adressblock oben rechts).

Da auch auf dem zweiten Blatt Papier mit der Rechnung meine Adresse am genau gleichen Ort zu finden ist, habe ich mich gefragt, weshalb da noch dieses erste Blatt ist?

Klar, es ist nicht weiter störend und ich kann das erste Blatt ja einfach in die Papiersammlung werfen, aber angesichts der Menge an Briefen, welche die SVA verschickt, summiert sich dieses eine Blatt wahrscheinlich auf eine ansehnliche Menge Papier, welches dann einfach (oder hoffentlich) im Altpapier landet. Dies ist nicht gerade ein ressourceschonender Umgang.

Wieso verschicken sie dieses überflüssige Papier?

Vielen Dank für eine kurze Antwort und freundliche Grüsse

Die SVA nahm sich für eine Antwort kurz Zeit:

Besten Dank für Ihr E-Mail vom 6. Dezember 2011.

Bei der letzten Fakturierung haben wir unsere Rechnungen erstmals mit einer Data Matrix versehen. Mit diesem Code, welcher im Adressfenster als kleines Viereck zu sehen ist, können wir dem allfälligen Vorwurf, die Rechnung nicht erhalten zu haben, mit grösserem Erfolg begegnen.

Wir verstehen Ihr Anliegen, auf scheinbar unnötige Blätter zu verzichten, sehr gut. Aus technischen Gründen war es jedoch notwendig, den erwähnten Code auf ein Zusatzblatt aufzudrucken. Dies betrachten wir als vorübergehende Lösung, die es im Laufe des nächsten Jahres abzulösen gilt. Bis dahin bitten wir Sie um Verständnis.

Rufen Sie uns an, wenn Sie zu unserer Antwort noch Fragen haben.

Wir grüssen Sie freundlich.

Erstmals gebührt der SVA ein Lob. Die DataMatrix wird vermutlich dazu beitragen, weiteren mühseligen, papiervernichtenden Briefverkehr zu reduzieren. Dennoch bleibt für uns unklar, weshalb dieses kleine Wundermittel nicht zusammen mit dem Brieftext und der Adresse auf ein einziges Blatt Papier gedruckt werden konnte. Platz wäre genügend vorhanden gewesen. Und der auf demselben Blatt Papier aufgedruckte Adressblock deutet daraufhin, dass die Datamatrix auch mit einem herkömmlichen Drucker (oder umgekehrt alles zusammen mit einem Datamatrixdrucker, wenn es denn einen gibt und braucht) ausgedruckt werden kann.

Man mag einwenden, dass unsere Frage kleinlich sei. Dem wäre so, wenn sich die Papierverschwendung auf einen einzigen Brief beschränken würde. Doch, wie zu Beginn skizziert, unterhält die SVA „Kundenbeziehungen“ zu hunderttausenden Menschen, von denen zehntausende mit denselben Briefen bedient werden. Die DataMatrix muss also sicher zehntausendfach auf ein separates Blatt Papier gedruckt worden sein.

Das Etikett „Umweltsünde“ verdient diese Aktion gerade deshalb, weil sie schlichtweg unsinnig war. Die SVA kann jedenfalls nicht logisch erklären, weshalb die DataMatrix auf ein separates Blatt Papier hatte gedruckt werden müssen. Wir hoffen deshalb auf das Versprechen der SVA, nächstes Jahr die kuriose Druckpolitik zu verbessern.

Was meint ihr werte Leser: Findet Ihr wir sollten uns weiterhin mit scheinbar kleinlichen Fragen beschäftigen?

Auf der Suche nach der „guten Bank“

7. Dezember 2011

Mit Nachhaltigkeitsrichtlinien und vollmundigen Versprechen hat sich die ZKB von den Grossbanken abzugrenzen versucht. Doch wie unser letzter Blogbeitrag zeigte, scheint selbst im ach so sozialen Kantonsbetrieb die Profitgier vernünftiges Denken ausgeschaltet zu haben. Müssen wir verzweifeln? Lässt sich für unser Geld gar kein sowohl sicherer als auch sozialer und ökologischer Hafen finden?

Dass die Grossbanken UBS und CS mit ihren Kundengeldern wenig nachhaltig wirtschaften ist heute ein Gemeinplatz. Dem Paradeplatz gegenüber skeptisch eingestellte Bürger vertrauen ihr Geld daher oftmals den Kantonalbanken oder der Raiffeisenbank an. Diese heben in ihren Marketingaktionen regelmässig ihr soziales Engagement und ihre nachhaltigen Investmentkriterien hervor. Doch wie unser letztes Mail gezeigt hat, sollte man sich auf diese Versprechungen keineswegs verlassen.

Keine "gute Bank": UBS am Paradeplatz  (c) by rafaj

Keine "gute Bank": UBS am Paradeplatz (c) by rafaj

Falsche Nachhaltigkeitsversprechen

Der freundlichen Werbung zum Trotz: Auch die ZKB ist keine "gute Bank"  (c) by machad

Der freundlichen Werbung zum Trotz: Auch die ZKB ist keine "gute Bank" (c) by machad

Die Zürcher Kantonalbank unterstützt grosszügig den Zürcher Zoo, Konzertreihen und den öffentlichen Nachtverkehr. Und die Prinzipien der Nachhaltigkeit setzt sie seit 2002 mit ausführlichen Richtlinien in die Tat um. Natürlich weist die öffentlich-rechtliche Finanzanstalt in grossflächigen Werbekampagnen gerne auf ihre wohltätige und ökologische Ader hin. Doch unser Montagsmail mit der Frage nach allfälligen Verwicklungen der ZKB mit der Rüstungsindustrie entlarvte die Kantonalbank als Heuchlerin. Nicht nur hatte sie die eigenen Richtlinien verletzt indem sie Aktien eines Streubombenproduzenten in den „Visionfunds“ aufnahm. Sie versuchte auch auf gar plumpe Art und Weise den Waffenproduzenten als harmlosen Ingenieursbetrieb zu verkleiden.

Der Fall brachte uns Fragende ins Grübeln. Wenn selbst eine Kantonalbank dreist und gierig ihre eigenen Prinzipien verletzt, kann es dann überhaupt irgendeine Bank geben, die unseren Ansprüchen gerecht wird? Gibt es irgendwo in der weiten Schweizer Bankenlandschaft ein Institut, das uns garantieren kann, mit unseren Geldern keinerlei Waffengeschäfte und ähnlich mörderische Investitionen zu tätigen? Ist es überhaupt möglich, dass eine Bank heute überleben kann, wenn sie konsequent nach Prinzipien der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit zu wirtschaften versucht?

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Natürlich liessen wir uns durch solche Zweifel nicht entmutigen. Ein LAMM gibt niemals auf. Zudem hatten wir – es muss in der naiven Zeit der ZKB-Hörigkeit gewesen sein -  von der Alternativen Bank gehört. Eine sagenumwobene Institution mit nur einer richtigen Filiale, die sich zudem noch in Olten versteckt. Auf der Website der ABS erfuhren wir, wie sich die alternativen Bankiers selbst sahen: “Die ABS ist die soziale und ökologische Alltagsbank für alle, die wissen wollen, was mit ihrem Geld geschieht.” Aha. Eine Aussage, die wir ebenso gründlich prüfen wollten, wie zuvor die Marktetingversprechen der ZKB. Wir schrieben ein Montagsmail:

Liebe Alternative Bank
Im Zuge der jüngsten Demonstrationen denke ich ernsthaft darüber nach mein Konto zu ihnen zu zügeln. Wie kann ich dann sicher sein, dass mein Geld bei ihnen nicht in heiklen Investmentbankings verzockt wird, bei Investitionen in der Rüstungsindustrie landet oder in übertrieben Boniausschüttungen verschwindet?
Ich wäre um eine kurze Antwort froh.
Freundliche Grüsse

Potentiellen Kunden widmet sich die Alternative Bank ein wenig ausführlicher:

Sehr geehrte Dame
Vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an der Alternativen Bank Schweiz.
Die ABS betreibt keine Spekulation und reinvestiert die Kundengelder in der Realwirtschaft. Wir haben Förderkriterien (z.B. Erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft, etc.) und Ausschlusskriterien, zu denen auch die Rüstungsindustrie gehört.  Ein Hauptmerkmal unserer Geschäftspolitik ist Transparenz. Wir veröffentlichen alle ausbezahlten Kredite in einer Kreditliste, welche im Anhang unseres Geschäftsberichtes zu finden ist. Auch die Löhne/Honorare (und der Bestand an ABS-Aktien) unserer Geschäftsleistungs- und Verwaltungsratsmitglieder sind im Geschäftsbericht veröffentlicht.
In der Beilage finden Sie die Broschüre „Die ABS im Überblick“, unser Leitbild sowie den Geschäftsbericht für das Jahr 2010. Bitte beachten Sie, dass die oben erwähnte Kreditliste nur dem physischen Geschäftsbericht beiliegt. Bei Interesse stellen wir Ihnen gerne ein physisches Exemplar zu.
In der Broschüre „Die ABS im Überblick“ steht im Bereich Nachhaltigkeit: „Bei der ABS können Sie sicher sein, dass sie auf spekulative und ökologisch oder sozial fragwürdige Geschäfte verzichtet“.
Die Kreditliste stellt eine Möglichkeit dar um zu überprüfen, ob Ihr Geld  wirklich nicht an Unternehmen in der Rüstungsindustrie vergeben wird. Wie bereits erwähnt werden darin alle bewilligten Kredite veröffentlicht.
Im Geschäftsbericht sehen Sie auf Seite 22 und 23 die bezogenen Honorare unserer Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder.
Falls Sie weitere Fragen haben, können Sie uns gerne via E-Mail (xxxx@abs.ch) oder telefonisch (xxx0) kontaktieren.
Freundliche Grüsse,
xxx

Die Kreditliste klang nach genau dem Instrument, das wir gesucht hatten. Auch wie transparent die Honorare der Geschäftsleitung und Verwaltungsratsmitglieder kommuniziert werden, machte uns die Alternative Bank sympathisch. Selbstverständlich bestellten wir die Kreditliste und vertieften uns ein wenig in den Geschäftsbericht. Folgend einige bemerkenswerte Punkte, die wir im Geschäftsbericht und der Kreditliste entdeckt haben:

  • Die ABS weist in ihrem Jahresbericht sowohl den niedrigsten Bruttolohn (4307 CHF) als auch den höchsten Bruttolohn (15133 CHF) aus. Das Verhältnis Tiefst- zu Höchstlohn betrug 2010 somit 1:3,5. Reglementarisch legt sich die ABS eine maximale Spannweite von 1:5 auf.
  • Von den 80 MitarbeiterInnen beschäftigen sich im Ablauf der Geschäftsprozesse 39 mit Umweltaspekten
  • Der Geschäftsbericht weist auf einer ganzen Seite “Betriebsökologische Kennzahlen” aus: Nebst dem Wasserverbrauch, der nach Regen- und Trinkwasser aufgeschlüsselt ist, finden sich auch Informationen zum Geschäftsverkehr (91 Prozent mit der Bahn, 5 Prozente mit dem Auto, 4 % mti dem Flugzeug) und dem Papierverbrauch.
  • In der Kreditliste veröffentlicht die ABS alle vergebenen Kredite. Den Grossteil machen Hypothekarkredite aus. Die Hypothekenbezüger sind mit Namen, Vornamen und Wohnort genannt. Auf das Bankkundengeheimnis verzichtet also, wer von der ABS Kredite bezieht. Wer was zu verbergen hat, ist bei der ABS nicht willkommen.
  • Zudem vergibt die ABS Förderkredite an Projekte zur Förderunge erneuerbarer Energien, biologischer Landwirtschaft etc. Auch die mit Förderkrediten ausgestatteten Projekte  sind nachvollziehbar deklariert. Beispiele: Maier’s Raum für Theater GmbH, Zürich (Theater und Bar/Bistro: 53000 CHF)

Fazit:

Die Antwort der ABS lässt das Verhalten der ZKB in einem noch viel düstereren Licht erscheinen. Transparenz scheint möglich. Gewinnmaximierung ist auch im Bankensektor kein Naturgesetz. Und wie konsequent eine Bank ihre eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinien befolgt, hängt ganz einfach davon ab, wie ernst es ihr mit diesen Richtlinien tatsächlich ist. Als Bankkunde kann man die Inkonsequenz der Grossbanken und der ZKB ein wenig ausgleichen. Man muss nur die Bank wechseln.

Die Zürcher Kantonalbank verspottet die eigenen Nachhaltigkeitskriterien

21. November 2011

Banken arbeiten mit den Geldern ihrer Kunden. Um die Kundeneinlagen zu vermehren und eigene Profite zu erwirtschaften gewähren sie Kleinunternehmen Kredite, spekulieren auf Währungskursschwankungen oder investieren in Grossunternehmen. Dass dabei mit dem Geld der Kunden auch blutige Projekte mitfinanziert werden, wurde lange Zeit verdrängt.

Schon vor zwei Jahren deckte die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern auf, dass die zwei Schweizer Grossbanken CS und UBS durch ihre Kreditfinanzierungen indirekt (und direkt) Menschenrechte verletzen. In Usbekistan finanzierte die CS den Kauf von Baumwolle, die mit Kinder- und Sklavenarbeit geerntet worden war. Zudem gewährten beide Schweizer Grossbanken Rüstungsunternehmen Kredite, die international geächtete Streubomben produzierten. Dies waren nur zwei von vielen Beispielen, die von der EvB auf der Seite www.bankenundmenschenrechte.ch aufgelistet wurden.

UBS kann Finger nicht von Waffendeals lassen

Nachdem der Bundesrat im Sommer dieses Jahres erklärt hatte das internationale Abkommen zur Ächtung von Streubomben ratifizieren zu wollen, geriet zumindest die Streubombenfinanzierung unter Druck. So zog sich die  CS von Geschäften mit den Produzenten der heimtückischen Bomben zurück. Die UBS hingegen liessen die kommenden rechtlichen Regelungen kalt. Solange wie gesetzlich erlaubt will sie bei den lukrativen Waffengeschäften mitprofitieren.

Die Skurpellosigkeit der Grossbanken dürfte nur wenige unserer Leser erstaunen. Spannender gestaltet sich schon die Frage, wie geschäftstüchtig die kleineren und mittleren Banken, die sich in den Händen von Genossenschaftern und Kantonen befinden, bei Waffengeschäften mitmischeln. Zu unserem ersten Ansprechpartner erkoren wir die Zürcher Kantonalbank, die sich selbst als besonders nachhaltige Bank zu verkaufen versucht

Liebe Zkb
Ich hab schon seit immer mein Konto bei euch – und war/bin damit zufrieden. Die Schweizer Banken liefern ja momentan eine Menge an Gesprächsstoff. Was man auch immer wieder hört, ist dass die Banken in Projekte der Rüstungsindustrie investieren. Ich hoffe, sie haben Verständnis dafür, dass es mir beim Gedanken, mein bei ihnen gelagertes Geld könnte den Krieg unterstützen nicht gerade wohl ist.
Unterstützt auch die ZKB Projekte in der Rüstungsindustrie?
Vielen Dank für eine Antwort und freundliche Grüsse

Kriegsfinancier ist ein Vorwurf, den die ZKB natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen wollte:

Wir verstehen Ihren Unmut. Die Zürcher Kantonalbank beachtet bei ihrer Geschäftstätigkeit im In- und Ausland die Grundsätze der Nachhaltigkeit. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir erfolgreiches wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen.

Bei Investitionen in Unternehmen gibt es strikte Richtlinien, die wir als Bank beachten.

Der ZKB Vision Fonds hält 35’000 Aktien der Firma Textron, die primär in Helikopter und andere Fluggeräte herstellt. Dies entspricht 1,6 Prozent des gesamten Fondsvolumen. Die Firma Textron ist vornehmlich in der Herstellung von Fluggeräten tätig. Firmen, die mit der Herstellung von Waffen und Munition zu tun haben, werden gemäss den Ausschlusskriterien der ZKB zu 100 Prozent ausgeschlossen.

Ich hoffe, Ihnen eine zufriedenstellende Antwort gegeben zu haben

Eine in verschiedener Hinsicht äusserst aufschlussreiche Antwort. Den Grundsatz der Nachhaltigkeit, der von der ZKB zitiert wird, ist für eine Schweizer Bank löblich. Wie die Beispiele auf BankenundMenschenrechte.ch zeigen, sind Nachhaltigkeitsleitrichtlinien bislang von den Grossbanken eher belächelt worden. Doch zurück zur ZKB und ihrem ‘Gutbankentum’.

„Wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen“, beinhaltet selbstverständlich, dass Rüstungsunternehmen von Investitionen ausgeschlossen werden. Die ZKB scheint erkannt zu haben, wie sie die abstrakten Nachhaltigkeitsleitlinien konkret umsetzten könnte.

ZKBs Richtlinien nicht mehr als leere Worte

Könnte? Ja, könnte! Die von der ZKB erwähnte Firma namens Textron produziert nämlich weit mehr als zivile Helikopter. Folgend ein paar Bilder (bei Klick auf ein Bild öffnet sich die Galerie) und ein Video (Ausschnitt von zwei Minuten) aus Textrons Produkteportfolio, das die Firma auf ihrer Website präsentiert:

Wir zitieren: „Firmen, die mit der Herstellung von Waffen und Munition zu tun haben, werden gemäss den Ausschlusskriterien der ZKB zu 100 Prozent ausgeschlossen.“

Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

P.S. Textron produziert selbstveränstlich auch Streubomben.

Update: Bitte beachtet die jüngsten Entwicklungen im ZKB-Textronfall in den Kommentaren zu diesem Artikel!

SVP und FDP kämpfen um einen wertlosen Titel

8. November 2011

In der Politik wird nicht immer mit offenen Karten gespielt. Lügen und Intrigen sind an der Tagesordnung und erstaunen weder direkt Beteiligte noch interessierte Beobachter – könnte man denken. Doch manche Behauptungen verblüffen selbst abgebrühte Politbeobachter.

Die Schweizer Parteienlandschaft hat sich in den letzten vier Jahren heftig gewandelt. Neue Parteien entstanden. Moderate Flügel spalteten sich von ihren Mutterparteien ab. Traditionelle Gründerparteien verloren ihre Stammwählerschaft. Allem Wandel zum Trotz gilt und galt selbst im letzten Wahlkampf aber eine Sache als unbestritten: Die meisten Mitglieder aller Schweizer Parteien zählt seit ihrer Gründung die FDP. Mehr als 120’000 Mitglieder las man in der einen Zeitung. Über 140’000 Mitglieder vermeldete ein anderes Blatt.

Zumindest auf Facebook nicht die grösste Partei der Schweiz: die FDP

Zumindest auf Facebook nicht die grösste Partei der Schweiz: die FDP

Doch in diesen unheiligen Tagen des Politkarnevals erdreistete sich eine freche Partei den unantastbaren Status der FDP als mitgliederstärkste Schweizer Partei anzuzweifeln. Auf ihrer Website verkündete die SVP frech, sie sei mit 90’000 Mitgliedern die grösste Partei der Schweiz.

90’000? Eine deutlich niedrigere Zahl als die in den Zeitung verbreiteten 120’000 – 140’000 Mitglieder der FDP. Wie kommt die SVP zu ihrer Behauptung, sie sei die grösste Partei der Schweiz

Liebe SVP

Eben war ich auf eurer Website und habe dort auf Mitglied werden geklickt. Dann gelangt man auf diese Seite hier:

http://www.svp.ch/g3.cms/s_page/78450/s_name/mitgliedwerden

Dort steht, dass die SVP 90’000 Mitglieder hat und somit „die grösste Partei der Schweiz ist“.
Bei allen Sympathien muss ich aber doch eines fragen:

Wieso steht da, dass die SVP mit 90’000 Mitglieder die grösste Partei der Schweiz ist, wo doch die FDP (laut eigenen Angaben) mehr als 130’000 Mitglieder zählt? (Wo die sich verstecken, weiss ich auch nicht, aber egal)

Ich wäre froh, wenn sie mir diese Frage beantworten könnten.

Liebe Grüsse

Einer politischen Partei muss man sich nicht anbiedern, um eine Antwort zu erhalten …

Sehr geehrter Herr

Sie haben recht, gemäss den offiziellen Statistiken – d.h. die werden von Politikwissenschaftlern (auch ich gehöre dieser Zunft an), aber seit Jahren bestritten, da es sich nicht um wirkliche Mitglieder, sondern oft einfach Sympathisanten-Strukturen handelt. In dem Sinne gehen wir als Partei davon aus, dass wir am meisten Mitglieder haben, die wirklich vor Ort einer Ortssektion ihren Mitgliederbeitrag bezahlen. Sie haben aber Recht, dass diese Aussage so gewagt ist. Unbestritten klar ist, dass wir die stärke Partei sind in Bezug auf Wählerstärke und sich dies wohl auch am Sonntag bestätigen wird.

Freundliche Grüsse

Glücklicherweise befindet sich auch im LAMM-Vorstand ein Subjekt aus der Zunft der Politikwissenschaftler. Dessen messerscharfe Analyse der SVP-Antwort lautet:

Selbst wenn die Behauptung der SVP stimmt – ob diese tatsächlich dem wissenschaftlichen Zirkel entstammt, bleibe mal dahingestellt – könnte man davon ausgehen, dass die Mitgliederzahlen, die von der SVP kommuniziert werden, kaum vertrauenswürdiger sind, als die von der FDP publizierten Zahlen.

Wie es sich gehört, informierten wir die um ihren Titel geprellte FDP über die dreisten Behauptungen der SVP:

Liebe FDP

Gerade war ich auf der Homepage der SVP und habe gesehen, dass diese behauptet mit 90’000 Mitgliedern die grösste Partei der Schweiz zu sein. Auf meine Nachfrage, weshalb sie dies behaupten, wo doch die FDP mit angelich 130’000 Mitgliedern klar grösser sei, antwortete die SVP: Politologen gehen davon aus, dass diese Zahlen nicht so gelesen werden dürften, weil oftmals blosse Sympathisanten gezählt würden. Die 90’000 der SVP seien aber tatsächlich zahlende Mitglieder, so die Parteizentrale.

Deshalb nun meine Frage an euch:

Wie viele Mitglieder, die jährlich ihren Mitgliederbeitrag zahlen, hat die FDP? (nebenbei: wie hoch ist dieser Mitgliederbeitrag eigentlich?)

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir diese Frage beantworten könntet.
Besten Dank für Ihre Anfrage.

Bald schon antwortete die FDP:

Die FDP ist föderalistisch organisiert, d.h. jede Kantonalpartei bestimmt selbst über seine Mitglieder und auch über die Mitgliederbeiträge. Die Mitgliederbeiträge sind auch von Ortspartei zu Ortspartei verschieden. Sie gehen von 0.- – 100.-.

Es gibt bei uns auch Kantonalparteien die nur aus Sympathisanten bestehen, diese bezahlen aber auch jährlich einen Beitrag, u.a. auch einen Beitrag via Mitgliedermagazin.

Unsere Zahl von 130‘000 wird daher also schon den Zahlenden entsprechen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit behilflich sein.

Beste Grüsse

Dem bleibt nichts hinzuzufügen. Die grösste Partei der Schweiz wäre ohnehin unbestritten die LAMM-Partei.

Bequemer Salatgenuss bringt der Umwelt Verdruss

24. Oktober 2011

Convenience-Food hat sich in den Supermärkten eine beachtliche Verkaufsfläche erobert. Die Vorurteile sind hingegen nicht weniger geworden: Bezahlt die Umwelt für das „bequeme Essen“ einen hohen Preis? Und belastet die Fertignahrung gar unsere Gesundheit?

Am Anfang der Bequemlichkeitsnahrung steht die Erbswurst, ein Konzentrat, das mit kochendem Wasser verrührt eine schnelle Suppe ergibt. Erbsenmehl und Speckfett waren die Elementarteilchen der Ursuppe, aus der das Imperium der Suppenfabrik der Gebrüder Knorr 1889 geboren wurde. Die Erfindung der Beutelsuppe kam einer kochtechnischen Revolution gleich. Ohne mühseliges Gemüseschnipseln innert weniger Minuten eine fertige Suppe auf den Tisch zaubern: Der Traum jeder Hausfrau in eine niedliche Tüte gepackt.

Aus der Ursuppe bildet sich ein Convenience-Universum

Die Revolution machte vor den hohen Wänden des Suppentopfes nicht halt. Kaum über den Kesselrand geklettert, erreichte sie bald schon Dosen (Linseneintopf mit Speck) und Tuben (Bratensauce). Im Gemüsebeet spaltete sie die Gemeinde der Salatköpfe in zwei Lager: Solche, die ungewaschen in den Auslagen der Supermärkte landen, und Andere, die gewaschen und in mundgerechte Teile zerlegt in den Kühlregalen auf ihre Käufer warten.

Bequeme Randen und frischer Salat
Bequeme Randen und frischer Salat

Fertigsalate spalten auch das Lager der umweltbewussten Konsumenten. Die Beutelsalate sind – ungeachtet der saisonalen Verfügbarkeit – das ganze Jahr über erhältlich. Zumindest im Winterhalbjahr kommt dies sehr langen Transportwegen gleich. Zudem müssen Gemüse und Salate – anstatt direkt vom Bauernhof in die Verteilzentralen der Supermärkte gebracht zu werden – zuerst einen Umweg über möglicherweise gar mehrere Fabriken nehmen, wo sie gewaschen, geraffelt und abgepackt werden. Abgepackter, konsumfertiger Salat ist einem grünen Konsumenten folglich ein Dorn im Auge.

Wie umweltschädlich der „bequeme Salat“ tatsächlich ist, hängt aber entscheidend davon ab, woher die einzelnen Salate und Gemüse tatsächlich stammen und wie viele Produktionsstandorte sie auf ihrem Weg in den Plastikbeutel durchlaufen müssen.
Um diese Frage zu klären, wandten wir uns an einen grossen Beutelsalatproduzenten höchstpersönlich :) :

Guten Tag

Ich gehe gerne bei der Migros einkaufen – man könnte mich als Migroskind bezeichen. Falls sie diesen Ausdruck kennen ;-) .

Ich kaufe manchmal den abgepackten Fertigsalat (weil ich Salatwaschen nicht sonderlich mag…). Aber immer, wenn ich diesen Salat nach hause bringe, krieg ich eine Standpauke von meiner Mitbewohnerin. Sie behauptet dann zwei Sachen: Erstens sei der Salat  ökologisch schlecht, weil er für die verschiedenen Verarbeitungsschritte weit transportiert werden muss. Und zweitens sei er ungesund, weil er nicht mehr so viele Vitamine drin hat.

Ich persönlich hatte genug von diesen Diskussionen und Mutmassungen, weshalb ich nun ihnen schreibe.

Wo genau wird der Fertigsalat angebaut und verarbeitet? Ist der Fertigsalat für die Umwelt schädlicher als die Salatköpfe? Hat der Fertigsalat wirklich weniger Vitamine drin?

Ich danke ihnen für eine Antwort.

Freundliche Grüsse

Fertig mit dem Vorurteilsalat:

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, uns zu schreiben.

Bezüglich der ökologischen Bedenken können wir Sie ein gutes Stück beruhigen. Mindestens die Hälfte des Jahres verarbeiten wir Rohmaterial welches in der Schweiz angebaut und geerntet wird. Dabei arbeiten wir mit Produzenten zusammen die geografisch so ausgewählt sind, dass wir nebst Qualität und Frische auch die Versorgungssicherheit haben die wir für unsere tägliche Produktion brauchen.

Für die Wintermonate müssen wir uns den klimatischen Rahmenbedingungen beugen, die in der Schweiz herrschen. In dieser Zeit werden wir mehrheitlich mit Ware aus Frankreich, Spanien und Italien versorgt. Diese Ware wird nach der Ernte innerhalb weniger Stunden auf LKW verladen und in der Regel direkt zu uns gefahren. Während dem Transport herrschen dem Produkt entsprechende Kühltemperaturen die zudem permanent überwacht werden.

Beim Ausladen wird die Warensendung kontrolliert und bis zur Verarbeitung wieder korrekt gekühlt eingelagert. Die einzelnen Verarbeitungsschritte passieren allesamt bei uns hier im Hause – es gibt also keine weiteren Transporte als jene wenn wir die fertigen Beutelsalate mit einem gekühlten Transport an die Verteilzentren ausliefern.

Diese langen Transportwege gelten in dieser Periode sowohl für unsere Rohmaterialien als auch für jene Artikel welche Sie klassischerweise im Offenverkauf der Gemüseabteilung finden. Letztere Güter gelangen über regionale Verteilzentren in die Filialen und werden dort in der Regel ungekühlt zum Verkauf angeboten.

Etwas schwieriger ist da schon die Frage nach dem Vitamingehalt – diese kann nicht einfach so beantwortet werden, weil zu viele unbekannte und nicht beeinflussbare Parameter eine Rolle spielen. Grundsätzlich aber geht die Herstellerbranche aufgrund kürzerer Lagerdauer und permanenter Kühlung der Rohware davon aus, dass der Vitamingehalt der konsumfertig vorbereiteten Salate demjenigen der Salate aus der Gemüseabteilung in nichts nach steht. Wissenschaftlich anerkannte Studien dazu sind uns aber nicht bekannt.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen weiterzuhelfen und grüssen Sie freundlich.

Fertigsalate sind also, so man den Worten der Migros glauben darf, nicht so umweltschädlich wie wir es befürchtet hatten. Doch einmal mehr verbirgt sich die Teufel im Detail. Die implizite Behauptung, dass Fertigsalate und unverarbeitet verkauftes Gemüse ähnlich lange Transportwege hinter sich haben, stimmt nämlich gerade in Monaten, wo die einzelnen Gemüse- und Salatsorten für die Fertigsalate in der Schweiz selbst geerntet werden können, kaum. Die „Rohwaren“ werden wohl auch in Verteilzentren gebracht, bevor sie in den Läden verkauft werden. Diese sind aber regional verteilt. Der Fertigsalatfabriken hingegen gibt es in der Schweiz weniger als regionale Verteilzentren. Der Weg zur Fabrik ist also definitiv länger als die Strecke ins nächste Verteilzentrum.

Kühlungsbedürftig trotz mächtiger Verpackung

Zudem werden Fertigsalate länger gekühlt als die „Rohwaren“. Nur schon in den Geschäftern selbst sind unzählige Kühlaggregate damit beschäftigt, die Fertigsalate geniessbar zu halten. Für die Rohwaren entfällt diese Energieverschwendung.

Was die Migros gänzlich verschweigt, sind die ökologisch katastrophalen Plastikverpackungen der Convenience-Nahrung. Die Emissionen, die bei der Produktion dieser Verpackungen anfallen, müssen in die Ökobilanz der Fertigsalate mit einbezogen werden. Dann steht eines klar fest: Bequemlichkeit geht auch beim Salatgenuss auf Kosten der Umwelt.

P.S.: Auf den Punkt der gesundheitlichen Vor-/Nachteile gehen wir vorläufig nicht ein. Dazu gibt es zu viele Studien, als dass wir uns auf die Schnelle ein kompetentes Urteil hätten bilden können.

Penélope Cruz und Til Schweiger: Denn sie wissen nicht, was sie bewerben

17. Oktober 2011

Oscarpreisträgern, Tennischampions und Rockstars ist eines gemein: Ihren Ruhm können sie als Werbebotschafter zu viel Geld machen. Doch hinter der Verlockung der leicht verdienten Marketingdollars lauert eine fiese Gefahr. Wer für die falsche Marke wirbt, tut der eigenen Marke keinen Gefallen.

Der Schweizer Modekonzern Charles Vögele hat ein Imageproblem. Niemand weiss, wofür Vögele eigentlich steht. „Bieder und billig“, lautet das vernichtende (Vor)Urteil, das Vögeles finanzielle Probleme begründet. Denn mit seinen 800 in ganz Europa verstreuten Filialen erwirtschaftete das Unternehmen letztes Jahr ganze 60 Millionen Verlust.

Arm und asozial?

Doch die wirtschaftliche Schieflage ist nicht der einzige Brandherd, den es im Modehaus zu löschen gilt. Vögele ist in den letzten Jahren zunehmend ins Kreuzfeuer der NGOs geraten. Grund: Die Pfäffiker Modefirma will von ihren ausländischen Produzenten nicht verlangen, dass diese ihren Fabrikangestellten einen existenzsichernden Lohn zahlen. Mit dem sogenannten Existenzlohn haben die Nichtregierungsorganisationen ein alternatives Konzept zum staatlichen Mindestlohn erschaffen. Der staatliche Mindestlohn wird von den Kleiderfabriken in Südostasien zwar oft bezahlt, doch ist er von den lokalen Regierungen meist derart niedrig festgelegt, dass er nicht einmal in Kambodscha oder Bangladesch zum Überleben reicht. Auch Vögele verpflichtet seine südostasiatischen und chinesischen Produzenten nur zur Zahlung des staatlichen Mindestlohnes. Dass dieser Lohn ein menschwenwürdiges Leben verunmöglicht, interessiert Vögele kaum.

Sein Geld investiert der Modekonzern lieber in teure Werbeaktionen und prominente Markenbotschafter. Erst lächelte Penelope Cruz samt Schwester Monica  in Vögelekleidern von den Plakatwänden. Jetzt soll die Coolness eines Til Schweiger auf die Männerkollektion abfärben.

Auch eines der neuen Vögele-Werbeplakate?

Auch eines der neuen Vögele-Werbeplakate?

Konsumenten mit einem sozialen Bewusstsein fallen auf solche Marketingags natürlich nicht herein. Stattdessen stellen sie sich eine ganz andere Frage: Wissen die Schauspieler überhaupt welch asozialem Unternehmen sie ihr Gesicht leihen?

Guten Tag

Ich bin eine grosse Liebhaberin vieler Filme mit Til Schweiger. Mein Favorit ist seit jeher Knockin’ on Heaven’s Door. Leider konnte ich mir Kokowää noch nicht anschauen, bin aber sehr gespannt darauf.

Ich wohne in der Schweiz, wo Til Schweiger momentan wegen der Charles Vögele Werbekampagne auf jedem zweiten Plakat zu sehen ist. Und zu dieser Kampagne hätte ich eine Frage. Ich hab nämlich schon von mehreren Seiten gehört, dass der Modekonzern Charles Vögele von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen angeprangert wird. Charles Vögele zahle seinen Näherinnen keine Existenzlöhne. Arbeiterinnen, welche sich im Rahmen von Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, müssen anscheinend immer Angst haben vor einer Kündigung. Mit solchen Schlagzeilen schaffte es Vögele auch schon in die schweizer Presse: http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/voegele-mode-viel-geld-fuer-glamour-wenig-fuer-die-naeherinnen-101339836

Ist es Herrn Schweiger egal, welcher Firma er sein lächeln schenkt?

Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Til Schweiger hat nicht persönlich in die Tasten gehauen. Dafür sein Agenturwauwau:

Sehr geehrte Dame

vielen Dank für Ihr Schreiben vom heutigen Tage, welches uns freundlicherweise von Barefoot Films weitergeleitet wurde, da sich Herrn Mustermann um die Geschäfte und Angelegenheiten von Til Schweiger kümmert. Wir haben Ihre E-Mail mit Interesse gelesen und werden Til Schweiger gerne bei nächster Gelegenheit darüber informieren.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich Til Schweiger als Werbebotschafter und Designer der Charles Vögele Trading AG keine Meinung zu operativen Fragen des Managements bilden kann und somit auch nicht in der Lage ist, hierzu Position zu beziehen. Dies ist sicherlich nur aus der Kenntnis der spezifischen Sachlage heraus möglich.

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.

Haben wir Verständnis dafür, dass Til Schweiger keine Meinung zu der Firma abgeben kann, für die er mit seinem Gesicht auf tausenden von Plakaten wirbt? Nein, haben wir nicht.

Die Stadt Zürich möchte plötzlich Grünabfälle sammeln

11. Oktober 2011

Die Stadt Zürich hat keine „Kompostsammlung“. Wieso das so ist, haben wir in einem unserer ersten Fragemails bei der Stadtverwaltung in Erfahrung zu bringen versucht. Zwei Jahre sind seither vergangen. In der Stadt Zürich gibt es nach wie vor keine Grünabfuhr.

Im Herbst 2009 erkundigten wir uns bei Grünstadt Zürich, wieso die Zürcher Stadtbewohner auf eine städtische Kompostsammlung verzichten müssen. So ausführlich die Antwort von Grünstadt Zürich war, so wenig konnte sie uns überzeugen.

Der Alleingang der Stadt Zürich

Die Stadt Zürich behauptete damals, sie entsorge die Grünabfälle bereits so umweltfreundlich wie irgendwie möglich. Dies sei durch die Verbrennung und Umwandlung in Energie im Kehrrichtsverbrennungskraftwerk gewährleistet. Die Stadt Zürich gestand jedoch ein, dass es durchaus noch ökologischer wäre, die Grünabfälle in Biogas und Kompost umzuwandeln. Doch angeblich sei die Sammlung der Grünabfälle selbst nicht nur zu teuer, sie verursache gar auch noch mehr Emissionen als durch die Vergärung eingespart würden. Dass in unzähligen anderen Schweizer Städten die Kompostsammlung als ökologischste Entsorgungsvariante angesehen wird, schien bei der Stadt Zürich keine Zweifel an der eigenen Strategie hervorzurufen.

Niedliches Biogaskraftwerk - wieso nicht auch in Zürich?

Niedliches Biogaskraftwerk - wieso nicht auch in Zürich?

Stadt Zürich zu klein für zusätzliche Abfallcontainer

Die Stadtverwaltung sah zudem ein weiteres Problem auf sich zukommen: “Ausserdem müssten wir eine Unmenge an Standorten finden für das Platzieren von Containern. Gerade erst haben wir Erfahrungen gesammelt mit der flächendeckenden Einführung von Züri-Sack-Containern. Ich kann Ihnen versichern, dass dies gelinde gesagt ein schwieriges Unterfangen war”, meinte der Vertreter von Grünstadt Zürich vor zwei Jahren.

Die Antwort der Stadt Zürich schloss vor zwei Jahren mit der Ankündigung im Jahr 2011 gemeinsam mit der Wohnbaugenossenschaft ABZ versuchsweise eine neue Vergäranlage in Betrieb zu nehmen. Das Jahr 2011 neigt sich langsam dem Ende zu, doch von einer Kompostsammlung haben wir bislang noch nicht allzuviel gesehen. Grund genug für ein weiteres Mail:

Guten Tag

Ich wohne schon mehrere Jahre in Zürich und liebe meine Stadt. Was einem an Dienstleistungen und Kulturellem geboten wird ist einfach genial. Aber eines hab ich mich schon ein paar Mal gefragt: „Wieso gibt es keine Sammlung für Küchenabfälle in Zürich?“. Einerseits stinkt der Kompost im Abfallsack und lockt regelmässig einen Schwarm von Fruchtfliegen an (pfui). Anderseits könnte man diese biogene Abfälle ja für die Energiegewinnung durch Vergärung brauchen.

Nun hab ich aber von einem Freund gehört, dass sich da bald etwas verändern wird und die Stadt Zürich schon bald eine Kompostsammlung einführen wird. Stimmt das? Bis wann kann man mit einer Kompostsammlung in der ganzen Stadt Zürich rechnen?

Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Vielen Dank und freundliche Grüsse

Gewohnt zuverlässig antwortete die Stadt Zürich auf unsere Frage:

Besten Dank für Ihre Anfrage.

Im Januar 2011 gründeten ERZ Entsorgung + Recycling Zürich und die Erdgas Zürich AG die Biogas Zürich AG. Das neue Unternehmen wird in den nächsten zwei Jahren die Organisation und Infrastruktur schaffen, damit die biogenen Garten- und Küchenabfälle aus Haushalten der Stadt Zürich gesammelt, verwertet und das daraus gewonnene Biogas ins Erdgasnetz der Stadt Zürich eingespeist werden kann.

Aktuell planen wir die Erweiterung des Kompostierwerks mit einem Vergärwerk. Dieses wird voraussichtlich im Jahr 2013 in Betrieb gehen. Ab diesem Zeitpunkt werden die Bioabfälle (Bioabfälle = Gartenabraum und Küchenabfälle) in der Stadt Zürich zur Biogaserzeugung genutzt und auch die neuen Bioabfallabonnements, voraussichtlich zum Jahreswechsel auf 1.01.2013, eingeführt.

Der Bezug der neuen Bioabfallabonnements ist freiwillig. Für die Abonnenten ist dann eine gemeinsame Sammlung von Küchenabfällen und Gartenabraum als Bioabfall vorgesehen. Die Abfalltrennung soll dann direkt in den Haushaltungen erfolgen und die Haushalte (bzw. Liegenschaften) können dann die jeweiligen Normcontainer gem. den Vorgaben von ERZ selbst erwerben. Das Abonnement wird dann voraussichtlich als Jahresvignette, welche auf dem Container angebracht wird, gelöst.

Detaillierte Merkblätter für die neuen Bioabfallabonnements gibt es leider noch nicht, da diese noch in Ausarbeitung sind.

Die Leerung der Container wird weiterhin durch ERZ, von März bis Mitte Dezember wöchentlich, von Mitte Dezember bis Februar alle 2 Wochen erfolgen.

Informationen zu den aktuellen Abonnements, die sich jedoch gegenwärtig ausschliesslich auf die Verwertung von Gartenabraum beschränken, finden Sie ausserdem unter: http://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/entsorgung_recycling/abfall/gartenabraum.html
Sowohl die genannte Homepage von ERZ als auch die u.g. Website der Biogas Zürich AG werden sukzessive mit Informationen zum neuen Vergärwerk und der Bioabfallsammlung versorgt. Insbesondere zum Ende diesen Jahres sollten die wichtigsten Informationen zu den neuen Bioabfallabonnements verfügbar sein.

Wir hoffen Ihnen mit diesen Informationen zu dienen und stehen für ergänzende Auskünfte gerne zur Verfügung.

Die Stadt Zürich liefert eine Antwort, die sich beträchtlich von derjenigen auf unser erstes Mail von 2009 unterscheidet. Vor zwei Jahren glaubte die Stadtverwaltung, dass die Verbrennung von Grünabfällen die umweltfreundlichste Entsorgungslösung sei. Heute scheint diese Ansicht innerhalb der Behörden nicht mehr geteilt zu werden. Plötzlich will man eine flächendeckende Kompostsammlung anbieten. Natürlich begrüsst LAMM diese Entwicklung. Die Meinungänderung der Stadt Zürich zeigt jedoch, dass auf die Aussagen der Medienbeauftragten nicht allzuviel Verlass ist.

Bis sich LAMM und alle umweltfreundlich gesinnten Bürger über eine Kompostsammlung in Zürich freuen dürfen, werden aber sicherlich noch einmal zwei weitere Jahre verstreichen…

Elektroschrottrecycling: Alle kooperieren – nur Aldi bockt

19. September 2011

1994 wurde in der Schweiz eine vorgezogene Entsorgungsgebühr auf Elektroschrott eingeführt. Alle grossen Detailhändler und Elektronikfachgeschäfte der Schweiz beteiligen sich am Recyclingsytem, das mit dieser Abgabe finanziert wird. Alle ausser Aldi.

Elektronische Geräte haben in der Regel keine lange Lebensdauer. Notebooks halten je nach Benutzung zwischen drei bis vier Jahren. MP3-Player leben auch nicht länger. Und Handys werden gar nach einem bis zwei Jahren ausgewechselt, obwohl sie oftmals noch funktionsfähig wären. Die Folge dieser kurzen Lebenserwartung: Jede Menge Elektroschrott.

Elektroschrottberg im chinesischen Guiyu, einem der grössten Entsorgungszentrum für Elektroschrott weltweit ((C) by Bert van Dijk

Kostbar und giftig

Elektroschrott ist ein mit einem Fluch belegter Schatz. In den entsorgten Geräten schlummern nämlich kostbare Rohstoffe. Diese den Elektroleichen zu entnehmen ist jedoch sowohl für den Menschen als auch für die Umwelt gefährlich. Denn neben den begehrten Materialien, erwarten den Recyclingfachmann im Innern des ausrangierten Geräts auch Schwermetalle wie Blei, Arsen und Quecksilber sowie hochgiftige, krebserregende Dioxine.

Dieser Giftcocktail macht das Recycling komplex und teuer. Viele industrialisierte Länder exportieren ihren Elektroschrott deswegen in Entwicklungsländer, wo unter prekärsten Bedingungen gar Kinder von Hand und ohne Schutz die Rohstoffe aus dem Abfall brechen.

Dank der vorgezogenen Entsorgungsgebühr gelangt der Schweizer Elektroschrott (in den meisten Fällen) nicht nach Afrika oder China, sondern bleibt in der Schweiz. Vom Kaufpreis jedes elektrischen Gerätes geht ein kleiner Teil an die SWICO, welche mit diesem Geld das fachgerechte Recycling organisiert und finanziert. Alle grossen und mittleren Elektronikfachgeschäfte und Detailhändler der Schweiz nehmen an diesem Recyclingsystem teil. Alle ausser Aldi:

Guten Tag

Ich gehe immer wieder einmal im Aldi einkaufen. Das grosse Sortiment beeindruckt mich.

Trotzdem habe ich eine Frage. Vor kurzem schaute ich einen Film über das Thema Elektroschrott – dieser hat mich ziemlich geschockt. Vor allem die Müllberge in Afrika, welche die Umwelt verseuchen sind sehr erschütternd. Da ich einen alten Laptop bei Aldi zur Entsorgung abgegeben habe, wollte ich
nun genauer wissen, was mit meinem alten Gerät passiert und hab mich via Internet informiert. Dabei bin ich zuerst auf die sozialen und ökologischen Richtlinien auf ihrer Homepage gestossen, welche mich sehr gefreut haben.

Bei meiner weiteren Suche bin ich aber auf die Information gestossen, dass Aldi einer der einzigen Elektrowarenanbieter in der Schweiz ist, welcher nicht Mitglied ist bei Swico Recycling, sondern seine Entsorgung selber organisiert. Leider  konnte ich auch nirgends eine Garantie dafür finden, dass mein alter Laptop bei Aldi in der Schweiz recycelt wurde. Muss ich damit rechnen, dass mein alter Computer nun auch die Flüsse in Afrika vergiftet? Wieso ist Aldi nicht Mitglied bei Swico Recycling.

Da mich dieses Thema wirklich ein wenig beschäftigt, würde ich mich sehr über eine Antwort freuen.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Würde die Antwort „billig“ ausfallen?

Vielen Dank, dass Sie sich an uns gewandt haben.

Wir können Ihnen mitteilen, dass wir als Lebensmittel Detailhändler nur vereinzelt Elektrogeräte als Spezialaktion in unseren Filialen anbieten.
Selbstverständlich kommen wir dabei auch den gesetzlichen Vorgaben in der Schweiz zur Rücknahme alter Geräte nach.

Wenn Sie bei uns ein Elektrogerät erwerben, können Sie Ihr vergleichbares Altgerät in unseren Filialen abgeben. In Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten werden die Altgeräte zertifiziert und umweltgerecht entsorgt.

Wir hoffen, Sie weiterhin zu unseren Kunden zählen zu dürfen.

Freundliche Grüsse

 Wenig überzeugende Antwort, die einer Aufdröselung bedarf:

Den gesetzlichen Vorgaben kommt Aldi wohl nach, denn der Discounter nimmt die Geräte ja zurück. Doch wieso kooperiert Aldi nicht mit den übrigen Firmen, die Elektrogeräte verkaufen und macht beim SWICO-System mit? Dass Aldi nur vereinzelt Elektrogeräte verkauft, lassen wir nicht gelten. Denn auch unter den SWICO-Partner gibt es viele Firmen, deren Hauptätigkeit keineswegs der Verkauf von Computern, iPhones oder Mikrowellen ist.

Wilde Vermutungen?

Wie so oft in der Wirtschaftswelt wird auch in diesem Fall Geld die entscheidende Rolle spielen. Denn obwohl  Aldi der SWICO keine Mitgliedschaftsgebühren zahlen muss, berechnet der Discounter den Kunden eine Entsorgungsgebühr. Kaufen diese also ein Elektrogerät bei Aldi und entsorgen es zwei Jahre später bei einem Aldi-Konkurrenten – was dank dem SWICO-System mit vorgezogener Entsorgungsgebühr möglich ist – , bleibt die Entsorgungsgebühr in der Aldi-Kasse.

In Guiyu wird der Elektroschrott unter katastrophalen Bedingungen rezykliert ((C) by Bert van Dijk)

Am Aldi-System stört ausserdem, dass das Recycling nicht zurückverfolgt werden kann. Im Swico-System sind Recyclingunternehmen transparent mitsamt Adresse aufgelistet. Aldi gibt, wie im Mail zu lesen, kaum Informationen zu ihrem Recyclingwesen preis.

PS: Nich alle deutschen Discounter sind Trittbrettfahrer: Lidl ist SWICO-Partner

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