Lancias Werbespot verspottet Menschen mit Sprachgefühl
Mit Sprachwitz will Lancia zum Autokauf motivieren. Doch Wortspiele sind Glückssache. Manchmal würde aber nur schon ein Blick in den Duden genügen, um groben sprachlichen Unfug zu verhindern.
Sein neues Modell „New Ypsilon“ wollte der italienische Autobauer Lancia mit einer besonders phantasievollen Kampagne bewerben. Nebst Anzeigen, Plakaten und Radiospots produzierte man einen TV-Spot mit Hollywoodstar Vincent Cassel, (Matrix, Black Swan). Der Franzose mit dem schmierigen Bad-Boy Image doziert im 30 Sekunden langen Filmchen, das auf Youtube in seiner Originalversion leider nur mehr auf Französisch verfügbar ist, darüber, was Luxus, Gier und Überfluss bedeuten und ob materieller Luxus glücklich macht: „Partys, Schmuck, Juwelen, Verschwendung, Mehr! Ist das Erfolg? Geht es darum, was wir besitzen?“ Sein durchaus einleuchtendes Fazit: „Manchmal sind die einfachsten Dinge der grösste Luxus im Leben“. Der Werbespot schliesst mit der Parole: „Luxus ist ein Recht“.
Botschaft, die dem Kampagnenziel zuwiderläuft
An Cassels Monolog wäre eigentlich nichts auszusetzen. Ja, er spricht uns geradezu aus dem Herzen. Materieller Überfluss und Verschwendung machen nicht glücklich. Wenn schon, dann bewusster Konsum von Notwendigem.
Doch zwei Dinge an der ganzen Kampagne verwirren uns. Erstens, wieso verwendet Lancia solche konsumkritischen Überlegungen, um zum Autokauf aufzurufen? Und zweitens: Wie kann Luxus ein Recht sein? Luxus ist definiert dadurch, dass er eben nicht jedem zugänglich ist, weil er „den normalen Rahmen (der Lebenshaltung o. Ä.) übersteigt“ (Quelle: Duden). Zudem widerspricht Luxus in seiner Definition als „verschwenderischer, nicht notwendiger, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand“ (Ebenfalls Duden) fundamental den Ausführungen Cassels im Clip.
Zeit für ein Mail an Lancia:
Guten Tag
Vor kurzem bin ich an einem ihrer neuen Plakate für den Lancia New Ypsilon vorbeigekommen. Das Plakat hat mir eigentlich sehr gefallen – nur den Werbespruch fand ich ein wenig bedrückend. Auf ihren Plakaten steht: „ Luxus ist ein Recht“. Wenn aber etwas ein Recht ist, dann steht es allen zu. Gerade Luxus definiert sich ja aber dadurch, dass er nicht für alle verfügbar ist. Es wäre ja schön, wenn alle Menschen den Zugang zu Luxus hätten. Aber ich denke, dass dies bei der momentanen Lage auf der Welt schon in Europa nicht möglich ist. Deshalb stimmte mich ihr Werbespruch nachdenklich.
Vielleicht habe ich die Werbung ja falschverstanden. Deshalb wäre ich um eine Erklärung froh. Wie ist der Werbespruch zu verstehen?
Ich würde mich sehr über eine Antwortfreuen.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Mit den Werbeplakaten wollte man die Kunden natürlich nicht nachdenklich sondern kauffreudig stimmen. Das Missverständnis musste also aus der Welt geräumt werden:
Besten Dank für Ihre Rückmeldung und interessanten Anmerkungen betreffend unserer Headline „Luxus ist ein Recht.“ im Zusammenhang mit der New Ypsilon Lancierungskampagne.
Grundsätzlich sollte mit der Kampagne ausgedrückt werden, dass Luxus nicht – wie oftmals verstanden wird – daraus besteht, möglichst teure/kostspielige Objekte zu besitzen, sondern dass Luxus auch aus kleinen erschwinglichen oder auch immateriellen Dingen (je nach individuellem Interesse) bestehen kann.
Leider, und da müssen wir Ihnen Recht geben, ist die Headline „Luxus ist ein Recht.“ nicht unbedingt gut geeignet, um diese Message auf einem Plakat zu übermitteln. Im TV funktionierte sie etwas besser, da noch einige zusätzliche Ausführungen gemacht werden konnten. Auf den Plakaten waren auch wir mit dieser Headline nicht glücklich.
Als Konsequenz wurde dann auch im Zuge der zweiten Kommunikationswelle die Headline auf „Eleganz ist ein Recht“ abgeändert.
Wir können Ihnen versichern, dass es nie unsere Absicht war, die ernsthaften und Grundlegenden Existenzprobleme zu ignorieren und stattdessen zu behaupten, es gehe primär nur um Luxus. Dass aber nur schon dieser Eindruck entstehen konnte, bedauern wir sehr.
Wir bedanken uns nochmals für Ihre interessanten Hinweise und hoffen, Ihre offenen Fragen hinreichend beantwortet zu haben.
Mit freundlichen Grüssen
Fiat Group Automobiles Switzerland SA
Auf unsere Frage erhalten wir ein mit (un)sinnigen Sätzen vollgepacktes Mail, das nach einer Analyse schreit.
Fiat, dem Lancia gehört, erklärt, dass man mit dem Clip eine noble Botschaft unters Volk bringen wollte: „Luxus kann auch aus kleinen, erschwinglichen oder auch immateriellen Dingen bestehen.“
1. Das Ziel der Kampagne war natürlich Kunden zum Kauf des New Ypsilon zu motivieren und nicht Bewussstseinsbildung der nachhaltigen Art zu betreiben.
2. Die Parole „Luxus ist ein Recht“ sollte den Kunden mitteilen, dass jeder ein Anrecht darauf hat Luxusgüter zu besitzen. Lancia stellt solch ein Luxusgut her, das für jeden erschwinglich ist: den Lancia New Ypsilon.
3. ABER: Der Lancia New Ypsilon ist weder ein immaterielles Gut, noch ist er ausserordentlich günstig. Für den Kleinwagen gibt man zwischen 12’000 und 19’000 Euro aus. Ein stolzer Preis für ein winziges Auto.
4. UND: Selbst wenn der Lancia New Ypsilon eher ein kleineres Exemplar der Gattung Auto darstellt, ist er noch lange nicht das, was man sich vorstellt, wenn man von etwas „Kleinem“ redet. Er ist ein Auto. Ein Auto ist niemals „klein“.
5. Die Botschaft „Luxus kann auch aus kleinen, erschwinglichen oder auch immateriellen Dingen bestehen“ lässt sich also nicht dazu verwenden, ein Auto zu bewerben. Erst recht nicht Lancia New Ypsilon.
Für absichtlichen Zynismus schlichtwegs zu schlecht
Immerhin hat Fiat – wenn auch aus anderen Gründen – eingesehen, dass diese Headline mit ihrer Botschaft nicht funktioniert . Dass es nie Fiats Absicht war, „ernsthafte und grundlegende Existenzprobleme zu ignorieren und stattdessen zu behaupten, es gehe primär nur um Luxus“, glauben wir sofort. Wer so weit gedacht hat, hätte sich nie mit einem solch schlechten Wortspiel zufrieden gegeben. Solche unglaublich zynische und böse Überlegungen könnte nur ein wahrer Bösewicht mit einem brillanten Gehirn anstellen. Ein Bösewicht etwa, wie Vincent Cassels ihn jeweils in seinen Filmen mimt….
Die SVA Zürich verschickt „leeres Papier“
Öffentliche Behörden gehen besonders sorgfältig mit Geld und natürlichen Ressourcen um – möchte man glauben. Doch die Zürcher Ausgleichskasse SVA scheint in den 90er Jahren, als Papierverschwendung noch ein Kavaliersdelikt der harmloseren Sorte war, hängen geblieben zu sein. Oder ist es unsere nörgelige Neugierde, die wie von vorgestern anmutet?
Kein Unternehmen und keine öffentliche Behörde versorgt jedes Jahr mehr Menschen mit Papier als die SVA Zürich. Sie ist nicht nur verantwortlich für AHV, IV, Mutterschaftsentschädigungen, Familienzulagen und Prämienverbilligungen, sondern kümmert sich auch um den Erwerbsersatz der Militärdienstleistenden und die Familienzulagen der Zürcher Bauern. Zu ihren Kunden zählt sie laut eigenen Worten alle im Kanton Zürich wohnhaften und arbeitenden Sozialversicherten sowie alle Arbeitgebenden und Sozialpartner. Und all diese “Kunden” werden zuverlässig mit Rechnungen, Mahnungen, Kontoauszügen, Prämienverbilligungsvorlagen und Infomaterial eingedeckt. Postalisch versteht sich. Zu sagen, dass die SVA Zürich jedes Jahr mehrere Millionen Blatt Papier verschickt, dürfte kaum übertrieben sein.
Geldverschwender und Umweltsünder?
Als öffentliche Behörde sollte es für die SVA eigentlich selbstverständlich sein, weder Geld noch natürliche Ressourcen zu verschwenden. Wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit dürfte man gerade von einem “Kompetenzzentrum für Sozialversicherungen” erwarten. Doch der Brief, den ein LAMM-Mitglied kürzlich von der SVA erhalten hat, entlarvt diese Erwartungen als idealistische Illusionen. Zwei Blatt Papier befanden sich im Couvert. Auf beiden Blättern fand sich der Adressblock. Nur eines der beiden Blätter war aber mit Text bedruckt. Das erste Blatt war – bis auf den Adressblock, der ja auch auf dem zweiten Blatt zu finden war, vollkommen leer. Eine unsinnige Papierverschwendung, im Kleinen zu vernachlässigen, doch bei den unglaublichen Mengen an Briefen, die die SVA verschickt, eher ärgerlich.
Liebe SVA
Soeben erhielt ich wieder einmal Post von ihnen. Dabei hat es mich erstaunt, dass auf dem vordersten Blatt Papier ausser meiner Adresse rein gar nichts stand (Adressblock oben rechts).Da auch auf dem zweiten Blatt Papier mit der Rechnung meine Adresse am genau gleichen Ort zu finden ist, habe ich mich gefragt, weshalb da noch dieses erste Blatt ist?
Klar, es ist nicht weiter störend und ich kann das erste Blatt ja einfach in die Papiersammlung werfen, aber angesichts der Menge an Briefen, welche die SVA verschickt, summiert sich dieses eine Blatt wahrscheinlich auf eine ansehnliche Menge Papier, welches dann einfach (oder hoffentlich) im Altpapier landet. Dies ist nicht gerade ein ressourceschonender Umgang.
Wieso verschicken sie dieses überflüssige Papier?
Vielen Dank für eine kurze Antwort und freundliche Grüsse
Die SVA nahm sich für eine Antwort kurz Zeit:
Besten Dank für Ihr E-Mail vom 6. Dezember 2011.
Bei der letzten Fakturierung haben wir unsere Rechnungen erstmals mit einer Data Matrix versehen. Mit diesem Code, welcher im Adressfenster als kleines Viereck zu sehen ist, können wir dem allfälligen Vorwurf, die Rechnung nicht erhalten zu haben, mit grösserem Erfolg begegnen.
Wir verstehen Ihr Anliegen, auf scheinbar unnötige Blätter zu verzichten, sehr gut. Aus technischen Gründen war es jedoch notwendig, den erwähnten Code auf ein Zusatzblatt aufzudrucken. Dies betrachten wir als vorübergehende Lösung, die es im Laufe des nächsten Jahres abzulösen gilt. Bis dahin bitten wir Sie um Verständnis.
Rufen Sie uns an, wenn Sie zu unserer Antwort noch Fragen haben.
Wir grüssen Sie freundlich.
Erstmals gebührt der SVA ein Lob. Die DataMatrix wird vermutlich dazu beitragen, weiteren mühseligen, papiervernichtenden Briefverkehr zu reduzieren. Dennoch bleibt für uns unklar, weshalb dieses kleine Wundermittel nicht zusammen mit dem Brieftext und der Adresse auf ein einziges Blatt Papier gedruckt werden konnte. Platz wäre genügend vorhanden gewesen. Und der auf demselben Blatt Papier aufgedruckte Adressblock deutet daraufhin, dass die Datamatrix auch mit einem herkömmlichen Drucker (oder umgekehrt alles zusammen mit einem Datamatrixdrucker, wenn es denn einen gibt und braucht) ausgedruckt werden kann.
Man mag einwenden, dass unsere Frage kleinlich sei. Dem wäre so, wenn sich die Papierverschwendung auf einen einzigen Brief beschränken würde. Doch, wie zu Beginn skizziert, unterhält die SVA „Kundenbeziehungen“ zu hunderttausenden Menschen, von denen zehntausende mit denselben Briefen bedient werden. Die DataMatrix muss also sicher zehntausendfach auf ein separates Blatt Papier gedruckt worden sein.
Das Etikett „Umweltsünde“ verdient diese Aktion gerade deshalb, weil sie schlichtweg unsinnig war. Die SVA kann jedenfalls nicht logisch erklären, weshalb die DataMatrix auf ein separates Blatt Papier hatte gedruckt werden müssen. Wir hoffen deshalb auf das Versprechen der SVA, nächstes Jahr die kuriose Druckpolitik zu verbessern.
Was meint ihr werte Leser: Findet Ihr wir sollten uns weiterhin mit scheinbar kleinlichen Fragen beschäftigen?
Die Zürcher Kantonalbank verspottet die eigenen Nachhaltigkeitskriterien
Banken arbeiten mit den Geldern ihrer Kunden. Um die Kundeneinlagen zu vermehren und eigene Profite zu erwirtschaften gewähren sie Kleinunternehmen Kredite, spekulieren auf Währungskursschwankungen oder investieren in Grossunternehmen. Dass dabei mit dem Geld der Kunden auch blutige Projekte mitfinanziert werden, wurde lange Zeit verdrängt.
Schon vor zwei Jahren deckte die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern auf, dass die zwei Schweizer Grossbanken CS und UBS durch ihre Kreditfinanzierungen indirekt (und direkt) Menschenrechte verletzen. In Usbekistan finanzierte die CS den Kauf von Baumwolle, die mit Kinder- und Sklavenarbeit geerntet worden war. Zudem gewährten beide Schweizer Grossbanken Rüstungsunternehmen Kredite, die international geächtete Streubomben produzierten. Dies waren nur zwei von vielen Beispielen, die von der EvB auf der Seite www.bankenundmenschenrechte.ch aufgelistet wurden.
UBS kann Finger nicht von Waffendeals lassen
Nachdem der Bundesrat im Sommer dieses Jahres erklärt hatte das internationale Abkommen zur Ächtung von Streubomben ratifizieren zu wollen, geriet zumindest die Streubombenfinanzierung unter Druck. So zog sich die CS von Geschäften mit den Produzenten der heimtückischen Bomben zurück. Die UBS hingegen liessen die kommenden rechtlichen Regelungen kalt. Solange wie gesetzlich erlaubt will sie bei den lukrativen Waffengeschäften mitprofitieren.
Die Skurpellosigkeit der Grossbanken dürfte nur wenige unserer Leser erstaunen. Spannender gestaltet sich schon die Frage, wie geschäftstüchtig die kleineren und mittleren Banken, die sich in den Händen von Genossenschaftern und Kantonen befinden, bei Waffengeschäften mitmischeln. Zu unserem ersten Ansprechpartner erkoren wir die Zürcher Kantonalbank, die sich selbst als besonders nachhaltige Bank zu verkaufen versucht
Liebe Zkb
Ich hab schon seit immer mein Konto bei euch – und war/bin damit zufrieden. Die Schweizer Banken liefern ja momentan eine Menge an Gesprächsstoff. Was man auch immer wieder hört, ist dass die Banken in Projekte der Rüstungsindustrie investieren. Ich hoffe, sie haben Verständnis dafür, dass es mir beim Gedanken, mein bei ihnen gelagertes Geld könnte den Krieg unterstützen nicht gerade wohl ist.
Unterstützt auch die ZKB Projekte in der Rüstungsindustrie?
Vielen Dank für eine Antwort und freundliche Grüsse
Kriegsfinancier ist ein Vorwurf, den die ZKB natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen wollte:
Wir verstehen Ihren Unmut. Die Zürcher Kantonalbank beachtet bei ihrer Geschäftstätigkeit im In- und Ausland die Grundsätze der Nachhaltigkeit. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir erfolgreiches wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen.
Bei Investitionen in Unternehmen gibt es strikte Richtlinien, die wir als Bank beachten.
Der ZKB Vision Fonds hält 35’000 Aktien der Firma Textron, die primär in Helikopter und andere Fluggeräte herstellt. Dies entspricht 1,6 Prozent des gesamten Fondsvolumen. Die Firma Textron ist vornehmlich in der Herstellung von Fluggeräten tätig. Firmen, die mit der Herstellung von Waffen und Munition zu tun haben, werden gemäss den Ausschlusskriterien der ZKB zu 100 Prozent ausgeschlossen.
Ich hoffe, Ihnen eine zufriedenstellende Antwort gegeben zu haben
Eine in verschiedener Hinsicht äusserst aufschlussreiche Antwort. Den Grundsatz der Nachhaltigkeit, der von der ZKB zitiert wird, ist für eine Schweizer Bank löblich. Wie die Beispiele auf BankenundMenschenrechte.ch zeigen, sind Nachhaltigkeitsleitrichtlinien bislang von den Grossbanken eher belächelt worden. Doch zurück zur ZKB und ihrem ‘Gutbankentum’.
„Wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen“, beinhaltet selbstverständlich, dass Rüstungsunternehmen von Investitionen ausgeschlossen werden. Die ZKB scheint erkannt zu haben, wie sie die abstrakten Nachhaltigkeitsleitlinien konkret umsetzten könnte.
ZKBs Richtlinien nicht mehr als leere Worte
Könnte? Ja, könnte! Die von der ZKB erwähnte Firma namens Textron produziert nämlich weit mehr als zivile Helikopter. Folgend ein paar Bilder (bei Klick auf ein Bild öffnet sich die Galerie) und ein Video (Ausschnitt von zwei Minuten) aus Textrons Produkteportfolio, das die Firma auf ihrer Website präsentiert:
Wir zitieren: „Firmen, die mit der Herstellung von Waffen und Munition zu tun haben, werden gemäss den Ausschlusskriterien der ZKB zu 100 Prozent ausgeschlossen.“
Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.
P.S. Textron produziert selbstveränstlich auch Streubomben.
Update: Bitte beachtet die jüngsten Entwicklungen im ZKB-Textronfall in den Kommentaren zu diesem Artikel!
SVP und FDP kämpfen um einen wertlosen Titel
In der Politik wird nicht immer mit offenen Karten gespielt. Lügen und Intrigen sind an der Tagesordnung und erstaunen weder direkt Beteiligte noch interessierte Beobachter – könnte man denken. Doch manche Behauptungen verblüffen selbst abgebrühte Politbeobachter.
Die Schweizer Parteienlandschaft hat sich in den letzten vier Jahren heftig gewandelt. Neue Parteien entstanden. Moderate Flügel spalteten sich von ihren Mutterparteien ab. Traditionelle Gründerparteien verloren ihre Stammwählerschaft. Allem Wandel zum Trotz gilt und galt selbst im letzten Wahlkampf aber eine Sache als unbestritten: Die meisten Mitglieder aller Schweizer Parteien zählt seit ihrer Gründung die FDP. Mehr als 120’000 Mitglieder las man in der einen Zeitung. Über 140’000 Mitglieder vermeldete ein anderes Blatt.
Doch in diesen unheiligen Tagen des Politkarnevals erdreistete sich eine freche Partei den unantastbaren Status der FDP als mitgliederstärkste Schweizer Partei anzuzweifeln. Auf ihrer Website verkündete die SVP frech, sie sei mit 90’000 Mitgliedern die grösste Partei der Schweiz.
90’000? Eine deutlich niedrigere Zahl als die in den Zeitung verbreiteten 120’000 – 140’000 Mitglieder der FDP. Wie kommt die SVP zu ihrer Behauptung, sie sei die grösste Partei der Schweiz
Liebe SVP
Eben war ich auf eurer Website und habe dort auf Mitglied werden geklickt. Dann gelangt man auf diese Seite hier:
http://www.svp.ch/g3.cms/s_page/78450/s_name/mitgliedwerden
Dort steht, dass die SVP 90’000 Mitglieder hat und somit „die grösste Partei der Schweiz ist“.
Bei allen Sympathien muss ich aber doch eines fragen:Wieso steht da, dass die SVP mit 90’000 Mitglieder die grösste Partei der Schweiz ist, wo doch die FDP (laut eigenen Angaben) mehr als 130’000 Mitglieder zählt? (Wo die sich verstecken, weiss ich auch nicht, aber egal)
Ich wäre froh, wenn sie mir diese Frage beantworten könnten.
Liebe Grüsse
Einer politischen Partei muss man sich nicht anbiedern, um eine Antwort zu erhalten …
Sehr geehrter Herr
Sie haben recht, gemäss den offiziellen Statistiken – d.h. die werden von Politikwissenschaftlern (auch ich gehöre dieser Zunft an), aber seit Jahren bestritten, da es sich nicht um wirkliche Mitglieder, sondern oft einfach Sympathisanten-Strukturen handelt. In dem Sinne gehen wir als Partei davon aus, dass wir am meisten Mitglieder haben, die wirklich vor Ort einer Ortssektion ihren Mitgliederbeitrag bezahlen. Sie haben aber Recht, dass diese Aussage so gewagt ist. Unbestritten klar ist, dass wir die stärke Partei sind in Bezug auf Wählerstärke und sich dies wohl auch am Sonntag bestätigen wird.
Freundliche Grüsse
Glücklicherweise befindet sich auch im LAMM-Vorstand ein Subjekt aus der Zunft der Politikwissenschaftler. Dessen messerscharfe Analyse der SVP-Antwort lautet:
Selbst wenn die Behauptung der SVP stimmt – ob diese tatsächlich dem wissenschaftlichen Zirkel entstammt, bleibe mal dahingestellt – könnte man davon ausgehen, dass die Mitgliederzahlen, die von der SVP kommuniziert werden, kaum vertrauenswürdiger sind, als die von der FDP publizierten Zahlen.
Wie es sich gehört, informierten wir die um ihren Titel geprellte FDP über die dreisten Behauptungen der SVP:
Liebe FDP
Gerade war ich auf der Homepage der SVP und habe gesehen, dass diese behauptet mit 90’000 Mitgliedern die grösste Partei der Schweiz zu sein. Auf meine Nachfrage, weshalb sie dies behaupten, wo doch die FDP mit angelich 130’000 Mitgliedern klar grösser sei, antwortete die SVP: Politologen gehen davon aus, dass diese Zahlen nicht so gelesen werden dürften, weil oftmals blosse Sympathisanten gezählt würden. Die 90’000 der SVP seien aber tatsächlich zahlende Mitglieder, so die Parteizentrale.
Deshalb nun meine Frage an euch:
Wie viele Mitglieder, die jährlich ihren Mitgliederbeitrag zahlen, hat die FDP? (nebenbei: wie hoch ist dieser Mitgliederbeitrag eigentlich?)
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir diese Frage beantworten könntet.
Besten Dank für Ihre Anfrage.
Bald schon antwortete die FDP:
Die FDP ist föderalistisch organisiert, d.h. jede Kantonalpartei bestimmt selbst über seine Mitglieder und auch über die Mitgliederbeiträge. Die Mitgliederbeiträge sind auch von Ortspartei zu Ortspartei verschieden. Sie gehen von 0.- – 100.-.
Es gibt bei uns auch Kantonalparteien die nur aus Sympathisanten bestehen, diese bezahlen aber auch jährlich einen Beitrag, u.a. auch einen Beitrag via Mitgliedermagazin.
Unsere Zahl von 130‘000 wird daher also schon den Zahlenden entsprechen.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit behilflich sein.
Beste Grüsse
Dem bleibt nichts hinzuzufügen. Die grösste Partei der Schweiz wäre ohnehin unbestritten die LAMM-Partei.
Bequemer Salatgenuss bringt der Umwelt Verdruss
Convenience-Food hat sich in den Supermärkten eine beachtliche Verkaufsfläche erobert. Die Vorurteile sind hingegen nicht weniger geworden: Bezahlt die Umwelt für das „bequeme Essen“ einen hohen Preis? Und belastet die Fertignahrung gar unsere Gesundheit?
Am Anfang der Bequemlichkeitsnahrung steht die Erbswurst, ein Konzentrat, das mit kochendem Wasser verrührt eine schnelle Suppe ergibt. Erbsenmehl und Speckfett waren die Elementarteilchen der Ursuppe, aus der das Imperium der Suppenfabrik der Gebrüder Knorr 1889 geboren wurde. Die Erfindung der Beutelsuppe kam einer kochtechnischen Revolution gleich. Ohne mühseliges Gemüseschnipseln innert weniger Minuten eine fertige Suppe auf den Tisch zaubern: Der Traum jeder Hausfrau in eine niedliche Tüte gepackt.
Aus der Ursuppe bildet sich ein Convenience-Universum
Die Revolution machte vor den hohen Wänden des Suppentopfes nicht halt. Kaum über den Kesselrand geklettert, erreichte sie bald schon Dosen (Linseneintopf mit Speck) und Tuben (Bratensauce). Im Gemüsebeet spaltete sie die Gemeinde der Salatköpfe in zwei Lager: Solche, die ungewaschen in den Auslagen der Supermärkte landen, und Andere, die gewaschen und in mundgerechte Teile zerlegt in den Kühlregalen auf ihre Käufer warten.
Fertigsalate spalten auch das Lager der umweltbewussten Konsumenten. Die Beutelsalate sind – ungeachtet der saisonalen Verfügbarkeit – das ganze Jahr über erhältlich. Zumindest im Winterhalbjahr kommt dies sehr langen Transportwegen gleich. Zudem müssen Gemüse und Salate – anstatt direkt vom Bauernhof in die Verteilzentralen der Supermärkte gebracht zu werden – zuerst einen Umweg über möglicherweise gar mehrere Fabriken nehmen, wo sie gewaschen, geraffelt und abgepackt werden. Abgepackter, konsumfertiger Salat ist einem grünen Konsumenten folglich ein Dorn im Auge.
Wie umweltschädlich der „bequeme Salat“ tatsächlich ist, hängt aber entscheidend davon ab, woher die einzelnen Salate und Gemüse tatsächlich stammen und wie viele Produktionsstandorte sie auf ihrem Weg in den Plastikbeutel durchlaufen müssen.
Um diese Frage zu klären, wandten wir uns an einen grossen Beutelsalatproduzenten höchstpersönlich
:
Guten Tag
Ich gehe gerne bei der Migros einkaufen – man könnte mich als Migroskind bezeichen. Falls sie diesen Ausdruck kennen
.
Ich kaufe manchmal den abgepackten Fertigsalat (weil ich Salatwaschen nicht sonderlich mag…). Aber immer, wenn ich diesen Salat nach hause bringe, krieg ich eine Standpauke von meiner Mitbewohnerin. Sie behauptet dann zwei Sachen: Erstens sei der Salat ökologisch schlecht, weil er für die verschiedenen Verarbeitungsschritte weit transportiert werden muss. Und zweitens sei er ungesund, weil er nicht mehr so viele Vitamine drin hat.
Ich persönlich hatte genug von diesen Diskussionen und Mutmassungen, weshalb ich nun ihnen schreibe.
Wo genau wird der Fertigsalat angebaut und verarbeitet? Ist der Fertigsalat für die Umwelt schädlicher als die Salatköpfe? Hat der Fertigsalat wirklich weniger Vitamine drin?
Ich danke ihnen für eine Antwort.
Freundliche Grüsse
Fertig mit dem Vorurteilsalat:
Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, uns zu schreiben.
Bezüglich der ökologischen Bedenken können wir Sie ein gutes Stück beruhigen. Mindestens die Hälfte des Jahres verarbeiten wir Rohmaterial welches in der Schweiz angebaut und geerntet wird. Dabei arbeiten wir mit Produzenten zusammen die geografisch so ausgewählt sind, dass wir nebst Qualität und Frische auch die Versorgungssicherheit haben die wir für unsere tägliche Produktion brauchen.
Für die Wintermonate müssen wir uns den klimatischen Rahmenbedingungen beugen, die in der Schweiz herrschen. In dieser Zeit werden wir mehrheitlich mit Ware aus Frankreich, Spanien und Italien versorgt. Diese Ware wird nach der Ernte innerhalb weniger Stunden auf LKW verladen und in der Regel direkt zu uns gefahren. Während dem Transport herrschen dem Produkt entsprechende Kühltemperaturen die zudem permanent überwacht werden.
Beim Ausladen wird die Warensendung kontrolliert und bis zur Verarbeitung wieder korrekt gekühlt eingelagert. Die einzelnen Verarbeitungsschritte passieren allesamt bei uns hier im Hause – es gibt also keine weiteren Transporte als jene wenn wir die fertigen Beutelsalate mit einem gekühlten Transport an die Verteilzentren ausliefern.
Diese langen Transportwege gelten in dieser Periode sowohl für unsere Rohmaterialien als auch für jene Artikel welche Sie klassischerweise im Offenverkauf der Gemüseabteilung finden. Letztere Güter gelangen über regionale Verteilzentren in die Filialen und werden dort in der Regel ungekühlt zum Verkauf angeboten.
Etwas schwieriger ist da schon die Frage nach dem Vitamingehalt – diese kann nicht einfach so beantwortet werden, weil zu viele unbekannte und nicht beeinflussbare Parameter eine Rolle spielen. Grundsätzlich aber geht die Herstellerbranche aufgrund kürzerer Lagerdauer und permanenter Kühlung der Rohware davon aus, dass der Vitamingehalt der konsumfertig vorbereiteten Salate demjenigen der Salate aus der Gemüseabteilung in nichts nach steht. Wissenschaftlich anerkannte Studien dazu sind uns aber nicht bekannt.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen weiterzuhelfen und grüssen Sie freundlich.
Fertigsalate sind also, so man den Worten der Migros glauben darf, nicht so umweltschädlich wie wir es befürchtet hatten. Doch einmal mehr verbirgt sich die Teufel im Detail. Die implizite Behauptung, dass Fertigsalate und unverarbeitet verkauftes Gemüse ähnlich lange Transportwege hinter sich haben, stimmt nämlich gerade in Monaten, wo die einzelnen Gemüse- und Salatsorten für die Fertigsalate in der Schweiz selbst geerntet werden können, kaum. Die „Rohwaren“ werden wohl auch in Verteilzentren gebracht, bevor sie in den Läden verkauft werden. Diese sind aber regional verteilt. Der Fertigsalatfabriken hingegen gibt es in der Schweiz weniger als regionale Verteilzentren. Der Weg zur Fabrik ist also definitiv länger als die Strecke ins nächste Verteilzentrum.
Kühlungsbedürftig trotz mächtiger Verpackung
Zudem werden Fertigsalate länger gekühlt als die „Rohwaren“. Nur schon in den Geschäftern selbst sind unzählige Kühlaggregate damit beschäftigt, die Fertigsalate geniessbar zu halten. Für die Rohwaren entfällt diese Energieverschwendung.
Was die Migros gänzlich verschweigt, sind die ökologisch katastrophalen Plastikverpackungen der Convenience-Nahrung. Die Emissionen, die bei der Produktion dieser Verpackungen anfallen, müssen in die Ökobilanz der Fertigsalate mit einbezogen werden. Dann steht eines klar fest: Bequemlichkeit geht auch beim Salatgenuss auf Kosten der Umwelt.
P.S.: Auf den Punkt der gesundheitlichen Vor-/Nachteile gehen wir vorläufig nicht ein. Dazu gibt es zu viele Studien, als dass wir uns auf die Schnelle ein kompetentes Urteil hätten bilden können.
Oscarpreisträgern, Tennischampions und Rockstars ist eines gemein: Ihren Ruhm können sie als Werbebotschafter zu viel Geld machen. Doch hinter der Verlockung der leicht verdienten Marketingdollars lauert eine fiese Gefahr. Wer für die falsche Marke wirbt, tut der eigenen Marke keinen Gefallen.
Der Schweizer Modekonzern Charles Vögele hat ein Imageproblem. Niemand weiss, wofür Vögele eigentlich steht. „Bieder und billig“, lautet das vernichtende (Vor)Urteil, das Vögeles finanzielle Probleme begründet. Denn mit seinen 800 in ganz Europa verstreuten Filialen erwirtschaftete das Unternehmen letztes Jahr ganze 60 Millionen Verlust.
Arm und asozial?
Doch die wirtschaftliche Schieflage ist nicht der einzige Brandherd, den es im Modehaus zu löschen gilt. Vögele ist in den letzten Jahren zunehmend ins Kreuzfeuer der NGOs geraten. Grund: Die Pfäffiker Modefirma will von ihren ausländischen Produzenten nicht verlangen, dass diese ihren Fabrikangestellten einen existenzsichernden Lohn zahlen. Mit dem sogenannten Existenzlohn haben die Nichtregierungsorganisationen ein alternatives Konzept zum staatlichen Mindestlohn erschaffen. Der staatliche Mindestlohn wird von den Kleiderfabriken in Südostasien zwar oft bezahlt, doch ist er von den lokalen Regierungen meist derart niedrig festgelegt, dass er nicht einmal in Kambodscha oder Bangladesch zum Überleben reicht. Auch Vögele verpflichtet seine südostasiatischen und chinesischen Produzenten nur zur Zahlung des staatlichen Mindestlohnes. Dass dieser Lohn ein menschwenwürdiges Leben verunmöglicht, interessiert Vögele kaum.
Sein Geld investiert der Modekonzern lieber in teure Werbeaktionen und prominente Markenbotschafter. Erst lächelte Penelope Cruz samt Schwester Monica in Vögelekleidern von den Plakatwänden. Jetzt soll die Coolness eines Til Schweiger auf die Männerkollektion abfärben.
Konsumenten mit einem sozialen Bewusstsein fallen auf solche Marketingags natürlich nicht herein. Stattdessen stellen sie sich eine ganz andere Frage: Wissen die Schauspieler überhaupt welch asozialem Unternehmen sie ihr Gesicht leihen?
Guten Tag
Ich bin eine grosse Liebhaberin vieler Filme mit Til Schweiger. Mein Favorit ist seit jeher Knockin’ on Heaven’s Door. Leider konnte ich mir Kokowää noch nicht anschauen, bin aber sehr gespannt darauf.
Ich wohne in der Schweiz, wo Til Schweiger momentan wegen der Charles Vögele Werbekampagne auf jedem zweiten Plakat zu sehen ist. Und zu dieser Kampagne hätte ich eine Frage. Ich hab nämlich schon von mehreren Seiten gehört, dass der Modekonzern Charles Vögele von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen angeprangert wird. Charles Vögele zahle seinen Näherinnen keine Existenzlöhne. Arbeiterinnen, welche sich im Rahmen von Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, müssen anscheinend immer Angst haben vor einer Kündigung. Mit solchen Schlagzeilen schaffte es Vögele auch schon in die schweizer Presse: http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/voegele-mode-viel-geld-fuer-glamour-wenig-fuer-die-naeherinnen-101339836
Ist es Herrn Schweiger egal, welcher Firma er sein lächeln schenkt?
Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Til Schweiger hat nicht persönlich in die Tasten gehauen. Dafür sein Agenturwauwau:
Sehr geehrte Dame
vielen Dank für Ihr Schreiben vom heutigen Tage, welches uns freundlicherweise von Barefoot Films weitergeleitet wurde, da sich Herrn Mustermann um die Geschäfte und Angelegenheiten von Til Schweiger kümmert. Wir haben Ihre E-Mail mit Interesse gelesen und werden Til Schweiger gerne bei nächster Gelegenheit darüber informieren.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich Til Schweiger als Werbebotschafter und Designer der Charles Vögele Trading AG keine Meinung zu operativen Fragen des Managements bilden kann und somit auch nicht in der Lage ist, hierzu Position zu beziehen. Dies ist sicherlich nur aus der Kenntnis der spezifischen Sachlage heraus möglich.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.
Haben wir Verständnis dafür, dass Til Schweiger keine Meinung zu der Firma abgeben kann, für die er mit seinem Gesicht auf tausenden von Plakaten wirbt? Nein, haben wir nicht.
Die Stadt Zürich möchte plötzlich Grünabfälle sammeln
Die Stadt Zürich hat keine „Kompostsammlung“. Wieso das so ist, haben wir in einem unserer ersten Fragemails bei der Stadtverwaltung in Erfahrung zu bringen versucht. Zwei Jahre sind seither vergangen. In der Stadt Zürich gibt es nach wie vor keine Grünabfuhr.
Im Herbst 2009 erkundigten wir uns bei Grünstadt Zürich, wieso die Zürcher Stadtbewohner auf eine städtische Kompostsammlung verzichten müssen. So ausführlich die Antwort von Grünstadt Zürich war, so wenig konnte sie uns überzeugen.
Der Alleingang der Stadt Zürich
Die Stadt Zürich behauptete damals, sie entsorge die Grünabfälle bereits so umweltfreundlich wie irgendwie möglich. Dies sei durch die Verbrennung und Umwandlung in Energie im Kehrrichtsverbrennungskraftwerk gewährleistet. Die Stadt Zürich gestand jedoch ein, dass es durchaus noch ökologischer wäre, die Grünabfälle in Biogas und Kompost umzuwandeln. Doch angeblich sei die Sammlung der Grünabfälle selbst nicht nur zu teuer, sie verursache gar auch noch mehr Emissionen als durch die Vergärung eingespart würden. Dass in unzähligen anderen Schweizer Städten die Kompostsammlung als ökologischste Entsorgungsvariante angesehen wird, schien bei der Stadt Zürich keine Zweifel an der eigenen Strategie hervorzurufen.
Stadt Zürich zu klein für zusätzliche Abfallcontainer
Die Stadtverwaltung sah zudem ein weiteres Problem auf sich zukommen: “Ausserdem müssten wir eine Unmenge an Standorten finden für das Platzieren von Containern. Gerade erst haben wir Erfahrungen gesammelt mit der flächendeckenden Einführung von Züri-Sack-Containern. Ich kann Ihnen versichern, dass dies gelinde gesagt ein schwieriges Unterfangen war”, meinte der Vertreter von Grünstadt Zürich vor zwei Jahren.
Die Antwort der Stadt Zürich schloss vor zwei Jahren mit der Ankündigung im Jahr 2011 gemeinsam mit der Wohnbaugenossenschaft ABZ versuchsweise eine neue Vergäranlage in Betrieb zu nehmen. Das Jahr 2011 neigt sich langsam dem Ende zu, doch von einer Kompostsammlung haben wir bislang noch nicht allzuviel gesehen. Grund genug für ein weiteres Mail:
Guten Tag
Ich wohne schon mehrere Jahre in Zürich und liebe meine Stadt. Was einem an Dienstleistungen und Kulturellem geboten wird ist einfach genial. Aber eines hab ich mich schon ein paar Mal gefragt: „Wieso gibt es keine Sammlung für Küchenabfälle in Zürich?“. Einerseits stinkt der Kompost im Abfallsack und lockt regelmässig einen Schwarm von Fruchtfliegen an (pfui). Anderseits könnte man diese biogene Abfälle ja für die Energiegewinnung durch Vergärung brauchen.
Nun hab ich aber von einem Freund gehört, dass sich da bald etwas verändern wird und die Stadt Zürich schon bald eine Kompostsammlung einführen wird. Stimmt das? Bis wann kann man mit einer Kompostsammlung in der ganzen Stadt Zürich rechnen?
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Gewohnt zuverlässig antwortete die Stadt Zürich auf unsere Frage:
Besten Dank für Ihre Anfrage.
Im Januar 2011 gründeten ERZ Entsorgung + Recycling Zürich und die Erdgas Zürich AG die Biogas Zürich AG. Das neue Unternehmen wird in den nächsten zwei Jahren die Organisation und Infrastruktur schaffen, damit die biogenen Garten- und Küchenabfälle aus Haushalten der Stadt Zürich gesammelt, verwertet und das daraus gewonnene Biogas ins Erdgasnetz der Stadt Zürich eingespeist werden kann.
Aktuell planen wir die Erweiterung des Kompostierwerks mit einem Vergärwerk. Dieses wird voraussichtlich im Jahr 2013 in Betrieb gehen. Ab diesem Zeitpunkt werden die Bioabfälle (Bioabfälle = Gartenabraum und Küchenabfälle) in der Stadt Zürich zur Biogaserzeugung genutzt und auch die neuen Bioabfallabonnements, voraussichtlich zum Jahreswechsel auf 1.01.2013, eingeführt.
Der Bezug der neuen Bioabfallabonnements ist freiwillig. Für die Abonnenten ist dann eine gemeinsame Sammlung von Küchenabfällen und Gartenabraum als Bioabfall vorgesehen. Die Abfalltrennung soll dann direkt in den Haushaltungen erfolgen und die Haushalte (bzw. Liegenschaften) können dann die jeweiligen Normcontainer gem. den Vorgaben von ERZ selbst erwerben. Das Abonnement wird dann voraussichtlich als Jahresvignette, welche auf dem Container angebracht wird, gelöst.
Detaillierte Merkblätter für die neuen Bioabfallabonnements gibt es leider noch nicht, da diese noch in Ausarbeitung sind.
Die Leerung der Container wird weiterhin durch ERZ, von März bis Mitte Dezember wöchentlich, von Mitte Dezember bis Februar alle 2 Wochen erfolgen.
Informationen zu den aktuellen Abonnements, die sich jedoch gegenwärtig ausschliesslich auf die Verwertung von Gartenabraum beschränken, finden Sie ausserdem unter: http://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/entsorgung_recycling/abfall/gartenabraum.html
Sowohl die genannte Homepage von ERZ als auch die u.g. Website der Biogas Zürich AG werden sukzessive mit Informationen zum neuen Vergärwerk und der Bioabfallsammlung versorgt. Insbesondere zum Ende diesen Jahres sollten die wichtigsten Informationen zu den neuen Bioabfallabonnements verfügbar sein.Wir hoffen Ihnen mit diesen Informationen zu dienen und stehen für ergänzende Auskünfte gerne zur Verfügung.
Die Stadt Zürich liefert eine Antwort, die sich beträchtlich von derjenigen auf unser erstes Mail von 2009 unterscheidet. Vor zwei Jahren glaubte die Stadtverwaltung, dass die Verbrennung von Grünabfällen die umweltfreundlichste Entsorgungslösung sei. Heute scheint diese Ansicht innerhalb der Behörden nicht mehr geteilt zu werden. Plötzlich will man eine flächendeckende Kompostsammlung anbieten. Natürlich begrüsst LAMM diese Entwicklung. Die Meinungänderung der Stadt Zürich zeigt jedoch, dass auf die Aussagen der Medienbeauftragten nicht allzuviel Verlass ist.
Bis sich LAMM und alle umweltfreundlich gesinnten Bürger über eine Kompostsammlung in Zürich freuen dürfen, werden aber sicherlich noch einmal zwei weitere Jahre verstreichen…














